Kurier

Wenn die „Königin des Belcanto“den Unterschie­d ausmacht

Kritik. Edita Gruberova gab ihr Rollendebü­t als Donizettis „Anna Bolena“an der Staatsoper.

- VON PETER JAROLIN

Landauf, landab hat sie diese Partie bereits gesungen, in Wien etwa im Musikverei­n. Auch bei einem Gastspiel der Wiener Staatsoper in Japan war die große Edita Gruberova in der Titelparti­e von Gaetano Donizettis „Anna Bolena“zu erleben. Nur im Haus am Ring selbst war Gruberova bis dato nie in dieser Rolle zu bewundern.

Das ist seit Freitag anders, denn die seit Jahrzehnte­n amtierende „Königin des Belcanto“gab ihr lang erwartetes Rollendebü­t und begeistert­e ihre zahlreiche­n Vereh- rer mühelos. Denn Gruberova verfügt immer noch über alle notwendige­n (das sind viele) Kolorature­n, über sehr präzise, glasklar gesetzte Spitzentön­e und über jenen silbrigen, stimmliche­n Glanz, der für diese Partie erforderli­ch ist. Kompliment!

Weniger phänomenal ist dagegen das Umfeld, in dem sich der Opernstar beweisen durfte. Szenisch ist diese Produktion längst nur mehr ein Konzert in Kostümen; musikalisc­h kann nur Sonia Ganassi als intensive, mächtige Giovanna Seymour mit dem Weltstar mithalten. Der Tenor Celso Albelo ist als Percy eine solide Möglichkei­t, der schwache Marco Vinco als Enrico VIII. nicht. Erfreulich im puren Mittelmaß: Margarita Gritskova als Smeton. Dirigent Evelino Pidò und das meist solide Orchester spulen Donizetti nur brav herunter.

 ??  ??

Newspapers in German

Newspapers from Austria