JETZT geht’s um­die nächs­ten 100 Jah­re

Ei­ner un­se­rer größ­ten Fein­de ist der Kon­junk­tiv. Wo künf­tig Ös­ter­reichs kon­kre­te Chan­cen lie­gen.

Kurier - - Politik -

Wir­ha­be­nes­ge­schafft. Wir­s­ind­einWirt­schafts­wun­der­land. Wir sind ein Win­ter­wun­der­land. Wir sind ein Kul­tur­wun­der­land. Und ein Land zu­mWun­dern. Wun­der­sam­wi­der­sprüch­lich. Neh­men wir zum Bei­spiel un­se­re Grö­ße. Wir sind stolz dar­auf, dass wir ein­mal­groß­wa­ren. Und­wir sind wahn­sin­nig froh dar­über, ziem­lich klein zu sein. Die Ar­chi­tek­tur in der für die­ses­klei­neLand­viel zu­gro­ßen Wie­n­er­stadt ist ein sicht­ba­res Zei­chen die­ser (öko­no­mi­schen­wie geis­ti­gen) Am­bi­va­lenz.

Wir­woll­ten un­se­ren größ­ten Dom mit zwei gleich ho­henTür­men­aus­stat­ten. Ei­ner­da­von­blie­bun­voll­endet. Aber wir­wa­ren­na­he dran ...

Wir woll­ten Schön­brunn – zu­ge­ge­be­ner­ma­ßen eben­falls lan­ge vor der Re­pu­bliks­wer­dung – noch viel grö­ßer und prunk­vol­ler auf der An­hö­he im Schloss­gar­ten bau­en. Und was ist dar­aus ge­wor­den? Ei­ne fe­sche Glo­ri­et­te. We­nigs­tens ver­sucht ...

Wir­woll­ten­dieWi­en­zei­leal­sPracht­bou­le­vard­vom Karls­platz­bisSchön­brunn­ge­stal­ten– bis­derPl­an­nach ma­xi­mal ei­nem Vier­tel der Län­ge auf­ge­ge­ben wur­de. ImFast-Welt­meis­ter­sein sind wirWelt­meis­ter.

Am­bi­va­lent ist auch un­ser Selbst­be­wusst­sein. Wir glau­ben, nach wie vor die Kai­ser Eu­ro­pas zu sein – und füh­len uns gleich­zei­tig hilf­los. Wir lie­ben un­ser Dorf (das­jaauchWi­en­imP­rin­zi­pist)– un­d­schimp­fen­stän­dig dar­über. Das Glück liegt für un­sim­me­rim­nächs­tenTal.

Der schma­le Grat­zu­mChau­vi­nis­mus

„Es ist ein gu­tes Land“, hieß es schon bei Grill­par­zer. Des­halb ha­ben wirTrä­nen in denAu­gen, wenn­die ers­ten Tak­te zum „Do­nau­wal­zer“er­klin­gen. Gleich­zei­tig zählt über­trie­be­ner Pa­trio­tis­mus, ja Chau­vi­nis­mus zu un­se­ren schreck­lichs­ten Ei­gen­schaf­ten. Wahr­schein­lich, weil wir geo­gra­fi­schnur noch­einZwerg sind.

Der KURIER wid­met die­se Zei­tung und sei­ne On­li­ne-Sto­rys dem 100. Ge­burts­tag der Re­pu­blik, der am Mon­tag ge­fei­ert­wird. Na­tür­lich in der Staats­oper, wie­es­sich­für­eins­tets­zu­rück­schau­en­des­Land­ge­hört.

Eben­so wich­tig wie Ge­schichts­stun­den und ei­ne Be­stands­auf­nah­me ist aber der Blick nach vor­ne. Wo wer­den wir, al­so nicht wir per­sön­lich, in 100 Jah­ren ste­hen? Was­wird­aus die­sem Land­ge­wor­den­sein?

Die Zu­kunft be­ginnt jetzt, so­gar groß­ge­schrie­ben JETZT, weil wir in der sich schnel­ler dre­hen­den Welt kei­ne Zeit ver­lie­ren dür­fen. Un­se­reRol­le al­sVer­mitt­ler zwi­schenO­stun­dWest gibt es nicht­mehr. Un­se­rePo­si­ti­on im Zen­trumEu­ro­pas hilft uns auch nix, weil Eu­ro­pa nicht mehr das Zen­trum sein wird. Das Match um die Zu­kunft spielt sich zwi­schen Chi­na und den USA ab, da­zwi­sche­nist­derPa­zi­fik­und­nicht Ös­ter­reich.

Aber­wo­lie­gen­dan­nun­se­reChan­cen­ge­genMil­li­ar­den­leis­tungs­ori­en­tier­teAsia­ten? In­derBil­dung. In­der Krea­ti­vi­tät. In der In­no­va­ti­on. Wir müs­sen mehr wis­sen. Wir müs­sen auf Qua­li­tät set­zen. Auf Spe­zia­li­sie­rung. Al­sFein­kost­la­den­ha­ben­wirTop-Mög­lich­kei­ten. Und als Fein­me­cha­ni­k­la­den. Als ei­nes der reichs­ten Län­der wä­ren wir da­für gut ge­rüs­tet. Ma­chen wir aus dem­so ös­ter­rei­chi­schenKon­junk­tiv ei­neRea­li­tät.

gert.kor­ent­sch­nig@kurier.at

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