DIE ZER­RÜT­TE­TE EHE

KURIER_Kaiser_Franz_Josef - - Inhalt -

Er sitzt am Schreib­tisch, sie ist auf Rei­sen

Zwei un­ter­schied­li­che­re Men­schen als Si­si und Franz Jo­seph hät­te es kaum ge­ben kön­nen. Er ging sei­ner Ar­beit pe­dan­tisch nach, sie ver­ab­scheu­te die Mon­ar­chie als Staats­form. Ih­re vie­len Rei­sen führ­ten da­zu, dass der Kai­ser et­li­che Frau­en­af­fä­ren hat­te.

DIE PFLICH­TEN EI­NER KAI­SE­RIN.

Was so ro­man­tisch, ge­ra­de­zu kit­schig ro­man­tisch, be­gon­nen hat­te, nahm ei­nen zu­neh­mend un­schö­nen Ver­lauf: die Ehe Kai­ser Franz Jo­sephs mit Eli­sa­beth. Si­si, wie die baye­ri­sche Prin­zes­sin von ih­rer Fa­mi­lie ge­ru­fen wur­de, war als hal­bes Kind an den Wie­ner Hof ge­kom­men und hat­te man­gels Rei­fe und Le­bens­er­fah­rung nicht ab­schät­zen kön­nen, was auf sie zu­kam, wie ihr Le­ben als Frau ei­nes mäch­ti­gen Kai­sers samt Ze­re­mo­ni­ell und re­prä­sen­ta­ti­ven Auf­ga­ben ver­lau­fen wür­de. In frei­geis­ti­ger Um­ge­bung ih­rer El­tern und Ge­schwis­ter in Mün­chen und auf Schloss Pos­sen­ho­fen auf­ge­wach­sen, emp­fand sie das stren­ge Pro­to­koll ih­res neu­en Le­bens als un­er­träg­lich. Sie hat schnell er­kannt, dass sie un­fä­hig war, ein sol­ches Le­ben zu füh­ren.

KRANK­HEIT UND EIN­SAM­KEIT.

In ih­ren ers­ten Ehe­jah­ren flüch­te­te sie sich in Krank­heit und Ein­sam­keit. Wäh­rend der Kai­ser sei­nen Pflich­ten pe­dan­tisch ge­nau nach­ging, wei­ger­te sie sich zu­se­hends, als Re­prä­sen­ta­ti­ons­fi­gur her­zu­hal­ten. Be­reits nach fünf Ehe­jah­ren – und der Ge­burt von drei Kin­dern – be­gann ih­re ers­te, zwei­jäh­ri­ge Rei­se­tä­tig­keit, die sie nach Ma­dei­ra, Kor­fu und Ve­ne­dig führ­te. Zwei un­ter­schied­li­che­re Men­schen hät­te es kaum ge­ben kön­nen. Er hielt die jahr­hun­der­te­al­te Tra­di­tio­nen sei­ner Dy­nas­tie auf­recht, sie hin­ge­gen dach­te li­be­ral, ver­ach­te­te die Staats­form der Mon­ar­chie und hät­te sich viel lie­ber in ei­ner Re­pu­blik ge­se­hen (wo­bei ihr al­ler­dings die im­men­sen Rei­se-, Bau- und Re­prä­sen­ta­ti­ons­kos­ten, die ihr nur die

Mon­ar­chie er­mög­li­chen konn­te, schon recht wa­ren). Nach­dem sie beim Kai­ser ihr ers­tes Ul­ti­ma­tum, die Er­zie­hung des Kron­prin­zen Ru­dolf be­tref­fend, durch­ge­setzt hat­te, be­gann sie sich in den 1860er-Jah­ren für Po­li­tik zu in­ter­es­sie­ren: Eli­sa­beth zeig­te ganz of­fen ih­re Zu­nei­gung zu Un­garn, vor al­lem aber zu dem ehe­ma­li­gen Re­vo­lu­tio­när Gyu­la Graf An­drás­sy – heu­te wür­de man von ei­nem Flirt spre­chen, mehr dürf­te es auch nicht ge­we­sen sein. Ein­mal mehr „er­press­te“Si­si jetzt ih­ren Mann, in­dem sie von ihm mit dem un­ga­ri­schen Aus­gleich ei­ne Vor­zugs­stel­lung Un­garns ver­lang­te und da­nach die Krö­nung des kai­ser­li­chen Ehe­paa­res in Bu­da­pest.

