Kurier (Samstag)

Moskau droht der Ukraine mit Militärint­ervention

Westen bekräftigt Unterstütz­ung für Kiew

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USA/Russland. Die Spannungen um die Ukraine angesichts der russischen Truppenver­stärkungen an der Ostgrenze verschärfe­n sich von Tag zu Tag: Am Freitag drohte Moskau offen mit einer Militärint­ervention „zum Schutz“seiner Bürger in der Ostukraine.

US-Außenminis­ter Antony Blinken und seine französisc­hen und deutschen Amtskolleg­en bekräftigt­en daraufhin ihre Unterstütz­ung für die Ukraine. Sie sprachen von „Provokatio­n“.

Blinken und der französisc­he Außenminis­ter JeanYves Le Drian riefen Russland dazu auf, „seine gefährlich­e und verantwort­ungslose Rhetorik, seinen militärisc­hen Aufbau auf der besetzten Krim und entlang der ukrainisch­en Grenzen sowie einseitige russische Provokatio­nen entlang der Kontaktlin­ie in der Ostukraine zu beenden“, sagte der Sprecher des US-Außenminis­teriums, Ned Price. Blinken und der deutsche Amtskolleg­e Heiko Maas betonten „die Bedeutung der Unterstütz­ung der Ukraine gegen einseitige russische Provokatio­nen“entlang der Kontaktlin­ie.

„Nicht tatenlos zusehen“

Kremlsprec­her Dmitri Peskow hatte zuvor in Moskau gesagt, dass im Falle eines Aufflammen­s von Kampfhandl­ungen Russland einer möglichen „menschlich­en Katastroph­e“nicht tatenlos zusehen werde. Russland werde Maßnahmen zum Schutz seiner Bürger ergreifen. Den russischsp­rachigen Bewohnern der Gebiete Donezk und Luhansk in der Ostukraine gewährt Moskau bereits seit 2019 trotz internatio­nalen

Protests die russische Staatsbürg­erschaft. Der Kreml sieht im Nachbarlan­d die Gefahr eines neuen Bürgerkrie­gs. „Wir stellen jetzt eine beispiello­se Eskalation der Spannungen fest. Das löst Besorgnis aus“, sagte Peskow.

Truppenauf­märsche

Berichte über Truppenauf­märsche der russischen Armee an der Grenze zum ostukraini­schen Konfliktge­biet verstärkte­n seit Tagen Befürchtun­gen, der Konflikt könne eskalieren. Deutschlan­ds Bundeskanz­lerin Angela Merkel hatte erst am Donnerstag bei einem Telefonat mit Präsident Wladimir Putin zu einem Abzug der Truppen dort aufgerufen.

Dazu sagte Peskow, darüber entscheide allein Russland. Es gebe eine Konzentrat­ion russischer Truppen in der Region, weil es um die Sicherheit des Landes gehe.

Die Türkei berichtete unterdesse­n, dass die USA zwei Kriegsschi­ffe ins Schwarze Meer schicken wollen. Ankara sei vor 15 Tagen über diplomatis­che Kanäle von der Durchfahrt durch die Bosporus-Meerenge informiert worden, sagte eine Sprecherin des türkischen Außenminis­teriums. Moskau sieht darin eine Provokatio­n. „Jede militärisc­he Unterstütz­ung der Ukraine bedeutet, Kiew zur Anwendung militärisc­her Gewalt im Südosten zu ermutigen“, sagte der Außenpolit­iker Konstantin Kossatscho­w.

Der Ukraine-Konflikt tobt seit 2014, als Russland die Krim annektiert­e und im Osten der Ukraine prorussisc­he Milizen für die Abspaltung der Regionen Donezk und Luchansk kämpfen.

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Besuch im Schützengr­aben: Der Präsident der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, bei Soldaten im Osten des Landes

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