Ei­ne Imp­fung ge­gen Krebs

Die Hpv-imp­fung senkt das Ri­si­ko von Ge­bär­mut­ter­hals­krebs

KURIER_IMPFEN - - Inhaltsverzeichnis -

Bei der Be­richt­er­stat­tung über die Hpv-imp­fung ist ei­ni­ges schief­ge­gan­gen: von Fal­sch­mel­dun­gen über To­des­fäl­le bis hin zu völ­lig über­trie­be­nen Ver­spre­chun­gen, wie vie­le Krebs­fäl­le ver­hin­dert wer­den kön­nen. Laut ei­ner Stu­die ha­ben we­ni­ger als die Hälf­te al­ler deut­schen Ta­ges­zei­tun­gen In­for­ma­tio­nen zur Häu­fig­keit von Hpv-in­fek­tio­nen und da­mit ver­bun­de­nen Krebs­ar­ten rich­tig wei­ter­ge­ge­ben – in Spa­ni­en sind es ge­ra­de ein­mal ein Fünf­tel. Nicht sel­ten fin­den sich auch in Pa­ti­en­ten bro­schü­ren über­trie­be­ne Be­haup­tun­gen.

WAS DIE IMP­FUNG BRINGT. Hu­ma­ne Pa­pil­lo­ma-vi­ren (kurz HPV) sind weit ver­brei­tet, über­tra­gen wer­den sie vor al­lem durch se­xu­el­len Kon­takt. Schät­zun­gen zu­fol­ge in­fi­zie­ren sich rund Drei­vier­tel der er­wach­se­nen Be­völ­ke­rung bis zum 50. Le­bens­jahr. Sol­che Hpv-in­fek­tio­nen sind häu­fig harm­los und ver­schwin­den von selbst wie­der, manch­mal kann es aber auch zu lang an­hal­ten­den In­fek­tio­nen kom­men.in we­ni­gen Fäl­len kann sich aus sol­chen In­fek­tio­nen mit ei­ni­gen­der zahl­rei­chen unt er schied­li­chenHp- vi­ren ty­pen Krebs ent­wi­ckeln–al­len vor­an im Ge­bär­mut­ter hals. Der Sta­tis­tik Aus­tria zu­fol­ge er­hal­ten et­wa sechs bis sie­ben von 100.000 Ös­ter­rei­che­rin­nen pro Jahr die Dia­gno­se Ge­bär­mut­ter hals krebs. Von al­len krebs be­ding­ten To­des­fäl­len macht die­se Krebs­art nur ei­nen ge­rin­gen Teil aus – le­dig­lich bei zwei von 100 ver­stor­be­nen Krebs pa­ti­en­tin­nen war Ge­bär­mut­ter hals­krebs die Ur­sa­che.

Seit den 80er-jah­ren ist die Zahl die­ser Er­kran­kung und der da­mit ver­bun­de­nen To­des­fäl­le stark rück­läu­fig, vor al­lem auf­grund der re­gel­mä­ßi­gen Vor­sor­ge un­ter­su­chun­gen. Da­bei nimmt der Frau­en­arzt oder die Frau­en­ärz­tin ei­nen Ab­strich von Zel­len des Ge­bär­mut­ter hal­ses, der dann un­ter dem Mi­kro­skop auf Krebs­vor­stu­fen un­ter­sucht wird. Mit die­sem so­ge­nann­ten PAP-TEST las­sen sich die ge­ne­rell sehr lang­sam wach­sen­den Krebs­vor­stu­fen recht­zei­tig er­ken­nen, be­vor sie sich zu bös­ar­ti­gen Tu­mo­ren ent­wi­ckeln kön­nen.

IM­MER BES­SE­RER SCHUTZ. In Ös­ter­reich wird laut Hpv-ex­per­ten El­mar Jou­ra von der Me­du­ni Wien haupt­säch­lich ein Impf­stoff ver­wen­det, der ge­gen vier Vi­ren­ty­pen wirkt: ge­gen die bei­den häu­figs­ten krebs ausl ösen denHp-v iren( HPV-16un­dHpv 18) und dieb ei­den vi­ren ty­penhpv -6 und HPV-11, die prin­zi­pi­ell un­ge­fähr­li­che, aber un­an­ge­neh­me Ge­ni­tal­war­zen aus­lö­sen kön­nen. Die­ser Impf­stoff soll rund 70 Pro­zent der durch Hp-vi­ren ver­ur­sach­ten Krebs­fäl­le ver­hin­dern kön­nen.

