Ös­ter­reichs Mus­li­me wäh­len ei­nen neu­en Prä­si­den­ten

IGGÖ. Am8. De­zem­ber fin­den vor­zei­ti­geNeu­wah­len statt. Prä­si­dent Ibra­him Ol­gun kan­di­diert nicht mehr.

Kurier - - Wien - VON BERN­HARD ICHNER

Mit ei­ner Zwei­drit­tel­mehr­heit be­schlos­sen die Mit­glie­der des Schura­ra­tes der Is­la­mi­schen Glau­bens­ge­mein­schaft (IGGÖ) am Sams­tag vor­zei­ti­ge Neu­wah­len. Da­her wird am 8. De­zem­ber der Nach­fol­ger von Prä­si­dent Ibra­him Ol­gun ge­wählt. Ol­gun, der in­tern un­ter Druck ge­ra­ten war, nach­dem die Bun­des­re­gie­rung am 8. Ju­ni die Schlie­ßung von sie­ben Mo­sche­en so­wie die Auf­lö­sung der Ara­bi­schen Kul­tus­ge­mein­de Ös­ter­reichs (AKÖ) ver­kün­det hat­te, war so­mit nur 2,5 Jah­re im Amt und wird als ers­ter Prä­si­dent der IGGÖ vor Ablauf der fünf­jäh­ri­gen Le­gis­la­tur­pe­ri­odes­einAmt­zu­rück­le­gen­müs­sen.

Of­fi­zi­ell ist aber nicht von ei­ner Ab­wahl die Re­de, son­dern von ei­nem im Som­mer ge­star­te­ten Re­form­pro­zess, zu­de­mauch­dieÄn­de­rung der IGGÖ-Ver­fas­sung ge­hört. Ol­gun macht im Ge­spräch mit dem KU­RI­ER aber kei­nen Hehl dar­aus, dass er sich das Pro­ze­de­re an­ders vor­ge­stellt hät­te. „Ich bin ent­täuscht, wie­das­ge­lau­fe­nist. Ich­hät­te den Re­form­pro­zess gern zu En­de ge­bracht. Erst da­nach hät­te esNeu­wah­len ge­ben sol­len.“

Zur­zeit ha­be er kein In­ter­es­se, am 8. De­zem­ber noch ein­mal als Prä­si­dent zu kan­di­die­ren oder da­nach ei­nem Gre­mi­um derIGGÖan­zu­ge­hö­ren. An­ge­sichts des be­vor­ste­hen­den Ab­schieds sagt Ol­gun: „Es war ei­ne gro­ße Eh­re für mich, dass ich zwei­ein­halb Jah­re für die Mus­li­me in Ös­ter­reich ar­bei­ten durf­te. Ich ha­be das ge­tan, oh­ne mich von ir­gend­ei­nem Ver­ein in­stru­men­ta­li­sie­ren zu las­sen.“

„In­ter­nerMacht­kampf“

Ei­ne Ein­schät­zung, die Ol­guns Kri­ti­ker in der IGGÖ nicht tei­len. Dem Prä­si­den­ten, der vom tür­ki­schen Mo­schee­ver­band ATIB auf­ge­stellt wor­den war, wur­de im­mer wie­der nach­ge­sagt,„ei­neMa­rio­net­teAn­ka­ras“zu sein und die Kräf­te­ver­hält­nis­se im Schura­rat (al­so im Par­la­ment der IGGÖ) zu­guns­ten von ATIB be­ein­flusst zu ha­ben.

Zu­dem wird ihm vor­ge­wor­fen, be­sag­te Mo­scheeschlie­ßun­gen selbst ver­ur­sacht zu ha­ben, weil er dem Kul­tu­s­amt for­mel­le Män­gel bei der AKÖ ge­mel­det hat­te. Ol­gun ar­gu­men­tier­te, dass er da­zu nach de­mIs­lam­ge­setz ver­pflich­tet ge­we­sen sei.

In Ol­guns Um­feld meint man, die Mo­scheeschlie­ßun­gen sei­en „bloß­ge­gen­denPrä­si­den­ten­aus­ge­nutzt wor­den“, es ha­be ein re­gel­rech­tes „Dir­ty­Cam­pai­gning“ge­gen ihn ge­ge­ben. Be­reits in der Schura­rats­sit­zung am 30. Ju­ni wa­ren die Be­fug­nis­se Ol­guns ein­ge­schränkt wor­den. Hin­ter­grund der Ak­ti­on wä­ren aber nicht tat­säch­li­che Feh­ler­des­Prä­si­den­ten, son­dern„ein­in­ter­ner dem der­zei­ti­gen Prä­si­den­ten des Macht­kampf, der der Zu­kunft Schura­ra­tes, Ümit Vu­ral, nach­ge­sagt. der Glau­bens­ge­mein­schaft DerJu­rist, der­der­zu­rMil­li-Gö­rüss­cha­den“wer­de.Be­we­gung zäh­len­den Is­la­mi­schen

WasOl­guns Nach­fol­ger be­trifft, Fö­de­ra­ti­on zu­zu­rech­nen ist, wird viel spe­ku­liert. Of­fi­zi­ell hat will das aber noch nicht be­stä­ti­gen. zwar noch nie­mand kan­di­diert, gu­teChan­cen­auf­da­sAmt­wer­den­a­ber Mit der Kan­di­da­ten­fra­ge wer­de man sich ab Sonn­tag be­schäf­ti­gen.

Ibra­him Ol­gun (li.) bleibt bis 8. De­zem­ber Prä­si­dent der IGGÖ. Gu­te Chan­cen auf sei­ne Nach­fol­ge wer­den Schura­rats­prä­si­dent Ümit Vu­ral (re.) nach­ge­sagt

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