So gut ge­schützt ist Ös­ter­reich

Ein Über­blick über die ak­tu­el­le Impf­si­tua­ti­on

KURIER_IMPFEN - - Inhaltsverzeichnis - – MAGDALENA MEER­GRAF

Die Bi­lanz ist durch­wach­sen. Wäh­rend die Dur­ch­imp­fungs­ra­te beikin­dern­hoch­ist,nimmt­sie­ab­dem1.schul­jahr­kon­ti­nu­ier­lich ab. Die Er­wach­se­nen sind hier­zu­lan­de oh­ne­hin Impf­muf­fel und ver­ab­säu­men die Auf­fri­schung. Da­mit steigt al­ler­dings die Ge­fahr durch un­ter­schätz­te Kin­der­krank­hei­ten.

Beim Impf­schutz setzt Ös­ter­reich v.a. auf Frei­wil­lig­keit. Um­so wich­ti­ger sind Auf­klä­rung und Information

In kei­ner an­de­ren me­di­zi­ni­schen Dis­zi­plin sind so vie­le un­ter­schied­li­che Mei­nun­gen und An­sich­ten im Um­lauf. Schutz­imp­fun­gen gel­ten zwar nach wie vor als ei­ne der wich­tigs­ten Er­run­gen­schaf­ten in der Me­di­zin. Durch die Ver­hin­de­rung von In­fek­ti­ons­krank­hei­ten ha­ben sie im­mer­hin den Ge­sund­heits­zu­stand der Be­völ­ke­rung enorm ver­bes­sert. Doch die öf­fent­li­che Dis­kus­si­on um die Fra­ge, ob Imp­fun­gen mehr Scha­den an­rich­ten, als sie Nut­zen brin­gen, zeigt mitt­ler­wei­le eben­falls ih­re Wir­kung: Die Zahl der Impfskep­ti­ker nimmt zu. Lang­sam, aber si­cher macht sich dies durch sin­ken­de Durch imp­fungs­ra­ten­be merk­bar. Ein neu­er­li­cher An­stieg be­stimm­ter Er­kran­kun­gen lässt sich be­reits be­ob­ach­ten. 309 Ma­sern­fäl­le wur­den bei­spiels­wei­se im ver­gan­ge­nen Jahr ge­mel­det, das sind drei Mal so viel wie in den Jah­ren da­vor. Wie ei­ne El­tern­be­fra­gung des karl land st­ein er in­sti­tuts für­päd­ia­trisc he For­schung und Fort­bil­dung er­gab, ste­hen 57 Pro­zent der Ös­ter­rei­cher und Ös­ter­rei­che­rin­nen Imp­fun­gen skep­tisch ge­gen­über. Nur vier Pro­zent sind je­doch tat­säch­lich strik­te Impf­geg­ner. 39 Pro­zent der Be­frag­ten hin­ge­gen be­zeich­nen sich als vor­be­halt­lo­se Be­für­wor­ter. Für die Ent­schei­dung ge­gen ei­ne Kin­derimp­fung gibt es fol­gen­de Grün­de: 44 Pro­zent der El­tern emp­fin­den be­stimm­te Imp­fun­gen als un­nö­tig. 35 Pro­zent ma­chen sich Sor­gen, die Kin­der könn­ten zu stark be­las­tet wer­den. 34 Pro­zent ga­ben Angst vor Ne­ben­wir­kun­gen oder Impf­schä­den als Grund an. 18 Pro­zent der El­tern be­rich­ten, dass ih­nen ein Arzt be­reits ein­mal von ei­ner Imp­fung ab­ge­ra­ten hät­te.

ANGST VOR NE­BEN­WIR­KUN­GEN. Viel­mehr aber ho­len sich Skep­ti­ker – be­son­ders El­tern mit Klein­kin­dern – vor­ab schon In­for­ma­tio­nen aus den un­zäh­li­gen In­ter­net­fo­ren. Dar­un­ter zwi­schen fach­li­chen Emp­feh­lun­gen oder emo­tio­nal ge­lei­te­ten Ab­leh­nun­gen zu un­ter­schei­den, ist be­son­ders für Lai­en schwie­rig. Die Wo­gen ge­hen vor al­lem beim The­ma Impf­schä­den hoch. Die­se Ne­ben­wir­kun­gen, die über das üb­li­che Maß ei­ner leich­ten Impf­re­ak­ti­on hin­aus­ge­hen,

kom­men nur äu­ßerst sel­ten vor. Für Ver­dachts­fäl­le be­steht in Ös­ter­reich ei­ne ärzt­li­che ver­pflich­tung, die­se an die Agen­tur für Ge­sund­heit und Er­näh­rungs si­cher­heit( AG ES) zu mel­den.be­sag­te fäl­le müs­sen aber so­fort ärzt­lich do­ku­men­tiert und streng kon­trol­liert wer­den, um ei­nen mög­li­chen Zu­sam­men­hang zwi­schen der Re­ak­ti­on und der Imp­fung über­haupt her­stel­len zu kön­nen. Dass das Imp­fen – wie vie­le an­de­re me­di­zi­ni­sche Maß­nah­men auch – nicht völ­lig frei von Ne­ben­wir­kun­gen un­ter­schied­li­chen Gra­des ist, lässt sich nicht be­strei­ten. Die An­zahl der schwe­ren bis töd­li­chen Fol­gen von be­stimm­ten In­fek­ti­ons­krank­hei­ten ist al­ler­dings um ei­ni­ges hö­her, als die der Impf­schä­den. Schluss­end­lich darf aber je­der selbst ent­schei­den, ob er sich imp­fen lässt oder nicht.

