GE­LIEB­TER LAND­SITZ IN UN­GARN

1867 schenk­te Graf Gyu­la An­drás­sy Kai­se­rin Eli­sa­beth das Ba­rock­schloss Gö­d­öl­lö im Na­men des un­ga­ri­schen Vol­kes. Sie dank­te es mit häu­fi­ger An­we­sen­heit, ent­ge­gen al­len Ge­rüch­ten sehr oft ge­mein­sam mit Franz Jo­seph I.

KURIER_Kaiser_Franz_Josef - - Inhalt -

Gö­d­öl­lö wird Si­sis Lieb­lings­schloss

SOM­MER­RE­SI­DENZ. Seit Ma­ria The­re­si­as Zeit ist der klei­ne Ort Gö­d­öl­lö, we­ni­ge Ki­lo­me­ter au­ßer­halb von Bu­da­pest, un­trenn­bar mit den Habs­bur­gern ver­bun­den. Hier er­rich­te­te ab 1741 Graf An­tal I. Gras­sal­ko­vich, der un­ga­ri­sche Kam­mer­herr der Kai­se­rin, Un­garns größ­tes Ba­rock­schloss. Nach dem Nie­der­gang der Gras­sal­ko­vichDy­nas­tie er­warb der Staat das Schloss. Kai­se­rin Eli­sa­beth hat­te schon län­ger ein Au­ge auf das in­mit­ten ei­nes aus­ge­dehn­ten Jagd­re­viers ge­le­ge­ne Schloss ge­wor­fen. Doch Franz Jo­seph, da­mals noch nicht Herr über das mil­lio­nen­schwe­re Fa­mi­li­en­ver­mö­gen der Habs­bur­ger, lehn­te den Kauf aus fi­nan­zi­el­len Grün­den ab. Aus An­lass der Krö­nungs­fei­er­lich­kei­ten von Eli­sa­beth und Franz Jo­seph zur Kö­ni­gin und zum Kö­nig von Un­garn schenk­te Graf Gyu­la An­drás­sy dem Herr­scher­paar Gö­d­öl­lö im Na­men der Un­garn als Land­sitz. Es war auch ei­ne Ges­te der Dank­bar­keit ge­gen­über Eli­sa­beth, die sich in den lang­wie­ri­gen Ver­hand­lun­gen im­mer wie­der für die Un­garn ein­ge­setzt hat­te. Die un­ge­zwun­ge­ne und fa­mi­liä­re At­mo­sphä­re Gö­d­öl­lös zog Eli­sa­beth Zeit ih­res Le­bens dem stei­fen Wie­ner Hof vor und ver­brach­te viel Zeit in Un­garn. Das blieb in Wi­en nicht un­be­merkt, und das Wie­ner Tag­blatt kri­ti­sier­te sie des­we­gen in ei­nem Ar­ti­kel un­ge­wohnt scharf: „Man be­kä­me den Ein­druck, dass je­de Un­ter­bre­chung des Re­si­die­rens in der Haupt­stadt Un­garns, dass je­der zeit­wei­li­ge Auf­ent­halt in Wi­en von der kai­ser­li­chen Fa­mi­lie wie ei­ne Art Ver­ban­nung emp­fun­den wur­de.“Kai­ser und Kai­se­rin zeig­ten sich da­von un­be­ein­druckt und ver­brach­ten auch ge­mein­sam viel Zeit in Gö­d­öl­lö. Dem be­geis­ter­ten Waid­mann Franz Jo­seph hat­te es das Jagd­re­vier an­ge­tan. Eli­sa­beth ging hier ih­rem liebs­ten Hob­by nach, dem Reit­sport. Be­son­ders ih­re wag­hal­si­gen Par­force­jag­den ver­setz­ten den Kai­ser in Angst um ihr Wohl­be­fin­den, wie er in zahl­rei­chen Brie­fen an Si­si ver­merk­te.

Auch in Gö­d­öl­lö scheu­te Kai­ser Franz Jo­seph nicht da­vor zu­rück, mit „ein­fa­chen Men­schen“ zu spre­chen

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