Die nächs­te Kri­se kommt be­stimmt

Die Ban­ken sind heu­te zwar si­che­rer als vor 2008, da­für ha­ben sich neue Ge­fah­ren auf­ge­baut. Ho­he Schul­den­tür­me zäh­len genau­so da­zu wie Cy­ber­at­ta­cken auf die Fi­nanz­welt.

Kurier (Samstag) - - WIRTSCHAFT -

Die Plei­te der US-In­vest­ment­bank Leh­man vor ex­akt zehn Jah­ren war so et­was wie ein Big Bang, dem zu­erst Fas­sungs­lo­sig­keit folg­te. Dann al­ler­dings ging es Schlag auf Schlag: Kon­zer­tier­te Ak­tio­nen von Staa­ten und No­ten­ban­ken, um das Fi­nanz­sys­tem vor dem Kol­laps zu be­wah­ren; enor­me Ber­ge an Steu­er­gel­dern, um wan­ken­de Ban­ken zu stüt­zen und die Wirt­schaft vor dem to­ta­len Ab­schmie­ren zu be­wah­ren; Staats­ga­ran­ti­en, um die Spa­rer zu be­ru­hi­gen.

Vie­le Mil­li­ar­den, Re­gu­lie­run­gen, Vor­schrif­ten und Stress­tests spä­ter lässt sich sa­gen: Die Ban­ken sind ein Stück si­che­rer ge­wor­den, auch weil sie viel hö­he­re Geld­pols­ter vor­rä­tig hal­ten müs­sen als frü­her. Der nächs­te Ur­knall kann, muss aber nicht aus der Ban­ken­welt kom­men. Wo aber lau­ern Ge­fah­ren, die das Po­ten­zi­al ha­ben, die Welt­wirt­schaft in die nächs­te Re­zes­si­on zu stür­zen und mas­sen­wei­se Ar­beits­plät­ze aus­zu­ra­die­ren? Die Kri­se kommt im­mer von dort, wo man sie nicht ver­mu­tet hät­te, sa­gen Öko­no­men. Trotz­dem – ei­ne Aus­wahl: Staats­schul­den Auch in der ak­tu­ell gu­ten Kon­junk­tur ge­lingt es vie­len Staa­ten nicht, we­ni­ger Geld aus­zu­ge­ben als ein­zu­neh­men – der Schul­den­turm wird im­mer hö­her. Das ist so­lan­ge kein Pro­blem, so­lan­ge der be- tref­fen­de Staat das Ver­trau­en gro­ßer In­ves­to­ren und klei­ner An­le­ger ge­nießt. Heißt: Sie ge­ben sich mit re­la­tiv ge­rin­ger Ver­zin­sung für die Staats­an­lei­hen zu­frie­den. Ist das Ver­trau­en da­hin, wird es für Staa­ten im­mer kost­spie­li­ger, sich zu ver­schul­den. Das Bei­spiel Grie­chen­land hat ge­zeigt: Selbst klei­ne Län­der kön­nen ei­ne Ge­mein­schaft wie die Eu­ro­zo­ne fast zer­rei­ßen. Mit der Kri­se in ei­nem gro­ßen Land wie dem bis über bei­de Oh­ren ver­schul­de­ten Ita­li­en wä­re die Ge­mein­schaft wohl über­for­dert.

In vie­len Schwel­len­län­dern wächst die nächs­te Ge­fahr her­an: Gro­ße Tei­le ih­rer Staats­ver­schul­dung lau­ten nicht auf die Lan­des­wäh­rung, son­dern auf US-Dol­lar, weil dies in Zei­ten des Dol­larZin­stiefs güns­ti­ger war. Weil der Gre­en­back mit den stei­gen­den US-Zin­sen an Wert ge­winnt, wird es für die Schwel­len­län­der aber schwie­ri­ger, die­se Schul­den pro­blem­los zu­rück zu zah­len. Un­ter­neh­mens- und Pri­vat­schul­den Auch vie­le Fir­men und Pri­vat­haus­hal­te rund um den Glo­bus ha­ben sich in Fremd­wäh­rung ver­schul­det. Ver­schie­ben sich die Wäh­rungs­ver­hält­nis­se, kann das ver­häng­nis­voll en­den. Ein Bei­spiel lebt die Tür­kei vor: Die Li­ra hat heu­er fast die Hälf­te ih­res Wer­tes ver­lo­ren, die Dol­lar-Schul­den der Fir­men und Pri­va­ten, die Ein­künf­te in Li­ra ha­ben, sind qua­si ex­plo­diert. Ei­ni­ge Öko­no­men sa­gen dem Land ei­ne Re­zes­si­on, vie­le Fir­men­plei­ten und ho­he Ar­beits­lo­sig­keit vor­aus. In Ar­gen­ti­ni­en zeich­net sich ei­ne gro­ße Kri­se ab, die schon auf Bra­si­li­en, In­do­ne­si­en, In­di­en oder Süd­afri­ka ab­färbt.

Das jah­re­lan­ge Zin­s­tief hat im Fir­men­be­reich mög­li­cher­wei­se ei­ne wei­te­re Ge­fahr pro­du­ziert: Durch Kre­di­te zum Bil­lig­ta­rif konn­ten Un­ter­neh­men über­le­ben, die es sonst nicht ge­schafft hät- ten. Zom­bie-Fir­men wer­den sie von den Ex­per­ten gar nicht lie­be­voll ge­nannt. Stei­gen die Zin­sen, könn­ten die­se Un­to­ten letzt­lich doch noch den Geist auf­ge­ben – und vie­le Ar­beits­plät­ze ver­nich­ten.

Bä­ren­stim­mung für Pes­si­mis­ten: Schul­den­ber­ge, ob vom Staat oder pri­vat, könn­ten Kri­sen aus­lö­sen

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