Schön­born mahnt: „Asyl darf nicht zum Schimpf­wort wer­den“

Bi­schofs­kon­fe­renz. Kir­chen­obe­re schel­ten die Re­gie­rung we­gen ri­go­ro­ser Hal­tung beim Blei­be­recht und lo­ben Fa­mi­li­en­bo­nus.

Kurier (Samstag) - - POLITIK - VON ANDREAS PUSCHAUTZ

Die Bi­schö­fe ha­ben sich die­se Wo­che zu ih­rer Herbst­klau­sur in Salz­burg im Stift Micha­el­beu­ern zu­rück­ge­zo­gen. Vom Er­geb­nis der Be­ra­tun­gen der Kir­chen­obe­ren be­rich­te­te de­ren Vor­sit­zen­der, Kar­di­nal Chris­toph Schön­born, am Frei­tag in Wi­en. Die zen­tra­le Bot­schaft: Sor­ge we­gen der Asyl­po­li­tik der Bun­des­re­gie­rung.

„Hei­li­ges Recht“Asyl

An­ge­sichts stark rück­läu­fi­ger An­trags­zah­len sei es „er­staun­lich“, wie über Schutz­su­chen­de ge­spro­chen wer­de, sag­te Schön­born. „Wer Asyl sucht, darf nicht stig­ma­ti­siert oder gar kri­mi­na­li­siert wer­den“, mahn­te der Kar­di­nal ei­ne Abrüs­tung der Wor­te ein. „Par­tei­po­li­ti­sches Kal­kül darf we­der über das Recht noch über die Men­sch­lich­keit do­mi­nie­ren“, so Schön­born. Aus christ­li­cher Sicht sei Asyl ein „hei­li­ges Recht und darf nicht zum Schimpf­wort wer­den“. Denn: „Je­des Ab­glei­ten in der Spra­che ver­lockt zum Ab­glei­ten in den Ta­ten.“

Län­der sol­len mit­re­den

Beim hu­ma­ni­tä­ren Blei­be­recht, das in Här­te­fäl­len aus­ge­spro­chen wer­den kann, stellt sich die Kir­che auf die Sei­te man­cher Bun­des­län­der. Der Kar­di­nal for­dert „ei­ne ver­pflich­ten­de Ein­bin­dung der po­li­ti­schen Ver­ant­wort­li­chen“auf lo­ka­ler Ebe­ne in Ent­schei­dun­gen über die Er­tei­lung hu­ma­ni­tä­ren Blei­be­rechts.

Schön­born sprang da­mit dem Vor­arl­ber­ger Lan­des­haupt­mann Mar­kus Wall­ner bei. Der hat­te ver­gan­ge­ne Wo­che ge­for­dert, Län­der und Ge­mein­den müss­ten bei der Ver­ga­be des Blei­be­rechts wie­der mit­re­den dür­fen. Bis 2014 ver­füg­te der Bund zwar über ein Wei­sungs­recht, Lan­des­haupt­mann und Be­zirks­haupt­mann­schaft konn­ten aber Emp­feh­lun­gen aus- spre­chen. Das wur­de ab­ge­schafft, seit­her be­stimmt der Bund – sprich das In­nen­mi­nis­te­ri­um – al­lein.

An­lass für Wall­ners For­de­rung war der Fall ei­nes Drei­jäh­ri­gen, der En­de Ok­to­ber im Zu­ge ei­ner Ab­schie­bung von sei­ner Mut­ter ge­trennt wor­den war. Der Fall zei­ge, dass es „wie­der ei­ne Mit­spra­che von Län­dern und Ge­mein­den“brau­che, sag­te Wall­ner. Der­zeit ge­be es nicht ein­mal ein An­hö­rungs­recht oder Ak­ten­ein­sicht. Wall­ner: „Das läuft al­les an Land und Ge­mein­den vor­bei. Das ist nicht schlau, wie man sieht.“

Kanz­ler Se­bas­ti­an Kurz und Vi­ze­kanz­ler Hein­zChris­ti­an Stra­che blei­ben den­noch da­bei: Die Ent­schei­dungs­be­fug­nis über ein hu­ma­ni­tä­res Blei­be­recht blei­be beim Bund.

Ge­winn für das Land

Schön­born wen­det ein, dass „ein ri­go­ros durch­ge­zo­ge­nes Ge­setz zur Un­ge­rech­tig­keit wer­den kann“. Das ge­nau sei der Grund, dass es ein hu­ma­ni­tä­res Blei­be­recht ge­be. Dar­über hin­aus sei­en gut in­te­grier­te Fa­mi­li­en „ein Ge­winn für un­ser Land“, gab Schön­born zu be­den­ken.

Nach der Schel­te gab es vomKar­di­nal auch Lob für die Bun­des­re­gie­rung. Der am 1. Jän­ner in Kraft tre­ten­de Fa­mi­li­en­steu­er­bo­nus und die da­mit ver­bun­de­nen Leis­tun­gen „auch für je­ne, die kei­ne Steu­er zah­len“, wä­ren ei­ne „gro­ße Hil­fe“– sei­en doch Al­lein­er­zie­hen­de und kin­der­rei­che Fa­mi­li­en in Ös­ter­reich be­son­ders ar­muts­ge­fähr­det. Die Bi­schö­fe hät­ten sich im Vor­feld da­für ein­ge­setzt und „be­grü­ßen da­her aus­drück­lich die­se Maß­nah­me der Bun­des­re­gie­rung“.

Dar­über, ob die Ver­tei­lungs­ge­rech­tig­keit – „das gro­ße An­lie­gen der ka­tho­li­schen So­zi­al­leh­re“– in Ös­ter­reich schon per­fekt sei, kön­ne man strei­ten, sag­te Schön­born. Er be­fin­de sich aber in re­gel­mä­ßi­gem Aus­tausch mit der Re­gie­rungs­spit­ze, „auch, wenn es kon­tro­ver­si­el­le The­men gibt“. Denn „der Weg des Ge­sprächs ist im­mer noch der be­währ­te ös­ter­rei­chi­sche Weg“, so Schön­born. „Sich ge­gen­sei­tig Schlag­wor­te an den Kopf zu wer­fen“, hel­fe hin­ge­gen we­nig.

„Je­des Ab­glei­ten in der Spra­che ver­lockt zum Ab­glei­ten in den Ta­ten“, so warn­te Kar­di­nal Chris­toph Schön­born (Mit­te)

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