Größ­ter Bör­sen­gang: 40 Mil­li­ar­den für Sau­dis

Aram­co soll dop­pel­ten Wert von App­le ha­ben

Kurier (Samstag) - - TITELSEITE - VON IRMGARD KISCHKO

Öl-Gi­gant. Das sau­di­sche Kö­nigs­haus will ein bis zwei Pro­zent sei­nes Erd­öl­kon­zerns Aram­co an die Bör­se brin­gen. Der Bör­sen­gang ist voll von Su­per­la­ti­ven: Mit ei­ner von Kron­prinz Mo­ham­med bin Sal­man er­wünsch­ten Be­wer­tung von Aram­co mit zwei Bil­lio­nen Dol­lar wür­den 40 Mil­li­ar­den Dol­lar in die Kas­sen Sau­di-Ara­bi­ens flie­ßen. Das Vo­lu­men über­steigt den bis­he­ri­gen Re­kord-Bör­sen­gang des chi­ne­si­schen On­li­ne-Händ­lers Ali­ba­ba (25 Mil­li­ar­den Dol­lar) bei Wei­tem. Aram­co lie­fert gut zehn Pro­zent des welt­weit be­nö­tig­ten Erd­öls, sitzt auf den

zweit­größ­ten Öl­re­ser­ven der Welt und pro­du­ziert so bil­lig wie kein an­de­rer Öl­kon­zern. Der Jah­res­um­satz liegt nicht all­zu viel un­ter der ge­sam­ten Wirt­schafts­leis­tung Ös­ter­reichs.

Sau­dis be­vor­zugt

Aram­co-Ak­ti­en kau­fen dür­fen zu­nächst nur sau­di­sche Staats­bür­ger oder Aus­län­der mit Wohn­sitz in Sau­di-Ara­bi­en und ei­ni­ge in­ter­na­tio­na­le Fonds. Den Ak­tio­nä­ren ist für die nächs­ten fünf Jah­re ei­ne Di­vi­den­de von 75 Mil­li­ar­den Dol­lar zu­ge­si­chert wor­den. Die Steu­er­last für Aram­co wur­de ge­senkt.

Es ist der mit Ab­stand größ­te Bör­sen­gang der Welt, der den bis­he­ri­gen Spit­zen­rei­ter, den chi­ne­si­schen On­li­ne-Händ­ler Ali­ba­ba, weit hin­ter sich lässt: Sau­di-Ara­bi­en will sei­nen Erd­öl-Gi­gan­ten Aram­co an die Bör­se brin­gen. Und ob­wohl nur ein bis zwei Pro­zent des Un­ter­neh­mens pri­va­ti­siert wer­den sol­len, schlägt die Ak­ti­en­emis­si­on al­le bis­he­ri­gen Re­kor­de. Wie viel ge­nau von Aram­co und zu wel­chen Be­din­gun­gen der An­teil an die Bör­se kommt, will das Kö­nig­reich am Sonn­tag im Bör­sen­pro­spekt be­kannt ge­ben. Aram­co, die Ara­bi­an Ame­ri­can Oil Com­pa­ny, ent­stand üb­ri­gens 1933 aus der Ca­li­fo­ni­an Ara­bi­an Stan­dard Oil, zu der sich spä­ter Mo­bil und Exxon ge­sell­ten. Nach 1972 hat Sau­di-Ara­bi­en Aram­co ver­staat­licht.

Die wich­tigs­ten Fak­ten zur Aram­co-Pri­va­ti­sie­rung:

Wie groß ist Aram­co? Der Öl­kon­zern ist der Grund für den un­er­mess­li­chen Reich­tum des sau­di­schen Kö­nigs­hau­ses mit sei­nen 500 bis 700 Prin­zen. Denn Aram­co stellt mit sei­ner Öl­för­de­rung et­was mehr als ein Zehn­tel des Welt­öl­be­darfs. Kein an­de­rer Öl­kon­zern der Welt kommt an­nä­hernd an die­sen An­teil. 60 Pro­zent der sau­di­schen Staats­ein­nah­men stam­men von Aram­co. Dar­aus wer­den die Prin­zen groß­zü­gig be­dient.

Wie trans­pa­rent ist Aram­co? Ge­naue Ge­schäfts­zah­len gab es bis 2018 nicht. Erst als Bör­sen­plä­ne kon­kre­ter wur­den, muss­te sich Kron­prinz Mo­ham­med bin Sal­man, der das Sa­gen im Land hat, zur Of­fen­le­gung durch­rin­gen. Die Ra­ting­agen­tur Moo­dy‘s durch­kämm­te die Bü­cher, für 2018 gab es dann erst­mals of­fi­zi­el­le Da­ten: Der Um­satz lag bei 320 Mil­li­ar­den Eu­ro. Zum Ver­gleich: Ös­ter­reichs ge­sam­te Wirt­schafts­leis­tung be­trug im Vor­jahr 386 Mil­li­ar­den Eu­ro. Der Ge­winn von 111 Mil­li­ar­den Eu­ro ist dop­pelt so hoch wie je­ner von App­le.

