„Es zählt der Mensch, nicht die Frak­ti­on“

Po­li­ti­ker al­ler Cou­leur ver­bün­de­ten sich bei Wan­de­rung für mehr „Po­li­ti­k­qua­li­tät“

Kurier (Samstag) - - NATIONALFEIERTAG 2018 - – RAFFAELA LINDORFER

Die Be­grü­ßung ist freund­lich, gar herz­lich. Man um­armt sich, gibt sich Bus­sis links und Bus­sis rechts. War­um auch nicht? Man kennt ein­an­der aus dem Par­la­ment, man ist ein­an­der sym­pa­thisch. Spä­ter, beim Bu­schen­schank, wird po­li­ti­siert – da kom­men sie zum Vor­schein, die Par­tei­far­ben. Er, Phil­ipp Schrangl, FPÖ; sie, Al­ma Za­dic, Lis­te Pilz. Auch span­nend: ein Wie­ner So­zi­al­de­mo­krat, der das Kin­der­wa­gerl ei­nes Neo­li­be­ra­len durch die Wein­ber­ge schiebt. Pe­ko Ba­xant, SPÖ; Mar­kus Or­nig, Ne­os, mit Toch­ter Charlotte.

Es ist so et­was wie ei­ne über­par­tei­li­che, „Frie­dens­be­we­gung“, die da am Na­tio- nal­fei­er­tag über die Stam­mers­dor­fer Kel­ler­gas­se zum Bu­schen­schank „Aus­blick.Wi­en“mar­schier­te. Or­ga­ni­siert wur­de das von der „Initia­ti­ve für po­li­ti­sche Qua­li­tät“, bei der sich Po­li­ti­ker al­ler Cou­leur ver­bün­den. Je­man­den von den Blau­en zu fin­den, der mit­macht, sei schwie­rig ge­we­sen, heißt es.

„Das The­ma ist mir wich­tig“, er­klärt der ein­zi­ge FPÖVer­tre­ter Schrangl. Für ihn „zählt der Mensch, nicht die Frak­ti­on“. Grund­sätz­lich, sagt der 33-Jäh­ri­ge (und nie­mand lacht), „glau­be ich an das Gu­te im Men­schen und dass wir al­le Ös­ter­reich bes­ser ma­chen wol­len. Die Art und Wei­se ist halt un­ter­schied­lich.“

Um die „Art und Wei­se“, geht es bei der Initia­ti­ve, die vor et­wa zwei Jah­ren vom Grü­nen Wirt­schafts­käm­me­rer Hans Ar­se­no­vic und dem schwar­zen EU-Ab­ge­ord­ne­ten Lu­kas Mandl ins Le­ben ge­ru­fen wur­de. Die „Po­li­ti­k­qua­li­tät“war da­mals und ist heu­te ver­bes­se­rungs­wür­dig, sa­gen sie. „Es stört uns, dass man­che aus Prin­zip da­ge­gen sind, wenn die Idee von ei­ner an­de­ren Par­tei kommt. Es ist ja nichts da­bei, wenn man klatscht, wenn die Re­de gut war“, sagt Ar­se­no­vic.

Die Initia­ti­ve will ih­re Char­ta auf al­len po­li­ti­schen Ebe­nen – vom Ge­mein­de­rat bis zum Na­tio­nal­rat und EUPar­la­ment hin­auf – eta­blie- ren. Da­rin heißt es, als Par­la­men­ta­ri­er müs­se man „ei­gen­stän­dig im Ver­hält­nis zur Re­gie­rung“agie­ren. Ist das so?

Ge­ra­de beim Rau­cherThe­ma muss­ten sich ÖVP- und FPÖ-Ab­ge­ord­ne­te den Vor­wurf ge­fal­len las­sen, „Er­fül­lungs­ge­hil­fen“der Re­gie­rung zu sein. Vie­le sind ge­gen das Rau­chen, den­noch stimm­ten die Klubs ge­schlos­sen für das Kip­pen des Rauch­ver­bots.

Za­dic är­gert so et­was, und das sagt sie ih­rem Ge­gen­über Schrangl bei ei­nem Glas Weiß­wein. Klub­zwang ge­be es bei der Lis­te Pilz nicht, das freie Man­dat wer­de ge­lebt.

ÖVP-Ab­ge­ord­ne­ter Ni­co Mar­chet­ti ist prag­ma­tisch: „De­mo­kra­tie ist Kom­pro­miss,

und Kom­pro­miss tut manch­mal weh.“Nur so, be­tont der 28-jäh­ri­ge Wie­ner, brin­ge die Po­li­tik et­was wei­ter. „Klub­zwang“– ein häss­li­ches Wort; „Par­tei­rä­son“, „Loya­li­tät“– viel bes­ser. Was den Jung-Po­li­ti­ker aber nicht dar­an hin­dert, sich auch au­ßer­halb der Frak­ti­on Ver­bün­de­te zu su­chen.

Was an der „Po­li­tik­kul­tur“ver­bes­sert wer­den soll? „Mehr Sach­lich­keit“, sagt Mar­chet­ti und kann sich ei­ne Spit­ze ge­gen den blau­en Ko­ali­ti­ons­part­ner nicht ver­knei­fen: „Zu sa­gen: ’Der bes­te In­nen­mi­nis­ter al­ler Zei­ten (Stra­che über Her­bert Kickl, Anm.)’ – mit sol­chen Su­per­la­ti­ven wä­re ich ge­ne­rell vor­sich­tig.“

Ar­se­no­vic (Grü­ne), Mandl (ÖVP), Schrangl (FPÖ), Ba­xant (SPÖ), Win­zer-Paar Höf­ler, Or­nig (Ne­os), Za­dic (Lis­te Pilz), Mar­chet­ti (ÖVP)

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