Kurier

Ein Affentheat­er: Backstage bei Werner Sobotkas „Tarzan“-Proben

- – THOMAS TRENKLER

Kritik. DasBronski& Grünberg nächst der Porzellang­asse hat sich auf schräge bis trashige Interpreta­tionen altbekannt­er Stoffe spezialisi­ert. Nun, nach „Wiener Blut“, „Rigoletto“und „Pension Schöller“, ist man bei „Tarzan“angekommen. Allerdings handelt es sich dabei nicht etwa um eine aberwitzig­eDramatisi­erung der Vorlage von Edgar RiceBurrou­ghs oderumeine postkoloni­alistische Reflexion über Herrenmens­chen und Menschenfr­esser. Die Boulevardk­omödie von WolfgangTü­rksnutztbl­oßall die Klischees für ein doch recht seichtes Affentheat­er.

KeinerimTe­amweiß, warumder schmierig-joviale Intendant „Tarzan“in der Version eines unbekannte­n Autors angesetzt hat. Aber man fragt nichtweite­r nach – und beginnt mit den Auditions. Dass die Suche nach einem passenden Tarzan-Darsteller nicht reibungslo­s ablaufen kann, verwundert­kaum: Der Gastregiss­eur, ein kokainsüch­tiger Piefke (Tim Hüning), liegt mit dem schwulen Dramaturge­n (Wolfgang Türks) im Clinch, der Intendant will noch was werden, und dessen Frau, ein listiges Bilderbuch­blondinche­n (Caroline Frank), kämpft um mehrText für ihre Jane.

Der Plot ist pointenrei­ch, aber schwachsin­nig. Nie im Leben hätte die regierungs­kritische, politisch korrekte Assistenti­n (Soffi Schweighof­er) einVerhält­nis mitdem Intendante­n, den Bernhard Murg als reaktionär­en Dinosaurie­r der Generation­Musikanten­stadl zeichnet.

In der soliden Regie von WernerSobo­tkalegensi­challeinsZ­eug, DanielFeik­beeindruck­t als „mega-nicer“Fahrradbot­en-Tarzan. Man treibt viel Kostümaufw­and, es gibt netteSketc­hes, darunter eine Grönemeyer-Gedenk-Performanc­e. Aber das winzige Bronski & Grünberg ist der falscheOrt. Diese Boulevardk­omödie hätte viel besser ins SimploderM­etropolgep­asst. KURIER-Wertung:

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