An­na Veith, Ski­fah­re­rin

Ski­welt­cup. An­na Veith star­tet erst­mals seit ih­rer Knie­ver­let­zung in Söl­den (10 bzw. 13 Uhr)

Kurier (Samstag) - - TITELSEITE - VON CHRIS­TOPH GEI­LER

Wird An­na Veith so stark wie einst An­na Fen­nin­ger? Ös­ter­reichs SkiS­tar star­tet heu­te in Söl­den in die Sai­son. Der KU­RIER sprach mit ihr.

„Ich glau­be, dass die An­na Veith ge­nau­so stark wer­den kann wie die An­na Fen­nin­ger. Die Fra­ge ist nur, wann.“

Zwei Jah­re ist es jetzt her, dass An­na Veith am Stilfser Joch die­sen aus­sichts­rei­chen Aus­blick in die Zu­kunft ge­wagt hat. Es gab nicht vie­le, die da­mals den Op­ti­mis­mus des Salz­bur­ger Skistars tei­len woll­ten. An­na Veith hat­te da ge­ra­de ih­re ers­ten Ski­ta­ge nach ei­ner kom­ple­xen Knie­ver­let­zung hin­ter sich. Knapp ein Jahr zu­vor hat­te sie sich in Söl­den das Kreuz­band, das In­nen­band und die Pa­tel­lar­se­h­ne ge­ris­sen, auch der Me­nis­kus war lä­diert. Chir­urg Chris­ti­an Ho­ser, der An­na Veith in Hoch­rum ope­riert hat­te, sprach da­nach da­von, dass ihm in sei­ner Lauf­bahn kei­ne zehn Pa­ti­en­ten mit die­sem schwe­ren Ver­let­zungs­grad un­ter­ge­kom­men sei­en.

Je­der hät­te es ver­stan­den, wenn An­na Veith ei­nen Schluss­strich un­ter ih­re Kar­rie­re ge­zo­gen hät­te. Zu­mal sie oh­ne­hin seit jun­gen Jah­ren be­reits stol­ze Be­sit­ze­rin der wich­tigs­ten Tro­phä­en ist, die es im Ski­sport zu ge­win­nen gibt. WM-Gold mit 21, Olym­pia­gold mit 24, im glei­chen Al­ter fei­er­te sie auch noch den ers­ten von zwei Ge­samt­welt­cup­sie­gen.

„Die leich­te­ren We­ge wa­ren aber noch nie die mei­nen“, sagt An­naVeith, „ich ha­be nie Ent­schei­dun­gen ge­trof­fen, um es ein­fach zu ha­ben.“Das ist ihr Na­tu­rell, auch des­halb geht sie am Sams­tag auch beim Rie­sen­tor­lauf in Söl­den (10 bzw. 13 Uhr, li­ve ORFeins) an den Start. 2014 hat­te Veith als bis­lang letz­te Ös­ter­rei­che­rin das Glet­scher­ren­nen ge­won­nen, ein Jahr spä­ter folg­te im Ötz­tal die Knie­ver­let­zung. „Ich woll­te in mei­ner Kar­rie­re im­mer schon an den Her­aus­for­de­run­gen wach­sen“, er­klärt An­na Veith. „Söl­den steht bei mir für Kämp­fen. Die­ser Ort ist zwar mit vie­len Schmer­zen ver­bun­den, aber die­se Er­fah­run­gen ord­ne ich auch po­si­tiv ein. Ich ha­be in Söl­den durch die Ver­let­zung neue Auf­ga­ben für die Kar­rie­re und das Le­ben ge­stellt be­kom­men. Das war in ge­wis­ser Wei­se auch ein Start­schuss.“

Die Knie­ver­let­zung mag Veith zu­rück­ge­wor­fen ha­ben – nicht aber aus der Bahn. Das zeig­te nicht zu­letzt Su­per-G-Sil­ber bei den Olym­pi­schen Spie­len in Pyeong­Chang. Wo geht die Rei­se der Salz­bur­ge­rin hin? Wel­che Zie­le ver­folgt sie noch? Und was un­ter­schei­det die An­na Veith von heu­te von der An­na Fen­nin­ger von frü­her?

An­na Veith über ...

... die Emo­tio­nen in Söl­den „Na­tür­lich kom­men die Er­in­ne­run­gen wie­der hoch. Ge­ra­de in sol­chen Mo­men­ten, wenn et­was pas­siert, wie letz­te Wo­che bei un­se­rem Trai­nings­kurs in Söl­den. Da war ein Un­fall auf dem Glet­scher, der Hub­schrau­ber ist ge­kom­men, und du denkst dir: ,Schei­ße, das ist mir auch schon pas­siert.‘ Die Ver­let­zung ge­hört zu mei­ner Ge­schich­te, aber ge­nau­so auch der Sieg in Söl­den.“