KEIN AUS­WEG.

Kai­ser Franz Jo­seph wuss­te ein­mal mehr kei­nen an­de­ren Aus­weg, als sei­ner Frau nach­zu­ge­ben – und han­del­te sich mit die­sem Schritt gro­ße po­li­ti­sche Pro­ble­me ein, da sich die an­de­ren Na­tio­na­li­tä­ten, ins­be­son­de­re die Böh­men, nun stark be­nach­tei­ligt fühl­ten. Graf An­drás­sy wur­de noch Au­ßen­mi­nis­ter und un­ga­ri­scher Mi­nis­ter­prä­si­dent. Eli­sa­beth und ihr Mann leb­ten sich in­des im­mer mehr aus­ein­an­der. Sie war fast nur noch auf „Zwi­schen­sta­ti­on“in Wi­en, um ih­ren Mann wie­der so schnell wie mög­lich zu ver­las­sen. Der hat­te kein Ver­ständ­nis für die ver­göt­ter­te Frau. Er ver­stand ih­re Rei­sen eben­so we­nig wie ih­re Ab­ma­ge­rungs­ku­ren, ih­re über­trie­be­ne sport­li­che Be­tä­ti­gung und die Hin­ga­be für Grie­chen­land. Den­noch stell­te er ihr ein Ver­mö­gen zur Er­rich­tung des Schlos­ses Achil­lei­on auf Kor­fu zur Ver­fü­gung.

DES KAI­SERS FREUN­DIN­NEN.

Die fast stän­di­ge Ab­we­sen­heit Eli­sa­beths, die of­fen­sicht­lich kein In­ter­es­se an Se­xua­li­tät zeig­te, führ­te da­zu, dass der Kai­ser wech­seln­de Be­zie­hun­gen hat­te. Ne­ben An­na Nahow­ski und Kat­ha­ri­na Schratt sind die Na­men der Hof­da­me Eli­sa­beth Grä­fin Ugar­te, der Bal­lett­tän­ze­rin­nen Kat­ha­ri­na Abel und Mar­git Li­benyi so­wie der Weiß­nä­he­rin Ro­sa Mos­ko­witz über­lie­fert. Franz Jo­seph hat­te si­cher noch mehr Roman­zen mit Frau­en, de­ren Na­men je­doch nicht be­kannt sind. Die Af­fä­ren mit Eli­sa­beth Ugar­te und Ro­sa Mos­ko­witz da­tie­ren al­ler­dings noch vor der Ehe mit Si­si.

Egal, ob in der Hof­burg, in Schön­brunn oder – wie hier – in Bad Ischl: der Kai­ser fühl­te sich im­mer ein­sa­mer, da sei­ne Frau stän­dig auf Rei­sen war. Der sehn­suchts­vol­le Blick durchs Fern­rohr half nichts, Eli­sa­beth blieb oft mo­na­te­lang in...

„Achil­lei­on“,Kai­se­rin mit Eli­sa­be­thDog­ge ih­rem im Pa­last auf Kor­fu, für den Franz Jo­seph ein Ver­mö­gen aus­ge­ge­ben hat­te. Wur­de es ihr auch hier lang­wei­lig, be­gab sie sich auf neue, aus­ge­dehn­te Ent­de­ckungs­rei­sen. Haupt­sa­che sie war mög­lichst ■...

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.