Die ge­lieb­te „Füchsin“

KURIER_MARIA THERESIA - - Die Ersten Jahre -

Sie war als Er­zie­he­rin die wich­tigs­te An­sprech­per­son der Kai­se­rin. Ih­re Un­ter­stüt­zung im Kampf um die Lie­be ih­res Le­bens, den Her­zog Franz Ste­phan von Loth­rin­gen, ver­gisst sie ihr nie. Grä­fin Char­lot­te Ka­ro­li­na Fuchs, von Ma­ria The­re­sia lie­be­voll „Füchsin“ge­nannt, ist ihr ei­ne le­bens­lan­ge gu­te Freun­din. VON CHRIS­TI­AN NEU­HOLD

VER­TRAU­TE. Ma­ria The­re­sia ist je­nen Per­so­nen, die sie ein­mal ins Herz ge­schlos­sen hat, ein Le­ben lang treu. Bes­tes Bei­spiel für die­se un­er­schüt­ter­li­che Zu­nei­gung ist Grä­fin Char­lot­te Ka­ro­li­na Fuchs, die 1728 als „Aja“die Er­zie­hung der jun­gen Erz­her­zo­gin über­nimmt und bis zu ih­rem Tod 1754 ei­ne en­ge Ver­trau­te der Kai­se­rin bleibt. Die Aja ist es auch, die Ma­ria The­re­sia von An­fang an in­ten­siv dar­in un­ter­stützt, den von ihr ab dem ers­ten Tref­fen als „ihr vom Herr­gott ge­sand­ten Ge­mahl“Franz Ste­phan von Loth­rin­ge­nauch­wirk­lich­zu­be­kom­men, in­den sich die jun­ge Erz­her­zo­gin un­sterb­lich ver­liebt­hat. Da­sis­tumso­er­staun­li­cher, als die Wün­sche der Be­trof­fe­nen in der gro­ßenHei­rats­po­li­tik­des18. Jahr­hun­derts kei­nen Platz ha­ben. Ge­hei­ra­tet wird, wer den ak­tu­el­len Plä­nen des je­wei­li­genHau­se­sam­bes­ten­dient. Die „Füchsin“spielt da den Pos­til­lon d’Amour zwi­schen Ma­ria The­re­sia und ih­rem Ge­lieb­ten, der 1732 von Kai­ser Karl VI. zum Statt­hal­ter von Un­garn er­nannt wird und dar­auf­hin in Press­bur­gab­seits­de­s­Wie­nerHo­fes­re­si­diert. Mit Er­folg, denn am 12. Fe­bru­ar 1736 hei­ra­tet Ma­ria The­re­sia in der präch­tig ge­schmück­ten Au­gus­ti­ner­kir­che ih­ren Franz Ste­phan. Die Schlep­pe ih­res sil­ber­nen Hoch­zeits­klei­des trägt die Aja. GUTMÜTIG. Viel wich­ti­ger als ih­re Funk­tio­nal­sSchlep­pen­trä­geri­nista­ber dieRol­le­der­gut­mü­ti­genGrä­fin­bei­der Er­zie­hung der Erz­her­zo­gin. Da hat sie, wie ein zeit­ge­nös­si­scher Be­ob­ach­ter wohl­wol­lend ver­merkt, „die au­ßer­ge­wöhn­li­chen An­la­gen der Prin­zes­sin, wie es gera­de not­wen­dig war, er­kannt und ge­för­dert.“Das Ver­trau­en der spä­te­ren Kai­se­rin ist al­ler­dings hart ver­dient, denn, so ein Zeit­ge­nos­se, sie ha­be „al­le er­mü­den­den Ein­fäl­le ih­rer jun­gen Herr­schaf­ten mit­ge­macht, an­bei ih­ren an­ge­neh­men und mun­te­ren Geist bis an ihr En­de er­hal­ten.“Ma­ria The­re­sia nennt sie bur­schi­kos „Füchsin“und­lie­be­voll„Ma­mi“. Sie­lässt der­heiß­ge­lieb­tenAjainRo­daun­ein­klei­nes Schloss er­rich­ten. Im spä­ter „Fuchs­schlössl“ge­nann­ten Ge­bäu­de wird ein­mal Hu­go von Hof­manns­thal woh­nen. Die„Füchsin“ist­mit­de­mReichs­gra­fen Ernst­vonFuchs­zu­Birn­ba­chun­dDorn­heim ver­hei­ra­tet und hat zwei Töch­ter. Ei­ne von ih­nen hei­ra­tet den spä­te­ren Feld­mar­schall Leo­pold Jo­seph von Daun, ei­nen­an­de­re­nengenVer­trau­ten Ma­ria The­re­si­as. LETZ­TE RU­HE IN KA­PU­ZI­NER­GRUFT. 1736wird­dieGrä­fin­zu­Ma­ri­aThe­re­si­as Oberst­hof­meis­te­rin. Als die „Füchsin“1754stirbt, häl­tih­r­dieKai­se­rin­über­den Tod hin­aus die Treue. Als ein­zi­ges Nicht-Fa­mi­li­en­mit­glied wird sie in der Ka­pu­zi­ner­gruft bei­ge­setzt. Ihr Sarg steht in der Nä­he des präch­ti­gen Sar­ko­phags von Ma­ria The­re­sia und Franz Ste­phan, den zu be­kom­men „Ma­mi“so tat­kräf­tig mit­ge­hol­fen hat.

Grä­fin Char­lot­te Ka­ro­li­ne Fuchs ist Er­zie­he­rin und le­bens­lan­ge Ver­trau­te der Kai­se­rin

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