Der Wert der Imp­fung

Me­di­zi­ne­rin Wie­der­mann-schmidt über den Her­den­schutz

KURIER_IMPFEN - - Inhaltsverzeichnis - – MAGDALENA MEER­GRAF FO­TO:MUW/FELICITASMATERN

Die Dur­ch­imp­fungs­ra­ten sin­ken. Ver­liert das Imp­fen aus Sicht der Be­völ­ke­rung an Wert? Ur­su­la Wie­der­mann-schmidt: Imp­fen ist kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit mehr, son­dern ist zu ei­nem Dis­kus­si­ons­the­ma ge­wor­den. Al­ler­dings nur so lan­ge, bis die Er­kran­kung wie­der ein Pro­blem wird. Bei Ebo­la oder Zi­ka et­wa wur­de so­fort die Fra­ge ge­stellt: Wie­so gibt es kei­ne Imp­fung? So­bald Ge­fahr lau­ert, er­kennt man den Nut­zen wie­der.

Men­schen las­sen sich nicht imp­fen, weil sie den­ken, die Er­kran­kun­gen spie­le kei­ne Rol­le mehr?

Die Impf­pro­gram­me ha­ben lei­der nicht nur den Vor­teil ge­bracht, dass die­se Krank­hei­ten nicht mehr da sind, son­dern sie ha­ben auch das Be­wusst­sein zu­rück­ge­drängt. Das Er­kran­kungs­ri­si­ko ist nicht mehr er­sicht­lich, die Angst ist weg und an­de­re Wer­tig­kei­ten kom­men auf.

Und neue Be­fürch­tun­gen?

Ja. Näm­lich, dass man sich durch ei­ne Maß­nah­me, die man pri­mär an ei­nem ge­sun­den Men­schen macht, ei­nen Nach­teil ein­han­delt. Das Pro­blem der Pro­phy­la­xe ist, dass man den un­mit­tel­ba­ren Nut­zen nicht spürt. Man weiß nicht si­cher, ob man je­mals Günst­ling da­von sein wird, ob man sich mit be­stimm­ten Er­re­gern an­ste­cken wird.

Im Un­ter­schied zur The­ra­pie ...

Ja. Selbst wenn die The­ra­pie nicht wirkt, er­kennt man kei­nen Nach­teil ge­gen­über der Er­kran­kung. Des­we­gen ist es un­gleich schwie­ri­ger, ge­sun­de Men­schen zu über­zeu­gen, sich imp­fen zu las­sen und ih­nen zu er­klä­ren, wie­so die Furcht vor Schä­den ei­ne fast ir­rea­le ist.

Ist sie das wirk­lich?

Man darf den Men­schen nicht sa­gen, es kann si­cher über­haupt nichts pas­sie­ren. Denn je­de me­di­zi­ni­sche Maß­nah­me kann ei­ne Ne­ben­wir­kung un­ter­schied­li­chen Gra­des mit sich tra­gen. Die wich­ti­ge Fra­ge ist die nach dem Schwe­re­grad. Wie gut kann man sie to­le­rie­ren ge­gen­über ei­ner Er­kran­kung, die viel­leicht so­gar zum Tod füh­ren kann. Die­ses Maß muss in ein rich­ti­ges Ver­hält­nis ge­bracht wer­den. Ne­ben­wir­kun­gen durch Imp­fen sind sel­ten. Die Ge­fahr, dass durch ei­ne Er­kran­kung wie Ma­sern schwer­wie­gen­de Fol­ge­schä­den auf­tre­ten, ist um vie­les hö­her.

Wer sind die­se 4 % an Impf­geg­nern?

Mei­ner Er­fah­rung nach neh­men kin­der­rei­che Fa­mi­li­en das Impf­pro­gramm ger­ne an. Be­rufs­tä­ti­ge El­tern kön­nen sich oft kei­ne kran­ken Kin­der leis­ten, weil sie nicht zu Hau­se blei­ben kön­nen. Bei Be­fra­gun­gen fällt auf, dass Geg­ner eher aus der bil­dungs­na­hen Schicht kom­men. Ge­bil­det be­deu­tet aber eben nicht im me­di­zi­ni­schen Sinn ge­bil­det.

Aber auch dem Ge­sund­heits­per­so­nal fehlt es an Impf­dis­zi­plin?

Das stimmt lei­der. V.a. die Ak­zep­tanz hin­sicht­lich der In­flu­en­zaimp­fung ist ge­ring. Ich glau­be aber, das hat we­ni­ger mit Ab­leh­nung zu tun, son­dern das ist oft­mals ein lo­gis­ti­sches Pro­blem. Imp­fun­gen müs­sen sehr nie­der­schwel­lig an­ge­bo­ten wer­den. Au­ßer­dem muss ge­zielt in­for­miert wer­den, dass man da­mit auch ei­nen Schutz für die Pa­ti­en­ten be­wirkt.

Wie geht man als Impfskep­ti­ker vor?

In­dem man sich bei tat­säch­li­chen Fach­kräf­ten in­for­miert. In mei­nen Sprech­stun­den kann man kon­kre­te Fra­gen stel­len und dis­ku­tie­ren. Ich ver­su­che raus­zu­fin­den, wo­her die Angst kommt.

Ei­ne An­lauf­stel­le sind oft In­ter­net­fo­ren.

Für Lai­en ist es schwie­rig, zu un­ter­schei­den: Was ist wis­sen­schaft­lich fun­diert, wo gibt es Evi­denz und was sind Ge­schich­ten, die auf Ba­sis von emo­tio­na­len Emp­fin­dun­gen er­zählt wer­den. Der Pa­ti­ent kommt be­reits mit die­sem Kon­vo­lut an Er­zäh­lun­gen in die Pra­xis und der Arzt muss da­mit um­ge­hen kön­nen. Oft­mals­bleibt da­für nicht die zeit. es wä­re aber wich­tig, weil man sonst Chan­cen ver­passt.

Der Wert der Imp­fung: Ur­su­la Wie­der­mann-schmidt plä­diert für mehr Ver­nunft.

Ur­su­la Wie­der­mann­schmidt ist Pro­fes­so­rin am In­sti­tut für Spe­zi­fi­sche Pro­phy­la­xe und Tro­pen­me­di­zin, Me­du­ni Wi­en

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