Un­durch­sich­ti­ge Be­gräb­nis­kos­ten

Feh­len­der Preis­ver­gleich. Wett­be­werbs­hü­ter for­dern­mehrTrans­pa­renz vonBe­stat­tern – die Bran­che­wehrt sich

Kurier - - Wirtschaft - VON SI­MO­NE HOEPKE

Es klingt nach ei­nem tod­si­che­ren Ge­schäfts­mo­dell: ein Be­stat­tungs­un­ter­neh­men. Das ha­ben sich nach der Markt­li­be­ra­li­sie­rung 2002 wohl ei­ni­ge in Ös­ter­reich ge­dacht und sich selbst­stän­dig ge­macht. Ei­ni­ge da­von wur­den in der Fol­ge bei Theo­dor Than­ner vor­stel­lig, dem Chef der Bun­des­wett­be­werbs­be­hör­de (BWB).

Es ging um Strei­te­rei­en mit alt­ein­ge­ses­se­nen Be­trie­ben. Die­se hat­ten zum Bei­spiel den Schlüs­sel zur ört­li­chen Auf­bah­rungs­hal­le, rück­ten ihn der neu­en Kon­kur­renz aber nur ge­gen ein Ent­gelt von 1000 Eu­ro her­aus. Kos­ten, die der neue Mit­be­wer­ber­auf­s­ei­neKal­ku­la­ti­on auf­schla­gen muss­te – was ihn nicht ge­ra­de­wett­be­werbs­fä­hig­mach­te. DieWett­be­werbs­hü­ter ha­ben die Bran­che da­her ge­nau­er durch­leuch­tet – und le­gen nun ei­nen Be­richt vor.

Ver­schwie­gen

Haupt­kri­tik­punkt ist die Ver­schwie­gen­heit der Bran­che, wenn es um Be­gräb­nis­kos­ten geht. „Preis­ver­glei­che sind für Kon­su­men­ten prak­tisch un­mög­lich“, sagt Than­ner. Au­ßer die Nach­kom­men klap­pern al­le An­bie­ter in der Um­ge­bung höchst­per­sön­lich ab – wo­zu die­we­nigs­ten Hin­ter­blie­be­nen die Zeit und die Ner­ven ha­ben­wer­den.

Ei­ne On­li­ne­re­cher­che der Prei­se kann man sich vie­ler­orts ab­schmin­ken. Nur 18 der ös­ter­reich­weit 513 Be­stat­tungs­un­ter­neh­men wei­sen auf ih­rer Home­page ih­re Prei­se aus. Mehr als 200 ha- ben nicht ein­mal ei­ne Web­sei­te.

Bran­chen­spre­cher Rai­nerWern­hard ar­gu­men­tiert, dass der Preis ei­ner Be­er­di­gung von vie­len Fak­to­ren ab­hän­ge, ei­ne Aus­zeich­nung auf­derHome­page­al­so­we­nig Sinn ma­chen wür­de. „Da­zu kommt, dass­dieF­ried­hofs­ge­büh­ren nicht über­all gleich hoch sind und es re­gio­nal un­ter­schied­li­che Bräu­che gibt, was dieAuf­bah­rung an­geht.“Dass die Preis­an­ga­be „pie­tät­los“sei, wieBran­chen­ver­tre­ter lau­tBWB­ge­sagt ha­ben, wür­de er so nicht un­ter­schrei­ben. „Pie­tät­los wa­ren die Markt­tests di­ver­ser Auf­de­cker.“Sprich, dass die Tes­ter ei­nen To­des­fall vor­ge­täuscht ha­ben, um Kos­ten­vor­an­schlä­ge zu be­kom­men. Sol­che Tests sind in an­de­ren Bran­chen durch­aus üb­lich. Wern­hard: „In­an­de­renBran­chen bringt man aber nie­man­den ins Gr­ab.“

