Kurier

Jonas Kaufmann: Perfekte Werbung in eigener Sache

Kritik. Der Startenor gastierte bei „Great Voices“

- – PETER JAROLIN

An der Wiener Staatsoper ist Jonas Kaufmann kommende Saison gar nicht zu erleben. Also müssen die zahlreiche­n Verehrer zumindest in Österreich auf das Konzertpod­ium ausweichen, um ihren Liebling hören zu können. Etwa auf das Wiener Konzerthau­s, wo Kaufmann im Rahmen einer „Great Voices“-Tournee zur vokalen Audienz bat.

Im Gepäck hatte er dabei Arien sowie Szenen aus französisc­hen Opern. Vieles davon hat Kaufmann auch auf seinem jüngsten Album „L' Opéra“eingespiel­t. Ein bisschen Werbung in eigener Sache also, die – wenn sie so dargeboten wird – jedoch mehr als legitim ist.

Wenig Flair

Schade nur, dass Kaufmann hier nicht (anders als auf Tonträger) auf die Dienste des Bayerische­n Staatsorch­esters unter der Leitung von Bertrand de Billy zurückgrei­fen konnte. Denn die an sich wackere und sehr bemühte Deutsche Staatsphil­harmonie Rheinland-Pfalz mit Dirigent Jochen Rieder ließ es bei diesem doch heiklen französisc­hen Programm mitunter sehr an Sentiment, Flair und Esprit vermissen.

Da wäre bei den zwischendu­rch eingestreu­ten Ouvertüren (etwa zu „Mignon“von Ambroise Thomas, zu den „Rheinnixen“von Jacques Offenbach oder Emmanuel Chabriers „Habanera“) musikalisc­h mehr möglich gewesen.

Egal, es ging ohnehin vor allem um Kaufmann. Und der Tenor wurde seinem exzellente­n Ruf (nach einer kurzen Aufwärmpha­se) wieder mehr als gerecht.

Ein paar Bespiele gefällig? Herrlich, wie Kaufmann mit seinem samtenen, immer mehr ins Baritonale gehenden Tenor die Arie des Roméo aus Gounods „Roméo et Juliette“interpreti­erte, wie er bei der großen Arie des Rodrigue aus Massenets „Le Cid“viel Herzblut hineinlegt­e. Ein absoluter Höhepunkt (neben „La damnation de Faust“von Hector Berlioz) jedoch wurde die Arie des Éléazar aus Jacques Fromental Halévys „La juive“. Wunderbar phrasiert und erschütter­nd intensiv!

Viel Dramatik

Ähnliches galt auch für das Finale des zweiten Aktes aus Jules Massenets „Werther“sowie einigen Szenen aus Georges Bizets „Carmen“. In beiden Fällen konnte Kaufmann auf die gute amerikanis­che Mezzosopra­nistin Kate Aldrich vertrauen, die nicht nur eine glaubwürdi­ge „Werther“-Charlotte gab, sondern auch bei der Habanera Carmens („L’amour est un oiseau rebelle“) überzeugte. Dass Kaufmann mit „La fleur que tu m’avais jetée“als Don José die passende „Antwort“fand, versteht sich. Wie auch das Finale des vierten Aktes von „Carmen“(„C’ est toi? C’est moi!“) einen zu Recht umjubelten Abschluss des offizielle­n Teils bot. Für die Ovationen dankte man mit schönen Zugaben.

KURIER-Wertung: ★★★★★

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Startenor Jonas Kaufmann wurde im Wiener Konzerthau­s bejubelt

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