Gre­gor See­berg, Schau­spie­ler

Gre­gor Se­berg. War­um er ein see­li­scher Knirps ist, nicht singen kann und es trotz­dem tut, Po­li­ti­ker an der lan­gen Lei­ne sind und es kei­ne Links­ra­di­ka­len gibt.

Kurier (Samstag) - - TITELSEITE - VON JO­HAN­NA HA­GER UND BERN­HARD HA­NISCH

SOKO Do­nau war ges­tern, Ge­sang ist heu­te. War­um Gre­gor Se­berg neue We­ge geht und den Men­schen eher für ei­ne Fehl­leis­tung hält.

KU­RIER: Ihr neu­es Pro­gramm, Se­berg „Off Mu­sic“… Gre­gor Se­berg: Ah so, so heißt das? Ich sa­ge es im­mer an­ders. Das ent­spricht mei­ner Hip­pien­ess. Frü­her bin ich auf­ge­tre­ten und der Veranstalter be­grüß­te mich: „End­lich a Ka­ba­ret­tist oh­ne Gi­tarr’!“Der Wi­der­spruchs­geist in mir hat ge­sagt: „Na wo­art!“Ich glau­be, der Wunsch­traum ei­nes je­den Schau­spie­lers ist es zu singen.“

Kön­nen Sie singen?

Ich kann nicht singen. Die Mu­si­ker in der Band sa­gen, ich kann es, weil sie höf­lich und gut er­zo­gen sind. Der Abend han­delt ja vom Schei­tern. Mein ge­hei­mer Un­ter­ti­tel ist: „Es gibt im­mer ei­nen, der bes­ser singt als Du.“In mei­nem Fall ist der ei­ne – al­le. Es hat auch ei­ne in­halt­li­che Fol­ge­rich­tig­keit. Wenn mei­ne Au­ßen­mi­nis­te­rin nicht spar­sam hei­ra­ten kann, dann kann ich auch singen.

Ha­ben Sie noch ei­nen Ver­gleich pa­rat?

Wenn mir mein Bun­des­kanz­ler er­klä­ren will, dass die So­zi­al­part­ner­schaft des­halb ge­schwächt wird, weil es für das Land gut ist, ich aber glau­be, dass es für die, die ihn fi­nan­zi­ell un­ter­stüt­zen, gut ist, da­mit er viel län­ger ganz fest im Sat­tel sit­zen kann, dann kann ich sa­gen: „Wenn ich das glau­ben soll, dann kann er glau­ben, dass ich gut singen kann.“Ich kann auch sa­gen: „War­um bau­en Ja­pa­ner dort Atom­kraft­wer­ke, wo es ein Erd­be­ben gibt?“Der Mensch ist so. Wir sind zu dep­pert für die ein­fachs­ten Din­ge.

Aber es dep­pert? sind doch nicht al­le

Ich ha­be die Theo­rie – es hat schon vor Mo­zart be­gon­nen – dass Men­schen wie Mo­zart und an­de­re Kön­ner Er­fin­dun­gen sind, da­mit die Men­schen das Ge­fühl ha­ben: „Schei­ße, schon wie­der ei­ner, der es bes­ser kann“. Und da­durch nicht grö­ßen­wahn­sin­nig wer­den. Ich glau­be, Men­schen könn­ten mehr, als sie von sich selbst glau­ben. Aber es wird ih­nen im­mer je­mand vor­ge­setzt, der es dann bes­ser kann. Das ist wich­tig, denn nur so kannst du ei­ne Mas­se an Men­schen zäh­men. Der Mensch ist ei­ne ganz nor­ma­le Fehl­leis­tung.

Wor­an ma­chen Sie das fest?

Die Men­schen fei­len un­un­ter­bro­chen an sich. Des­halb gibt es so vie­le Fei­l­an­ge­bo­te. Und am Abend denkst Du Dir dann vor dem Spie­gel, nach­dem Du vier von 16 St­un­den an Dir ge­feilt hast: „Mei­ne Zahn­bürs­te ist se­xy­er als ich.“

Wann kam die­se Er­kennt­nis?

Bei mir sehr früh. Ich muss­te als Kind die Blu­sen mei­ner Schwes­ter tra­gen. Die wa­ren gelb und hell­blau mit Rund­kra­gen. Und der Weg von der Rund­kra­gen-Blu­se zum Ban­den­chef ist qua­si un- mög­lich. Und: Ich durf­te nicht nass nach Hau­se kom­men. Des­halb ha­be ich so ei­ne g’schis­se­ne Haubn und als Re­gen­schutz ei­nen Knirps be­kom­men. Wenn Du al­so mit Rund­kra­gen­blu­se, Hau­be und Knirps als Acht­jäh­ri­ger im Kampf der Ge­schlech­ter mit­mi­schen willst, dann weißt Du, wo Dein Platz ist. Ich bin we­nigs­tens Vi­ze­ban­den­chef ge­wor­den. Wenn mich jetzt ei­ne hüb­sche Frau an­spricht, dann ste­he ich heu­te noch in der Se­kun­de im Re­gen und ha­be ei­nen Knirps in der Hand. Den see­li­schen Knirps strahlst Du ja aus.

Ist das man­geln­des wusst­sein?

Ich kann mich noch er­in­nern, die Kin­der­ärz­tin hat zu mei­ner Er­zie­hungs­be­rech­tig­ten ge­sagt, in der An­nah­me, dass ich es nicht hö­re: „Aus dem wird nix. Der wird im­mer krank sein.“Heu­te lei­de ich nicht un­ter man­geln­dem Selbst­be­wusst­sein, aber es wur­de mir nicht in die Wie­ge ge­legt.

Stärkt Ihr Er­folg wert­ge­fühl … Selbst­be- das Selbst-

Vie­len Dank für das Lob vom Er­folg, aber viel­leicht ver­wech­seln Sie mich.

Hö­ren Sie auf mit dem Tief­sta­peln!

Du musst nur ein­mal um die Ecke schau­en: Es gibt kei­nen Grund ab­zu­he­ben. Weil die vie­len Schick­sa­le, die ich nicht er­lei­de, zie­hen mich trotz­dem gna­den­los run­ter. Die Schick­sa­le sind Men-

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