Kampf ge­gen die Mü­cken­pla­ge

Wie das Zi­ka-vi­rus ein­ge­dämmt wer­den soll

KURIER_IMPFEN - - Inhaltsverzeichnis - – MAGDALENA MEER­GRAF

„Das Ziel ist jetzt nicht mehr so viel Mos­ki­tos wie mög­lich um­zu­brin­gen, son­dern die Fort­pflan­zung zu un­ter­bre­chen.“Mo­le­ku­lar­bio­lo­ge Kon­stan­ti­nos Bourt­zis, In­sect Pest Con­trol La­bors

Mit gro­ßer Sor­ge ver­folgt die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO) die ra­sche Aus­brei­tung des Zi­ka-vi­rus in Süd­und Mit­tel­ame­ri­ka. Schwan­ge­re Frau­en, die mit dem von Mos­ki­tos über­tra­ge­nen Vi­rus in­fi­ziert sind, kön­nen es auf ih­re un­ge­bo­re­nen Kin­der über­tra­gen. Bei den Fö­ten kann es zu ge­fähr­li­chen Fehl­bil­dun­gen des Ge­hirns kom­men. Ei­ne Imp­fung ge­gen die In­fek­ti­ons­krank­heit gibt es der­zeit noch kei­ne. For­scher ar­bei­ten zwar an der Ent­wick­lung ei­nes Impf­stoffs, doch bis zur Zu­las­sung könn­ten Jah­re ver­ge­hen. Die In­ter­na­tio­na­le Atom­ener­gie­be­hör­de (IAEA) mit Sitz in Wien hin­ge­gen hat in ih­ren „In­sect Pest Con­trol“La­bors in Sei­bers­dorf ei­ne Tech­no­lo­gie ent­wi­ckelt, die im Kampf ge­gen den Er­re­ger hel­fen soll. Da­bei wer­den Stech­mü­cken durch Be­strah­lung un­frucht­bar ge­macht und in ei­nem be­grenz­ten Ge­biet wie­der frei­ge­las­sen. So sol­len ne­ben Zi­ka-, auch Gelb­fie­ber- und Mala­ria-pla­gen ein­ge­dämmt wer­den kön­nen.

LABORBESUCH. Stren­ger Ge­ruch schlägt ei­nem ent­ge­gen, wenn man die Rä­um­lich­kei­ten der La­bo­re be­tritt. Hier wer­den ne­ben Frucht­flie­gen auch 80 ver­schie­de­ne Mos­ki­to­ar­ten ge­züch­tet – dar­un­ter die Gelb­fie­ber­mü­cke (Ae­des ae­gyp­ti), die das Zi­ka-vi­rus über­trägt. Die In­sek­ten kom­men di­rekt aus ih­ren Her­kunfts­län­dern. „Das ist wich­tig, weil ei­ne Paa­rung mit hei­mi­schen Ex­em­pla­ren mög­li­cher­wei­se nicht funk­tio­nie­ren wür­de“, er­klärt Mo­le­ku­lar­bio­lo­ge Kon­stan­ti­nos Bourt­zis zwi­schen Dut­zen­den sorg­fäl­tig be­schrif­te­ten Mos­ki­to­bo­xen. Be­treibt man die Me­tho­de im gro­ßen Stil, so wie bei­spiels­wei­se Gua­te­ma­la, las­sen sich meh­re­re Hun­dert­tau­send Mü­cken pro Wo­che pro­du­zie­ren.

Die Me­tho­de der Ste­ri­li­sa­ti­on zielt nur auf die männ­li­chen Stech­mü­cken ab. Denn nur die weib­li­chen Mos­ki­tos ste­chen: „Selbst wenn man sie be­strah­len wür­den, könn­ten sie ja trotz­dem wei­ter­hin Krank­hei­ten auf Men­schen über­tra­gen.“ Die In­sek­ten sind ex­trem re­sis­tent: Wäh­rend die Strah­len­do­sis für ei­nen Men­schen töd­lich wä­re, ist sie für die Stech­mü­cken nicht wei­ter schäd­lich. Zu ge­ne­ti­schen Ve­rän­de­run­gen kom­me es da­bei eben­falls nicht, ver­si­chert Bourt­zis. Die De­zi­mie­rung ei­ner In­sek­ten­art in ei­ner Re­gi­on kann bis zu ein­ein­halb Jah­re dau­ern, so der Ex­per­te. Bourt­zis spricht von ei­nem Um­den­ken: „Das Ziel ist jetzt nicht mehr, so vie­le Mos­ki­tos wie mög­lich um­zu­brin­gen, son­dern die Fort­pflan­zung zu un­ter­bre­chen. So kann die Po­pu­la­ti­on zu­min­dest un­ter dem kri­ti­schen Le­vel ge­hal­ten wer­den.“Ei­ni­ge la­tein­ame­ri­ka­ni­sche Län­der ha­ben be­reits ihr In­ter­es­se be­kun­det und die IAEO um Hil­fe ge­be­ten. Der­zeit lau­fen – un­ter an­de­rem – Ge­sprä­che mit Bra­si­li­en. Das Know-how der Spe­zia­lis­ten in Nie­der­ös­ter­reich wird an in­ter­es­sier­te Mit­glieds­staa­ten wei­ter­ge­ge­ben, für die Fi­nan­zie­rung und In­stand­set­zung der La­bo­re sind die Län­der selbst zu­stän­dig.

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