Ab Mit­te die­ses Jah­res wird in Ös­ter­reich ein Impf­stoff ver­füg­bar sein, der ge­gen neun Hp-vi­ren­ty­pen wirkt und so­mit 90 Pro­zent der ent­spre­chen­den Krebs er­kran­kun­gen stop­pen soll. Da die Vi­ren in ers­ter Li­nie über Se­xu­al­kon­takt ver­brei­tet wer­den, ist es sinn­voll, Bu­ben und Mäd­chen vor den ers­ten Se­xu­al­kon­tak­ten zu imp­fen. So ha­ben sie vol­len Schutz und die Ver­brei­tung der Vi­ren wird re­du­ziert.

IMP­FEN IST KEI­NE VOR­SOR­GE. Wie sehr die Er­kran­kun­gen wirk­lich zu­rück­ge­hen wer­den, wird sich erst in ei­ni­gen Jah­ren durch Stu­di­en fest­stel­len las­sen. Die zu­sam­men­ge­fass­ten Er­geb­nis­se bis­he­ri­ger ran­do­mi­siert- kon­trol­lier­ter kli­ni­scher Stu­di­en zei­gen je­den­falls, dass die Imp­fung bei jun­gen Mäd­chen das Auf­tre­ten von Krebs­vor­stu­fen deut­lich ver­rin­gert.

So hät­ten von 100 Frau­en mit hoch­gra­dig auf­fäl­li­gen, durch HPV-16 aus­ge­lös­ten Krebs­vor­stu­fen 53 die­se nicht be­kom­men, wenn sie ge­impft ge­we­sen wä­ren. In 84 von 100 Fäl­len könn­te die Imp­fung auch durch HPV-18 aus­ge­lös­te hoch­gra­dig auf­fäl­li­ge Krebs­vor­stu­fen ver­hin­dern. Über Krebs­vor­stu­fen, die durch an­de­re Hpv-ty­pen aus­ge­löst wer­den, sa­gen die­se Er­geb­nis­se al­ler­dings nichts aus. Es blei­ben we­ni­ge Ge­bär­mut­ter hals krebs-fäl­le üb­rig, ge­gen die nicht ge­impft wer­den kann. „Die Imp­fung er­setzt nicht voll­stän­dig die Vor­sor­ge, senkt aber sehr deut­lich das Ri­si­ko“, be­tont Jou­ra.

Ei­ne Mo­dell­rech­nung des Wie­ner Lud­wig-bolz­mann-in­sti­tuts geht da­von aus, dass die flä­chen­de­cken­de Ein­füh­rung der Hpv-imp­fung für al­le 12- jäh­ri­gen Mäd­chen ers­te Er­fol­ge in zwan­zig jah­ren zei­gen wür­de. Am En­de die­ser Zeit­span­ne könn­te die­se Maß­nah­me in Ös­ter­reich et­wa sie­ben Frau­en pro Jahr das Le­ben ret­ten. 50 Jah­re nach Ein­füh­rung des Impf­pro­gramms wä­re mit jähr­lich 33 Ge­bär­mut­ter hals krebs-to­ten we­ni­ger zu­rech­nen.

IMPFREAKTIONEN. An­lass zu­Sic her heits be­den­ken gibt die bis­he­ri­ge Er­fah­rung mit den Impf­stof­fen in Eu­ro­pa und den USA nicht. Auch To­des­fäl­le, die im Zu­sam­men­hang mit der Imp­fung ste­hen, sind kei­ne be­kannt. Häu­fig ist al­ler­dings – wie bei vie­len Imp­fun­gen – mit Schmer­zen und Rö­tun­gen an der Ein­stich­stel­le so­wie Fie­ber zu rech­nen.

„Die Imp­fung er­setzt nicht voll­stän­dig die Vor­sor­ge, senkt aber sehr deut­lich das Ri­si­ko.“

El­mar Jou­ra von der Me­du­ni Wien

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.