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Kurier (Samstag) - - WIRTSCHAFT - Je­an-Clau­de Tri­chet, Ex-Chef der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank Ewald No­wot­ny, Gou­ver­neur der Oes­ter­rei­chi­schen Na­tio­nal­bank Andre­as Itt­ner, OeNB-Vi­ze­chef Wal­ter Ro­then­stei­ner, Ge­ne­ral­an­walt des Öst. Raiff­ei­sen­ver­ban­des Franz Gas­sels­ber­ger, Vor­stands­chef der Ob

„Die Ver­schul­dung der Schwel­len­län­der macht das Fi­nanz­sys­tem heu­te so ver­wund­bar wie 2008 – wenn nicht noch mehr.“ „Wenn ich mir die Ak­ti­en-Be­wer­tun­gen und Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis­se in den USA an­se­he, wä­re ich per­sön­lich eher vor­sich­tig. Es ist die tra­di­tio­nel­le Auf­ga­be von No­ten­ban­ken, ei­ne Stim­me der Ver­nunft zu sein, auch wenn man die­se nicht so ger­ne hört.“ „Das Auf­sichts- und Sta­bi­li­täts­sys­tem ist un­ver­gleich­lich stär­ker als 2008. Es wä­re aber ein Trug­schluss zu glau­ben, dass Auf­se­her ein Sys­tem bau­en kön­nen, das völ­lig un­ver­wund­bar ist.“ „Nach Leh­man ist sehr viel i n Sa­chen Ri­si­ko­mi­ni­mie­rung ge­sche­hen, al­lem vor­an die neu­en Ei­gen­ka­pi­tal-Vor­schrif­ten. Ich se­he aber auch ein ge­wis­ses Ri­si­ko, dass bei den Vor­schrif­ten i n man­chen Be­rei­chen über­trie­ben wur­de, was die Bran­che mit­tel- und lang­fris­tig auch i n Be­dräng­nis brin­gen kann.“ „Der­zeit se­he ich als Ri­si­ko die enor­men Staats­schul­den. Vor al­lem vie­le Emer­ging Mar­kets ste­cken in der Zwick­müh­le. In den letz­ten zehn Jah­ren ha­ben sich ih­re Dol­lar-Schul­den ver­dop­pelt. Weil die­se Na­tio­nen in­zwi­schen 60 Pro­zent der glo­ba­len Wirt­schafts­leis­tung aus­ma­chen, kann sich die Welt kei­ne Emer­ging-Mar­kets-Kri­se leis­ten.“ „Die Schul­den­stän­de be­deu­ten­der Staa­ten sind sehr hoch. Kä­me das Ver­trau­en in das Sys­tem der im­mer wie­der pro­lon­gier­ten Schul­den nur par­ti­ell ab­han­den, kann sehr rasch ein Do­mi­no­ef­fekt ein­tre­ten. Der An­lass für ei­nen sol­chen Ver­trau­ens­ver­lust kann auch po­li­ti­scher Na­tur sein, sie­he Tür­kei.“ „Ich se­he die größ­ten Ri­si­ken für die Fi­nanz­welt in den geo­po­li­ti­schen Be­dro­hun­gen – Stichwort Ita­li­en und Tür­kei, aber auch durch die Ver­ei­nig­ten Staa­ten.“ „Das ak­tu­el­le Nied­rig­zins­um­feld ver­führt ei­ni­ge Ak­teu­re mög­li­cher­wei­se zu gro­ßen Fehl­in­ves­ti­tio­nen. Da­zu kommt, dass sich vie­le Po­li­ti­ker an das bil­li­ge Geld i m ak­tu­el­len, künst­li­chen Um­feld ge­wöhnt ha­ben und die La­ge völ­lig falsch ein­schät­zen.“ „Das Ri­si­ko ei­ner schwe­ren Fi­nanz­kri­se ist heu­te nicht ge­rin­ger als 2008, die Ban­ken sind noch sys­tem­re­le­van­ter als da­mals. Und im Ernst­fall müs­sen dann wie­der wir die Kos­ten tra­gen.“ „Mit ei­ner Fi­nanz­kri­se ist es wie mit ei­ner La­wi­ne. Die Ein­hei­mi­schen schau­en den Hang hin­auf und wis­sen: Ir­gend­wann wird das run­ter­kom­men. Nur weiß lei­der kei­ner genau, wann es so­weit ist.“

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