Trö­del im Trend: Floh­märk­te boo­men

Alt­wa­ren. Ver­kau­fen stat­tWeg­wer­fen er­lebt ei­neRe­nais­sance / Web-Di­ens­te sind kei­neKon­kur­renz

Kurier - - Wien - VON JÜR­GEN ZAHRL

Ein un­ge­wöhn­li­cher Duft liegt in­derLuft. Es is­tei­neMi­schung aus Stall­ge­ruch und Patchou­li. „Wir ha­ben ein Räu­cher­stäb­chen an­ge­zün­det, da­mit wir nicht pau­sen­losan­da­sAro­ma­vonSchwei­ne­ner­in­nert­wer­den“, er­zählt Chris­ti­an, wäh­rend er in der Ge­schirrab­tei­lung die Glä­ser und Tel­ler ord­net. Es dau­ert ei­nen kur­zen Mo­ment, bis sich die Na­se dar­an ge­wöhnt hat, dass man sich mit­ten in den weit­läu­fi­gen Hal­len des Vieh­zucht­ver­bands in Zwettl (Nie­der­ös­ter­reich) be­fin­det. Dort, wo üb­li­cher­wei­se Rin­der oder Schwei­ne auf ih­re Ver­stei­ge­rung war­ten, sta­peln sich bis Mon­tag Tau­sen­de All­tags­ge­gen­stän­de, Ku­rio­si­tä­ten und Ra­ri­tä­ten.

Pull­over, Hem­den, Rö­cke, Ho­sen oder Ja­cken hän- gen auf ei­ner lan­gen Klei­der­stan­ge eng ne­ben­ein­an­der. Ge­gen­über­sin­dMö­bel­zu­fin­den. In der größ­ten Hal­le lie­gen Zig­tau­sen­de Ar­ti­kel noch dich­ter an­ein­an­der ge­reiht – hier fin­det man CD-Play­er oder Kas­set­ten­re­kor­der ge­nau­so wie Kaf­fee­ma­schi­nen, Bü­cher, Skier, Sturz­hel­me, Brett­spie­le und Ta­schen.

Ver­wen­dungs­zweck

Seit 1973 ver­an­stal­ten die Zwett­ler Pfad­fin­der in re­gel­mä­ßi­gen Ab­stän­den ih­ren Floh­markt. So „rap­pel­voll“wie heu­er wa­ren die Vieh­zucht­hal­len­nochnie, sag­tOr­ga­ni­sa­tor Jo­sef May­er­ho­fer: „Man spürt dies­mal ganz deut­lich, dass Leu­te un­nö­ti­geMüll­ber­ge­ver­mei­den­wol­len. De­nen geht es viel mehr dar­um, dass ih­re aus­ge­mus­ter­ten­Pro­duk­te ei­nem­wei­te­ren Zweck zu­ge­führt wer­den.“ Von ei­nem Mal auf das an­de­re wer­de der Floh­markt grö­ßer, mein­tMay­er­ho­fer.

Ob­wohl die On­li­ne-Kon­kur­renz wie et­wa Will­ha­ben.at oderSh­pock. at­wächst, kön­nen auch Or­ga­ni­sa­to­ren in Wi­en und Um­ge­bung über star­ken Zu­lauf nicht kla­gen. „Im Ver­gleich­zu­mWebs­ind­be­währ­te Floh­märk­te prak­ti­ka­bler. Man­muss­dieWa­ren­nicht­ab­fo­to­gra­fie­ren und be­schrei­ben, son­dern nur die Pro­duk­te aus dem Au­to räu­men“, er­klärt Wer­ner Char­wat, des­sen „Floh­markt Schwe­chat“nach 23 Jah­ren auf den Park­platz vor dem Shop­ping­cen­ter­hu­mae­le­ve­n­in­Wi­en-Sim­me­ring über­sie­delt ist. 200 bis 250 Aus­stel­ler bie­ten hier je­den Sonn­tag von 7 bis 13 Uhr All­täg­li­ches oder Be­son­de­res feil. „Sper­ri­ge oder wert­vol­le Stü­cke stel­len Nut­zer lie­ber ins In­ter­net. Aber die Viel­falt auf ei­nem Platz kön­nen nur Floh­märk­te bie­ten“, sagt Char­wat.

Gar von ei­nem Boom in der Groß­stadt spricht Alex­an­der Hengl, Spre­cher des Wie­ner Markt­amts (MA59): „Es gibt kaum noch ei­nen Platz, der nicht fürF­loh­märk­te ge­nutzt wird.“Auf Jah­re aus­ge­bucht sei je­ner am Nasch­markt (sams­tags 6.30 bis14Uhr). Neuis­t­derAlt­wa­ren­markt für Ge­wer­be­trei­ben­de, der eben­falls dort je­den­zwei­tenF­rei­ta­gimMo­nat von10­bis17Uhr­ver­an­stal­tet wird. „Sol­che Märk­te ge­hen bes­ser­den­n­je. Weg­wer­fe­nist nicht­mehr in“, sag­tHengl.

Ei­nen wei­te­ren Grund kennt Hel­ga Kiel­may­er, die so­wohl in der Bun­des­haupt­stadt als auch vor dem ehe­ma­li­gen Obi-Markt in Wie­ner Neu­stadt (sonn­tags bis 25. No­vem­ber, 6 bis 13 Uhr) Floh­märk­te or­ga­ni­siert: „Die Leu­te ha­ben im­mer we­ni­ger im Geld­bör­sel. Wenn sie Zu­hau­se aus­mis­ten, kön­nen sie sich­da­sUr­laubs­geld­da­zu­ver­die­nen.“Dar­über hin­aus sei­en Se­cond-Hand-Pro­duk­te in gu­ter Qua­li­tät für al­le er­schwing­lich, sagt sie.

Müll­ber­ge ver­mei­den, heißt die De­vi­se: Der Pfad­fin­derF­loh­markt in Zwettl hat ei­ne Rie­sen­aus­wahl zu bie­ten

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.