„Man muss dort hin, wo der Markt ist“

Neu po­si­tio­niert. Ge­or­gÖf­ferl stell­te auf bio­u­mund lie­fert vomWein­vier­tel nach­Wi­en

Kurier - - Thema - – INGRID TEUFL

Wie kann sich ei­ne klei­ne Dorf­bä­cke­rei ge­winn­brin­gend­auf­stel­len? Die­seFra­ge be­schäf­tig­te Ge­org Öf­ferl lan­ge. „Am Land ist das ex­trem schwie­rig. Der Brot­markt ist ge­sät­tigt und in Pend­ler­ge­mein­den sind die Leu­te zu den üb­li­chen Öff­nungs­zei­ten nicht da“, sagt er. Den­noch­wag­te er es, die fa­mi­li­en­ei­ge­ne Dampf­bä­cke­rei in der 900-Ein­woh­nerGe­mein­de Gau­bitsch (Be­zirk Mi­stel­bach) in drit­ter Ge­ne­ra­ti­onwei­ter­zu­füh­ren.

Heu­te, drei Jah­re spä­ter, be­lie­fert­der 27-Jäh­ri­ge vom Wein­vier­tel aus Wo­chen­märk­te, Fein­kost­händ­ler un­dSpit­zen­gas­tro­no­menim 60 Ki­lo­me­ter ent­fern­ten Wi­en mit sei­nen Bio-Bro­ten. ImM­ärz­wird in derWoll­zei­le im ers­ten Be­zirk ei­ne Schau­bä­cke­rei er­öff­net.

Ei­gent­lich hat­te er aber mit dem Bä­cker­ge­wer­be so gar nichts am Hut. Sei­ne Mut­ter Bri­git­te, 53, hat­te­die Bä­cke­rei1998­nach­de­mTod ih­res Va­ters über­nom­men und mit Ehe­mann Wal­ter, 55, und viel per­sön­li­chem Ein­satz er­hal­ten. „Mei­ne Mut­ter war prak­tisch rund um­dieUh­r­in­derBack­stu­be, das woll­te ich nicht. Als Ju­gend­li­cher­war ich an­ge­fres­sen, wen­nichin­derBack­stu­be aus­hel­fen muss­te.“Mit An­fang 20 be­gann er doch mit Bio­zu­ta­ten zu ex­pe­ri­men­tie­ren – un­d­fin­gFeu­er.

Öf­ferl ab­sol­vier­te ei­ne Leh­re­s­am­tMeis­ter­in­derBä­cker­meis­ter­schu­leWels und ar­bei­te­te in sei­ner Ab­schluss­ar­beit sein spä­te­res Ge­schäfts­mo­dell aus. „In ers­terLi­nie­ver­kauft­man­na­tür­lich Brot – aber auch ei­ne Le­bens­ein­stel­lung.“Bei ihm heißt das: lan­ge Tei­gru­he­zei­ten, Hand­ar­beit und al­te Ge­trei­de­sor­ten.

War­u­merBä­cker­wur­de, statt nach sei­nem Stu­di­um imIn­ge­nieur­we­sen­zu­ar­bei­ten, klingt nach viel Über­le­gen und Pla­nen: „Im Hand­werk kann ich nur auf Qua­li­tät set­zen, da­zu brau­che ich ein­engrö­ße­renRa­di­us. Man muss dort hin, wo der Markt ist.“Der ist, wie der (Sau­er­teig-)Brot-Boom­der­ver­gan­ge­nen Jah­re zeigt, eher in grö­ße­ren Städ­ten wie Wi­en an­zu­tref­fen.

Um­set­zung nicht leicht

Die Um­set­zungwar an­fangs nicht ein­fach, gibt Öf­ferl zu: dieUm­stel­lung derRe­zep­tu­ren auf bio, die Skep­sis der Ge­sel­len im Fa­mi­li­en­be­trieb, die Lie­fer­lo­gis­tik. Wie er als Jun­ger die er­fah­re­ne­renMit­ar­bei­ter über­zeug­te? Nur so viel: „Re­spekt kann man sich nur er­ar­bei­ten.“Bei den Lie­fe­run­gen nach Wi­en half von An­fang an Öf­ferls Cou­sin Lu­kas Uhl, 25, mit. Schon bald häng­te er sei­nen Be­ruf als tech­ni­scher Zeich­ner an den Na­gel und mach­te die Aus­bil­dung zum Bä­cker- so­wie Mül­ler­meis­ter. Mitt­ler­wei­le set­zen in Gau­bitsch zehn Ge­sel­len Sau­er­tei­ge an und for­men Bro­te, Ge­orgs El­tern hel­fen tat­kräf­tig mit. Ne­ben dem Er­folg bei den Kun­den freut ihn ein Satz sei­ner Mut­ter sehr: „Sie sag­te: Der Opa hätt’ so­ei­neF­reud’.“

Jung-Bä­cker Ge­org Öf­ferl setzt auf Sau­er­teig und Hand­ar­beit

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.