ES GIBT KEI­NE IMPFPFLICHT. Imp­fen ist in Ös­ter­reich in je­dem Fall ei­ne frei­wil­li­ge Ent­schei­dung, es gibt kei­ne Impfpflicht. Ein­zig für das Ge­sund­heit s per­so­nal wird ei­ne Art Vor­auss et zungs re­gel für den Ein­stieg in den be­ruf über­legt. denn hier muss auch der Schutz der be­treu­ten Pa­ti­en­ten vor ver­meid­ba­ren In­fek­ti­ons­krank­hei­ten be­rück­sich­tigt wer­den. Bis­her ist es aber bei ei­ner Dis­kus­si­on ge­blie­ben, kon­kre­te Plä­ne gibt es da­für noch kei­ne.

Je­des Jahr er­ar­bei­tet das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ge­sund­heit mit Ex­per­ten und Ex per­tinn en­des Na­tio­na­len Impf­gre­mi­ums ei­nen Impf­plan. Da­bei wird zwi­schen Ba­sis-imp­fun­gen, wel­che im Rah­men des kos­ten­frei­en Impf­pro­gramms vom Staat ge­tra­gen wer­den, und an­de­ren wich­ti­gen Imp­fun­gen, die zwar kos­ten­pflich­tig sind, aber den­noch für den In­di­vi­du­al­schutz emp­foh­len wer­den,un­ter­schie­den. das gra­tis-impf pro­gramm wur­de vor fast 20 Jah­ren von der da­ma­li­gen Bun­des­mi­nis­te­rin Lor eH ostasch­in­sLe ben ge­ru­fen. al­len in ös­ter­reich le­ben­den kin­dern bis zum 15. Le­bens­jahr soll der Zu­gang zu den für die öf­fent­li­che Ge­sund­heit wich­ti­gen Imp­fun­gen er­mög­licht sein. Prio­ri­tät ha­ben da­bei je­ne ge­gen In­fek­ti­ons­krank­hei­ten, die von Mensch zu Men­schen über­tra­gen wer­den. Jüngs­te Er­gän­zung ist die Hpv-imp­fung. 2015 konn­te – ba­sie­rend auf der ab­ge­ru­fe­nen An­zahl an Impf­stoff­do­sen – be­reits ei­ne Durch imp­fungs ra­te von 60 Pro­zent er­reicht wer­den. Das öf­fent­li­che Bud­get für das kos­ten­freie Impf­kon­zept­be trägt heu­te laut Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um rund 24 Mil­lio­nen Eu­ro pro Jahr. Die Bun­des­län­der zah­len noch die Durch­füh­rung der Imp­fun­gen.

Wäh­rend be­kannt ist, dass die Durch imp­fungs­rateb ei der Sechs­fach- imp­fung zwi­schen 95 und 100 Pro­zent liegt, ist sie im Schul­al­ter der­zeit schwer ein­schät­zen, da sie deut­li­chen Schwan­kun­gen von Bun­des­land zu Bun­des­land un­ter­liegt – es gibt kein ein­heit­li­ches er­he­bungs sys­tem. Ex­per­ten for­dern da­her ei­nen elek­tro­ni­schen Impf­pass.

GRUPPENSCHUTZ. Ge­nau ge­nom­men geht es nicht nur dar­um, die Kin­der selbst zu schüt­zen. Auch die Wei­ter­tra­gung der Krank­heits­er­re­ger auf an­de­re ge­fähr­de­te Po­pu­la­tio­nen – wie zum Bei­spiel äl­te­re Men­schen – soll ver­rin­gert und so­mit die all­ge­mei­ne Er­kran­kungs­ra­te mi­ni­miert wer­den. Die­sen Ef­fekt, den die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on WHO bei­spiels­wei­se im Fall von Ma­sern als ei­nes ih­rer Zie­le er­klärt hat, nen­nen Fach­leu­te die Her­den­im­mu­ni­tät. In­fek­ti­ons­krank­hei­ten wie die Ma­sern könn­ten schon aus­ge­rot­tet sein, wenn sich min­des­tens 95 Pro­zent der Be­völ­ke­rung voll­stän­dig imp­fen las­sen wür­den.

Die An­zahl der schwe­ren bis töd­li­chen Fol­gen von be­stimm­ten In­fek­ti­ons­krank­hei­ten ist al­ler­dings um ei­ni­ges hö­her als die der Impf­schä­den.

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