Das voll­au­to­ma­ti­sier­te Spi­tal

In­no­va­ti­on. ImKran­ken­hausNord will die Stadt­Wi­en den Spi­tal­sall­tag der Zu­kunft er­pro­ben. Für Pa­ti­en­ten könn­te es künf­tig hei­ßen: Mehr selbst er­le­di­gen.

Kurier - - Wien - VON STE­FA­NIE RACHBAUER

Die Wurst­sem­mel selbst über die Kas­se zie­hen. Am Flug­ha­fen in Ei­gen­re­gie ein­che­cken. Den Er­lag­schein am Au­to­ma­ten aus­fül­len. Selbst­be­die­nung ist be­reits in vie­len Bran­chen Rea­li­tät – bald könn­te sie auch in dieWie­nerGe­mein­de­s­pi­tä­ler ein­zie­hen.

Self-Check-in-Ter­mi­nals (Au­to­ma­ten zur Ei­gen­an­mel­dung, Anm.) zäh­len zu je­nen Di­gi­ta­li­sie­rungs­pro­jek­ten im Ge­sund­heits­we­sen, dieGe­sund­heits­stadt­rat Pe­ter Ha­cker und Wirt­schafts­stadt­rat Pe­ter Han­ke (bei­de SPÖ) am Don­ners­tag bei ei­nem Rund­gang durch das Kran­ken­haus Nord prä­sen­tier­ten. Der Ort war frei­lich nicht zu­fäl­lig ge­wählt: „Das Haus ist ein Bei­spiel da­für, wo wir hin­wol­len“, er­klär­te Ha­cker.

Die Idee hin­ter den Ter­mi­nals ist fol­gen­de: An­statt in Stoß­zei­ten auf die An­mel­dung zu war­ten, er­le­di­gen die Pa­ti­en­ten die­se kur­zer­hand selbst.

Das Wie­ner AKH setzt sol­che Au­to­ma­ten be­reits seit 2016 ein. An der­zeit vier Kli­ni­ken ste­cken die Pa­ti­en­ten ih­re eCard in ei­nen Ter­mi­nalund­be­stä­ti­gen­soih­ren Ter­min, im Hin­ter­grund­wer­den die Da­ten über­prüft. Bei gül­ti­gem Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis kön­ne der Pa­ti­ent dann – oh­ne Kon­takt mit dem Leit­stel­len­per­so­nal – in derWar­te­zo­nePlatz­neh­men, er­klärt ei­ne Spre­che­rin. Die „zu­sätz­li­che An­mel­de­mög­lich­keit“ver­kür­ze dieWar­te­zei­ten deut­lich, bei Pro­ble­men hel­fe das Per­so­nal.

Ei­ne sol­che Un­ter­stüt­zung ist für dieWie­nerPa­ti­en­ten­an­wäl­tin Si­grid Pilz un­be­dingt not­wen­dig. Für be­nach­tei­lig­te Per­so­nen – et­wa Men­schen mit geis­ti­gen Be­ein­träch­ti­gun­gen – müs­se es ei­nenPlanB­ge­ben, be­tont­sie.

Wel­che Spi­tä­ler künf­tig Check-in-Ter­mi­nals er­hal­ten, und­ab­wann, hat­derKAV noch nicht fi­xiert. Im Kran­ken­haus Nord hät­ten die Au­to­ma­ten „nicht al­ler­ers­te Prio­ri­tät“, er­klärt ei­ne Spre­che­rin. Da die 16 Fach­am­bu­lan­zen des Hau­ses nur mit Ter­min auf­ge­sucht wer­den kön­nen, ver­mei­de man War­te­zei­ten von vorn­her­ein. Die tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen­fürS­elf-Check-in-Ter­mi­nals sei­en aber ge­ge­ben.

Dok­tor Tech­nik

Vor­erst wird sich die Di­gi­ta­li­sie­rung im Kran­ken­haus Nord al­so eher im Ver­bor­ge­nen ab­spie­len – et­wa in der För­der­tech­nik­hal­le. 40fah­rer­lo­se Ro­bot­er­wa­gen wer­den auf Knopf­druck von dort aus­schwär­men und Me­di­ka­men­te, Spei­sen oderWä­sche auf­dieS­ta­tio­nen­trans­por­tie­ren. Sie ori­en­tie­ren sich an­hand von run­den Me­tall­plätt­chen im Bo­den, vor Hin­der­nis­sen stop­pen sie selbst­stän­dig ab. Voll­au­to­ma­tisch wer­den an der Brün­ner Stra­ße auch Blut- und Ge­we­be­ana­ly­sen ab­lau­fen. Die Pro­ben ge­lan­gen per Rohr­post von der Sta­ti­on ins La­bor. Dort­nimmt­sie­ei­neMa­schi­ne aus dem Trans­port­be­häl­ter und setzt sie in die Ana­ly­se­ge­rä­te. Die Be­fun­dung kön­ne so­mit deut­lich schnel­ler er­fol­gen, ver­si­cher­te Pe­ter Plund­rak, Pro­jekt­lei­ter des Fa­ci­li­ty Ma­nage­ments.

Die Pa­ti­en­ten selbst wer­den aber auch et­was von der neu­en, di­gi­ta­len Kran­ken­haus­welt zu se­hen be­kom­men. Kon­kret ist je­des Bett mit ei­nem fix mon­tier­ten Bild­schirm aus­ge­stat­tet, der für 2,50 Eu­ro pro Tag Zu­griff auf mehr als 50 TV-Pro­gram­me, 100 Hör­bü­cher, Zei­tun­gen, Com­pu­ter­spie­leun­dRa­dio­pro­gram­me bie­tet.

Die ers­te Be­wäh­rungs­pro­be für das Un­ter­hal­tungs­sys­tem steht nächs­ten Som­mer an: ImJu­ni soll der ers­te Pa­ti­ent be­han­deltwer­den.

Bild­schir­me an je­dem Bett sol­len die Pa­ti­en­ten bei Lau­ne hal­ten

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