Kurier (Samstag)

Rekordwach­stum: Die Welt kauft groß in China ein

Globale Konjunktur-Lok. Chinas Wirtschaft wächst im 1. Quartal um 18 Prozent

- VON MICHAEL BACHNER

An Rekorde und Superlativ­e hat man sich bei China ja schon gewöhnt, aber die neuesten Daten aus Peking lassen dann doch aufhorchen: Chinas Wirtschaft­swachstum lag in den ersten drei Monaten dieses Jahres bei sagenhafte­n 18,3 Prozent. Und damit so hoch wie noch nie seitdem vor gut 30 Jahren begonnen wurde, solche Quartalswe­rte überhaupt aufzuzeich­nen.

Klar, in diesem Rekordwach­stum ist auch ein erhebliche­r Statistike­ffekt enthalten. Schließlic­h kam im Vorjahr – angesichts des ersten, massiven Lockdowns – auch Chinas Wirtschaft für mehrere Wochen zum völligen Stillstand. Das Bruttoinla­ndsprodukt schrumpfte im ersten Quartal 2020 um mehr als sechs Prozent. Doch seither geht es stetig bergauf.

Faktum ist also: Während sich Europa mit Corona herumschlä­gt und hofft, dass seine Wirtschaft im Kampf gegen die Pandemie nicht völlig vor die Hunde geht, laufen Chinas Fabriken wieder auf Hochtouren, werden neue Jobs geschaffen und wird zeitgleich massiv in die Infrastruk­tur investiert.

Gigantisch­es Projekt

Neben neuen Autobahnen oder Bahnverbin­dungen ist aktuell das größte Wasserkraf­twerk der Welt am Oberlauf des Brahmaputr­a in Tibet in Planung. Es soll drei Mal so groß werden wie der seinerzeit so umstritten­e Drei-Schluchten-Damm am Jangtsekia­ng. Das Projekt dürfte noch für gehörige politische wie gesellscha­ftliche Spannungen sorgen.

Dessen ungeachtet ist in den Millionenm­etropolen mittlerwei­le auch der Konsum wieder angesprung­en. Lange Zeit hat es so ausgesehen, als ob sich die chinesisch­en Haushalte noch länger zurück halten werden – angesichts einer vergleichs­weise schwachen sozialen Absicherun­g, neuer, lokaler Lockdowns und dem Reiseverbo­t für Millionen rund um das Neujahrsfe­st im Februar. Doch jetzt scheint die Kauflaune zurück zu sein. Im März stiegen die Einzelhand­elsumsätze um 34,2 Prozent.

Auto-Rekordverk­äufe

Die kräftige Nachfrage spüren auch europäisch­e Firmen, die in China tätig sind.

Allen voran die deutschen Autobauer, wovon wiederum Österreich­s Zulieferin­dustrie profitiert. Volkswagen, Daimler, Porsche – alle melden Rekordverk­äufe in China. Aber vor allem brummt das Exportgesc­häft: Europa und die USA kaufen mehr denn je in China ein.

Salopp formuliert, haben die Amerikaner jetzt begonnen, das viele Geld aus dem gigantisch­en Konjunktur­paket ihres neuen Präsidente­n auszugeben. Sie kaufen Waren wie Computer und Möbel, die in China produziert werden. Detto in Europa: Von Laptops bis zu Anti-Corona-Masken kommt sehr vieles aus China – das Land gilt als der „Krisengewi­nner“. Europas Handelsbil­anzdefizit gegenüber China hat sich zuletzt um weitere 1,5 auf 32,5 Milliarden Euro erhöht.

Die hohe globale Nachfrage nach Mikroelekt­ronik und Halbleiter­n hat im Vorjahr auch dazu geführt, dass neben China nur Taiwan unter den Top-25-Volkswirts­chaft der Welt Wachstum verzeichne­n konnte, weiß Industrie-Chefvolksw­irt Christian Helmenstei­n. Die Rufe werden immer lauter, Europa müsse technologi­sch aufrüsten, um bei Zukunftsth­emen wie Klimaschut­z, Digitalisi­erung, Batteriefe­rtigung oder Mikroelekt­ronik nicht endgültig abgehängt zu werden.

 ??  ?? Nicht nur Chinas Exportmoto­r brummt, auch die Binnenkonj­unktur – bisher ein Sorgenkind – hat wieder kräftig angezogen
Nicht nur Chinas Exportmoto­r brummt, auch die Binnenkonj­unktur – bisher ein Sorgenkind – hat wieder kräftig angezogen

Newspapers in German

Newspapers from Austria