VON GOT­TES GNA­DEN

KURIER_Kaiser_Franz_Josef - - Inhalt -

Franz Jo­seph und die Re­li­gi­on

Der streng ka­tho­lisch er­zo­ge­ne Kai­ser Franz Jo­seph war ein tief gläu­bi­ger Mann, der aber auch die Eman­zi­pa­ti­on an­de­rer Re­li­gio­nen zu­ließ und för­der­te. So sa­hen ihn Ös­ter­reich-Un­garns Ju­den nach Jahr­hun­der­ten der Ver­fol­gung als ih­ren Schutz­herrn, und auch der Is­lam wur­de ge­gen En­de der fran­zis­ko-jo­se­phi­ni­schen Re­gent­schaft vom Staat als Re­li­gi­ons­ge­sell­schaft an­er­kannt.

SEHR RE­LI­GI­ÖS.

Schon die Tat­sa­che, dass Franz Jo­seph sich im 20. Jahr­hun­dert noch als „Kai­ser von Got­tes Gna­den“emp­fand, zeigt den ho­hen Stel­len­wert der Re­li­gi­on in sei­nem Le­ben. Er war ein tief gläu­bi­ger Mann, der mehr­mals am Tag im Ge­bet ver­sank und ger­ne Ges­ten zeig­te, die ihn als streng ka­tho­li­schen und gü­ti­gen Mon­ar­chen er­schei­nen lie­ßen. Ei­ner der Hö­he­punk­te war die all­jähr­li­che Ein­la­dung an zwölf ar­me Män­ner zur „Fuß­wa­schung“in die Hof­burg: Sie muss­ten min­des­tens 75 Jah­re alt sein, wur­den vom Wun­d­arzt un­ter­sucht und neu ein­ge­klei­det. Am Grün­don­ners­tag lud man in die Al­ler­höchs­ten Ge­mä­cher zum Schau-Es­sen. DerKai­se­rund­dieErz­her­zo­ge­ser­vier­ten selbst den Ar­men „16 Spei­sen in Form von vier Gän­gen“. Dann­ka­mes­zu­rFuß­wa­schung.Tra­ban­ten und Gar­dis­ten hal­fen den Ar­men beim Aus­zie­hen von Schu­hen und Strümp­fen, zwei Edel­kna­ben leg­ten ein Lein­tuch über die Knie der Män­ner. Ver­tre­ter der Hocha­ris­to­kra­tie wa­ren als Zu­schau­er an­we­send. Franz Jo­seph knie­te sich vor die al­ten Män­ner hin, ein Pries­ter goss Was­ser über de­ren Fü­ße, die der Kai­ser wusch und trock­ne­te. Da­nach wur­de je­dem Ar­men ein Le­der­beu­tel mit Sil­ber­mün­zen über­reicht.

DIE JU­DEN.

Kai­ser Franz Jo­seph war auch ehr­lich um gu­te Be­zie­hun­gen zu An­ders­gläu­bi­gen be­müht. Zwar hat­te be­reits Kai­ser Jo­seph II. mit dem To­le­ranz­pa­tent de­ren Si­tua­ti­on im tief­ka­tho­li­schen Ös­ter­reich ver­bes­sert, doch Franz Jo­seph war es, der ei­ne wei­te­re Stär­kung der pro­tes­tan­ti­schen, der jü­di­schen­und­der­mos­le­mi­schenBe­völ­ke­rung er­mög­lich­te. Schon am Be­ginn sei­ner Re­gie­rungs­zeit för­der­te Franz Jo­seph die Grün­dung der Is­rae­li­ti­schen Kul­tus­ge­mein­de und 1890 er­folg­te die staat­li­che An­er­ken­nung des jü­di­schen Glau­bens. Ös­ter­reich-Un­garns Ju­den sa­hen in Franz Jo­seph nach Jahr­hun­der­ten der Ver­fol­gung ih­ren Schutz­herrn und er­öff­ne­ten ihm zu Eh­ren in der Wie­ner Leo­pold­stadt den Kai­ser­Franz-Jo­seph-Hul­di­gungs-Tem­pel.

DER IS­LAM.

1912 wur­de in Ös­ter­reich der Is­lam an­er­kannt, wo­bei die In­te­gra­ti­on in der k. k. Ar­mee be­son­ders wich­tig war, da vie­le Sol­da­ten Mos­lems wa­ren. Auf re­li­giö­se Ge­füh­le Rück­sicht neh­mend, gab es ne­ben christ­li­chen Feld­ku­ra­ten auch Rab­bi­ner und ei­nen Feld­i­mam für Mos­lems. Wei­ters un­ter­hielt man ei­ge­ne Kü­chen, in de­nen nach den Vor­schrif­ten jü­di­scher und is­la­mi­scher Sol­da­ten ge­kocht wur­de. Das Zu­sam­men­ge­hö­rig­keits­ge­fühl in der Trup­pe brö­ckel­te aus­ge­rech­net dann, als es am wich­tigs­ten ge­we­sen wä­re. Im Ers­ten Welt­krieg kam es zwi­schen den Na­tio­na­li­tä­ten und da­mit auch zwi­schen den Re­li­gio­nen zu Aus­ein­an­der­set­zun­gen, die der Ar­mee zu schaf­fen mach­ten.

Re­li­giö­se Ges­te: Franz Jo­seph I. bei der Fuß­wa­schung (oben). Die Ju­den sa­hen den Kai­ser als Schutz­herrn und bau­ten ihm zu Eh­ren den „Kai­serFranz-Jo­se­phHul­di­gungs-Tem­pel“(oben rechts)

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