Wie viel Aram­co wert?

„Der Prinz träumt von zwei Bil­lio­nen Dol­lar“, sagt ein Ak­ti­en­ana­lyst. Tat­säch­lich scheint das der Wunsch von Sal­man zu sein. Nur so kann er auf die 40 Mil­li­ar­den Ein­nah­men kom­men, die er sich für das Staats­bud­get wünscht. Denn das Land fährt trotz der Ein­nah­men aus dem Öl seit Jah­ren ein De­fi­zit ein. Die So­zi­al­aus­ga­ben sind näm­lich seit dem Ara­bi­schen Früh­ling deut­lich er­höht wor­den. Ob der Traum des Kron­prin­zen mit den In­ves­to­ren-Vor­stel­lun­gen zu­sam­men­kommt, ist of­fen. Fi­nanz­ex­per­ten se­hen den Wert von Aram­co eher bei 1,2 bis 1,5 Bil­lio­nen Dol­lar. ist

Wer kann Aram­co-Ak­ti­en kau­fen?

Die Ak­ti­en sind in ers­ter Li­nie sau­di­schen Staats­bür­gern vor­be­hal­ten. Aus­län­der dür­fen die Ti­tel nur er­wer­ben, wenn sie ei­nen Wohn­sitz in Sau­di-Ara­bi­en ha­ben. Da­zu wer­den noch ei­ni­ge in­ter­na­tio­na­le Fonds zum Ak­ti­en­kauf zu­ge­las­sen. Noch steht das ge­naue Da­tum für die

Bör­sen­ein­füh­rung nicht fest. Sie soll vor­aus­sicht­lich im De­zem­ber sein. Ent­ge­gen frü­he­ren An­nah­men wird die Aram­co-Ak­tie zu­nächst nur an der Bör­se Ta­da­wul in der Haupt­stadt Ri­ad no­tie­ren.

Ist der Bör­sen­gang über­haupt von in­ter­na­tio­na­lem In­ter­es­se? Ja. In­ter­na­tio­na­le Groß­ban­ken, In­vest­ment­ban­ken, von Gold­man Sachs bis JPMor­gan, und ei­ne Men­ge ara­bi­scher Ban­ken sind Teil des Kon­sor­ti­ums, das Ak­ti­en­or­ders auf­nimmt und plat­ziert. Zig-Mil­lio­nen an Ge­büh­ren lu­krie­ren die In­sti­tu­te da­für. Von der Fi­nanz­welt wird die Aram­co-Teil­pri­va­ti­sie­rung in­ten­siv ver­folgt.

Hat die­se Pri­va­ti­sie­rung Aus­wir­kun­gen auf an­de­re Öl-Ak­ti­en? Durch­aus, mei­nen Ana­lys­ten. Denn das Kö­nigs­haus hat im Vor­feld des Bör­sen­gangs schon fest­ge­legt, dass Ak­tio­nä­re 75 Mil­li­ar­den Dol­lar Di­vi­den­de in den nächs­ten fünf Jah­ren be­kom­men. Das wä­re ei­ne Di­vi­den­den­ren­di­te von sechs bis sie­ben

Pro­zent. Dar­an wer­den In­ves­to­ren auch die an­de­ren Öl­kon­zer­ne mes­sen. BP und Shell brin­gen es schon auf et­wa sechs Pro­zent, die OMV auf 3,8 Pro­zent.

Ha­ben Öl-Ak­ti­en über­haupt ei­ne Zu­kunft? Schaut man auf die rei­nen Fak­ten des Mark­tes, müss­te der Öl­preis we­gen stei­gen­der Nach­fra­ge (vor al­lem aus Asi­en) und schwä­cher wer­den­dem An­ge­bot stei­gen. Da­mit klet­tert auch der Pro­fit der Öl­fir­men. An­de­rer­seits wen­den sich im­mer mehr In­ves­to­ren von Ölak­ti­en ab. Die Kon­zer­ne müs­sen die An­le­ger mit hö­he­ren Di­vi­den­den bei Lau­ne hal­ten, an­sons­ten wird der Ak­ti­en­kurs un­ter Druck kom­men.

Wie ste­hen die Chan­cen für Aram­co in die­sem Um­feld?

Aram­co pro­du­ziert Öl so bil­lig wie kein an­de­rer und sitzt auf den zweit­höchs­ten Re­ser­ven der Welt. Wenn al­so al­len an­de­ren Öl­kon­zer­nen die Kos­ten zu hoch wer­den und die Öl­re­ser­ven zu ge­ring, kann Aram­co noch pro­du­zie­ren.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.