... die Vor­be­rei­tung „Ich ha­be mich be­wusst da­für ent­schie­den, nicht nach Über­see zu fah­ren. Auch, weil ich heu­te aus der Er­fah­rung ein­fach weiß, dass die Som­mer­vor­be­rei­tung zwar wich­tig ist, aber rich­tig in Form kommt man erst, wenn’s Rich­tung Win­ter geht. Die Quan­ti­tät ist im Trai­ning nicht das Ent­schei­den­de, wich­tig ist, dass du die Ta­ge, an de­nen du trai­nierst, per­fekt nutzt. Ich mer­ke, dass sich bei mir durch die Jah­re und die Er­fah­rung ei­ne ge­wis­se Ru­he und Ge­las­sen­heit ein­ge­stellt ha­ben.“

... ih­ren letz­ten Sieg in Söl­den

2014 „In die­sem Jahr war ich in ei­ner Me­ga­form. Ich bin da­mals als Ge­samt­welt­cup­sie­ge­rin nach Söl­den ge­kom­men und ha­be das ers­te Mal ge­merkt, was es heißt, wenn man so ei­nen Ti­tel ge­won­nen hat. Auch was die Öf­fent­lich­keit dann von ei­nem er­war­tet. Trotz­dem ha­be ich es ge­schafft, amRenn­tag zu per­for­men und zu ge­win­nen – das war für mich des­halb ein sehr be­son­de­rer Sieg. Ein Sieg über mich selbst und über ge­wis­se Sa­chen, die mir frü­her Pro­ble­me be­rei­tet ha­ben. Das war nach dem Welt­cup-Ge­samt­sieg so ei­ne Be­stä­ti­gung: ,Jetzt hab’ ich es ge­schafft.‘ “

... die An­na Veith von 2018 „Es ist seit dem Sieg in Söl­den viel Zeit ver­gan­gen. Ich ste­he jetzt auf ei­ner ganz an­de­ren Ebe­ne. Wo­beiich jetzt nicht sa­gen kann, ob es drü­ber oder drun­ter ist. Was ich mit Si­cher­heit sa­gen kann: Ich bin durch die Ver­let­zung zu­frie­de­ner ge­wor­den. Ich ver­spü­re nicht mehr den Druck wie frü­her. ,Ich muss die Bes­te sein, ich muss al­le über­trump­fen.‘ Der Zu­gang ist ein an­de­rer: Für mich ist wich­tig, dass ich es ger­ne tu’, ich bin ein­fach nur dank­bar, dass ich das ma­chen kann.“

... ih­re Ge­las­sen­heit „Ich re­de mich ver­mut­lich leich­ter als an­de­re, weil ich schon viel ge­won­nen ha­be. Zugleich ken­ne ich aber auch das Ge­fühl, wenn man auf dem Bo­den liegt. Das ist ge­ra­de in Mo- men­ten, wenn es ein­mal nicht so läuft und man sich schwe­rer tut, gut zu wis­sen, dass al­les viel schlim­mer sein könn­te.“

... Starts im Rie­sen­tor­lauf

„Na­tür­lich könn­te man dar­über nach­den­ken, jetzt nur noch die Speed­be­wer­be zu fah­ren. Aber das wä­re ir­gend­wie lang­wei­lig. Der Rie­sen­tor­lauf ist die Dis­zi­plin mit den größ­ten Be­las­tun­gen auf den Kör­per, das ist ge­ra­de für mich nach der Ver­let­zung ei­ne gro­ße Her­aus­for­de­rung – und auch noch ein biss­chen ei­ne Un­be­kann­te. Mir hat im Trai­ning noch et­was die Kon­stanz ge­fehlt, es gab gu­te Ta­ge, dann aber auch wie­der we­ni­ger gu­te. Ich weiß al­so noch nicht, was mir das Ren­nen in Söl­den brin­gen kann. Wenn ich mich nicht für den zwei­ten Durch­gang qua­li­fi­zie­ren soll­te, dann wä­re das aber schon ei­ne Nie­der­la­ge.“

... die Zie­le für die neue Sai­son

„Ich bin grund­sätz­lich kein Freund da­von, Zie­le aus­zu­spre­chen. Ich will auch nicht jetzt schon sa­gen, dass die WM mein gro­ßes Ziel ist. Ich ver­fol­ge eher das Ziel, über die Ren­nen in Form zu kom­men und da­mit an Si­cher­heit zu ge­win­nen. Frü­her ha­be ich ge­nau ge­wusst, wo mein Li­mit ist. Seit der Ver­let­zung muss ich mir das neu er­ar­bei­ten, es neu er­spü­ren und mich auch trau­en, mich wie­der am Li­mit zu be­we­gen. Das war aber schon im­mer so: Auch wenn es in der Ver­gan­gen­heit viel­leicht nach au­ßen oft leicht aus­ge­se­hen hat – ich ha­be für den Er­folg im­mer hart ar­bei­ten müs­sen.“

Rück­kehr mit ei­nem Lä­cheln: Auf An­na Veith ru­hen heu­te die Bli­cke beim Sai­son­start in Söl­den

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