Geld­stra­fen für Hass im Netz

Staats­se­kre­tä­rin Edt­stad­ler will auch kei­ne be­ding­ten Stra­fen mehr bei Ver­ge­wal­ti­gun­gen.

Kurier (Samstag) - - TITELSEITE - VON MICHAE­LA REIBENWEIN

Ös­ter­reich. Hass­pos­ter sol­len künf­tig „kna­cki­ge“Geld­stra­fen zah­len, sagt Staats­se­kre­tä­rin Ka­ro­li­ne Edt­stad­ler (ÖVP). Spe­zi­ell dann, wenn das Straf­recht nicht zum Zug kommt.

Nicht je­de Be­lei­di­gung oder Be­schimp­fung im Netz ist straf­recht­lich re­le­vant. Ein Um­stand, der Ka­ro­li­ne Edt­stad­ler (ÖVP), Staats­se­kre­tä­rin im In­nen­mi­nis­te­ri­um, sau­er auf­stößt. Sie will Be­trof­fe­nen die Mög­lich­keit ge­ben, sich den­noch zu weh­ren: Und zwar durch Ver­wal­tungs­stra­fen. Künf­tig könn­ten Hass-Nach­rich­ten al­so mit Geld­stra­fen ge­ahn­det wer­den.

„Kna­ckig“, soll die Straf hö­he aus­fal­len, sagt Edt­stad­ler. Bei Erst­tä­tern mit Stra­fen im zwei­stel­li­gen Be­reich, bei Wie­der­ho­lungs­tä­tern aber auch mit ho­hen drei­stel­li­gen Stra­fen. Und es soll auch ei­ne Hot­li­ne für Be­trof­fe­ne ein­ge­rich­tet wer­den – zur recht­li­chen und tech­ni­schen Un­ter­stüt­zung. „Der­ar­ti­ge Pos­tings sol­len ja auch so schnell wie mög­lich wie­der weg. Dar­an schei­tern wir ak­tu­ell noch“, sagt die Staats­se­kre­tä­rin.

Ro­te Li­nie

Ver­schär­fun­gen will sie aber auch im Straf­recht. „In ei­ni­gen Be­rei­chen müs­sen wir uns Straf­un­ter­gren­zen über­le­gen“, meint Edt­stad­ler. Kon­kre­tes Bei­spiel: Ver­ge­wal­ti­gun­gen. Geht es nach Edt­stad­ler, wer­den dann kei­ne be­ding­ten Stra­fen mehr aus­ge­spro­chen. „Es muss klar sein: Hier ist ei­ne ro­te Li­nie und hier gibt es auch ent­spre­chen­de Sank­tio­nen.“

Bei mil­den Stra­fen kön­ne es leicht zu ei­ner Tä­ter-Op­fer-Um­kehr kom­men. „Ich ha­be selbst er­lebt, dass sich der Tä­ter bei Ver­hän­gung ei­ner be­ding­ten Stra­fe denkt: ,Es ist eh nichts pas­siert.’ Gleich­zei­tig wird dem Op­fer vor­ge­wor­fen: ,Das hat sich aus­ge­zahlt.’“Schär­fe­re Stra­fen für Ge­walt- und Se­xu­al­tä­ter sind der zen­tra­le Be­stand­teil der Task Force Straf­recht, die Edt­stad­ler ins Le­ben ge­ru­fen hat.

Und für die­se Task Force un­ter­such­te der Kri­mi­no­lo­ge Chris­ti­an Grafl die Straf­pra­xis der Ge­rich­te zwi­schen 2008 und 2017. Sein Er- geb­nis: Er spricht sich ge­gen ei­ne An­he­bung der Min­dest­stra­fen aus. Nur so sei es für Rich­ter mög­lich, auf Ein­zel­fäl­le zu re­agie­ren.

Dass es bei Ver­ge­wal­ti­gun­gen prin­zi­pi­ell nur noch un­be­ding­te Haft­stra­fen ge­ben soll, hält er für we­nig sinn­voll. Bei ei­ner Ta­gung der Straf­rich­ter wer­te­te er das als „Miss- trau­en ge­gen die Rich­ter­schaft“. Bis­her un­be­schol­te­ne er­wach­se­ne Ver­ge­wal­ti­ger fas­sen als Erst­tä­ter hier­zu­lan­de schon jetzt in über 80 Pro­zent der Fäl­le Haft aus. Bei ab­sicht­li­cher schwe­rer Kör­per­ver­let­zung wer­den bei je­dem fünf­ten nicht vor­be­straf­ten männ­li­chen Er­wach­se­nen un­be­ding­te Frei­heits­stra­fen ver­hängt.

Im ers­ten Quar­tal 2019 wer­de es ers­te Um­set­zungs­maß­nah­men und Zwi­schen­er­geb­nis­se der Task Force ge­ben. „Bis Jah­res­mit­te 2019 wird ein En­d­er­geb­nis und ein Maß­nah­men­pa­ket prä­sen­tiert. Dann wol­len wir auch das ge­sam­te nö­ti­ge Ge­set­zes­pa­ket vor­le­gen“, sagt Edt­stad­ler. 2020 könn­te die­ses dann in Kraft tre­ten.

Nö­tig wer­den et­wa Än­de­run­gen im Ärz­te­ge­setz oder im Si­cher­heits­po­li­zei­ge­setz. Auch des­halb, weil un­ter an­de­rem Da­ten aus dem Ge­sund­heits­be­reich zwi­schen Be­hör­den und Or­ga­ni­sa­tio­nen bes­ser aus­ge­tauscht wer­den müs­sen. „Da­ten­schutz darf kein Tä­ter­schutz sein.“

Ka­ro­li­ne Edt­stad­ler will „kna­cki­ge Stra­fen“für Hass im Netz

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