Wo­bei bei der Fra­ge, was pie­tät­voll ist, die Ant­wor­ten si­cher aus­ein­an­der ge­hen. So hat ein ober­ös­ter­rei­chi­scher Be­stat­ter ei­nenOn­li­ne­shop ein­ge­rich­tet, in dem er Le­go-Lei­chen­wä­gen oder T-Shirts mit dem Auf­druck „Das letz­te Au­to ist im­mer ein Kom­bi“an­bie­tet. Ein an­de­rer ver­weist auf sei­ner Home­page­auf­einMu­si­cal­mit dem Ti­tel „Sarg nie­mals nie“.

Preis­ver­gleich­spor­ta­le

In Groß­bri­tan­ni­en oder auch Deutsch­land gibt es da­ge­gen längst Preis­ver­gleich­spor­ta­le. „Man gibt den Ort ein, in dem die Be­stat­tung statt­fin­den­sol­lund­be­kommt­wie­auf Airb­nb sämt­li­che Be­stat­ter samt An­ge­bo­ten auf ei­ner Stadt­kar­te an­ge­zeigt“, sagt Sa­rah Für­lin­ger, die für die BWB den Markt ana­ly­siert hat. „In Ös­ter­reich un­denk­bar, es ver­rät ja kei­ner die Prei­se“, er­gänzt Than­ner.

Wern­hard sagt, dass er min­des­tens ein Mal in der Wo­che je­man­den be­rät, der gar­k­ei­nenTo­des­fall­in­derFa­mi­lie hat. „Die Leu­te wol­len wis­sen, wel­che Kos­ten auf sie zu­kom­men. Sol­che Ge­sprä­che gibt es im­mer öf­ter. Auch, weil die Ver­wandt­schaf­toft­weit­weg­wohn­t­und sich nicht küm­mern kann.“

Kon­kur­renz­si­tua­ti­on

Wer sich trotz al­lem über­legt, neu ins Be­stat­tungs­ge­schäft ein­zu­stei­gen, soll­te sich über­le­gen wo. Die Kon­kur­renz­si­tua­ti­on ist re­gio­nal recht un­ter­schied­lich. Im Bur­gen­land kom­men auf 100.000 Ein­woh­ner 20 Be­stat­tungs­un­ter­neh­men, das sind dop­pelt so vie­le wie in Ober­ös­ter­reich, fast drei Mal so vie­le wie in Nie­der­ös­ter­rei­chund­rund­vierMal­so­vie­le wie im Rest Ös­ter­reichs – mit Aus­nah­me vonWi­en.

In der Bun­des­haupt­stadt kom­men auf 100.000 Ein­woh­ner sta­tis­ti­sche 0,8 Be­stat­tungs­un­ter­neh­men. „Dies deu­tet dar­auf hin, dass in­Wi­en durch­aus ein Be­darf an Wett­be­werb durch Neu­grün­dun­gen oder Be­stat­tungs­un­ter­neh­men aus dem re­gio­na­len Um­feld be­steht“, schließt die BWB. „Ei­ne Milch­mäd­chen­rech­nung“, kon­ter­tWern­hard. Nich­tum­sonst hät­ten vie­le schon wie­der auf­ge­ge­ben. „Die Leu­te se­hen nur, wie viel ein Be­gräb­nis­kos­tet, aber­nicht, wie hoch die Kos­ten des Be­stat­tungs­un­ter­neh­mens­sind. Al­lein der 24-Stun­den-Be­reit­schafts­dienst kos­tet jähr­lich um­die 30.000 Eu­ro.“

Ver­schwie­ge­ne Bran­che: Wett­be­werbs­hü­ter wün­schen sich von Be­stat­tern mehr Trans­pa­renz bei den Prei­sen. Nur 18 von 500 Be­trie­ben wei­sen die­se auf der Home­page aus

Är­gert sich über man­geln­de Trans­pa­renz: Theo­dor Than­ner

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