Eli­te­schu­le für Staatsdiener

KURIER_MARIA THERESIA - - Plötzlich Kaiserin - VON ANDRE­AS KU­BA

Die Som­mer­re­si­denz Kai­ser Karls VI, die „Fa­vo­ri­ta“, wan­del­te Ma­ria The­re­sia 1746 in ei­ne Aus­bil­dungs­stät­te für füh­ren­de Be­am­te und Di­plo­ma­ten um. Noch heu­te gilt das „The­re­sia­num“als ei­ne der bes­ten Schu­len Ös­ter­reichs

SEMINARIUM NOBILIUM. Als Ma­ria The­re­si­as Va­ter Karl VI. im Ok­to­ber 1740 das Zeit­li­che seg­net, ist dies auch da­sEn­des­ei­ner­ge­lieb­ten„Fa­vo­ri­ta“als kai­ser­li­che Re­si­denz. Das im­po­san­te Schloss „auf der Wie­den“, das wäh­rend derTür­ken­be­la­ge­run­g1683zu­Ver­tei­di­gungs­zwe­cken nie­der­ge­brannt und da­nach noch glanz­vol­ler wie­der­auf­ge­baut wor­den war, und in dem un­ter den Kai­sern Leo­pold I., Jo­seph I. und Karl VI. im­mer wie­der Ge­schich­te ge­schrie­ben wur­de, ist plötz­lich ver­waist. Ma­ria The­re­sia kehrt der Som­mer-Re­si­denz den Rü­cken, sie be­vor­zugt Schön­brunn. Da­schlägt­der­da­ma­li­geLand­mar­schall von Nie­der­ös­ter­reich, Graf Her­ber­stein, der Re­gen­tin vor, die „Fa­vo­ri­ta“denJe­sui­ten­zu­über­las­sen, um­ei­neRit­ter­aka­de­mie­ein­zu­rich­ten. Der­ju­gend­li­che Adel soll dar­in zu füh­ren­den Be­am­ten, Of­fi­zie­ren­un­dDi­plo­ma­ten­her­an­ge­zo­gen­wer­den.„Ei­ner­seits­soll­te­so die fach­li­che Aus­bil­dung für die Tä­tig­kei­ten im Ver­wal­tungs- und im Mi­li­tär­be­reich ge­si­chert wer­den“, sagt der His­to­ri­kerMicha­elBert­hold,„an­de­rer­seits soll­ten aber auch die klas­si­schen ade­li­gen Exer­zi­ti­en wie Tan­zen, Fech­ten, Rei­ten­un­dKon­ver­sa­ti­on­ge­för­dert wer­den, Fer­tig­kei­ten, die für ei­ne Hof­kar­rie­re un­ab­ding­bar wa­ren.“ SCHULEFÜRDENADEL. Am24. Fe­bru­ar 1746 wird die „Fa­vo­ri­ta“den Je­sui­ten um30.000Gul­den­über­tra­gen, das„seminarium nobilium“nimmt den Be­trieb auf. Die Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen dem Hof und den Je­sui­ten ver­läuft aber von An­fang an un­glück­lich. Die Geist­li­chen wer­den ver­pflich­tet, welt­li­che Leh­rer ein­zu­stel­len, im Un­ter­richt­di­edeut­scheSpra­che­ein­zu­füh­ren, in Ma­the­ma­tik auch „Mi­li­tär- und Zi­vil­bau­kunst“zu leh­ren und in Ge­schich­te den Schwer­punkt auf die Habs­bur­ger zu le­gen. Zu­dem ver­ur­sa­chen die „ade­li­chen Exer­ci­ci­en“wie Tan­zen, Fech­ten und Rei­ten so ho­he Kos­ten, dass sich die Je­sui­ten trotz groß­zü­gi­gerUn­ter­stüt­zungdurch­Ma­ria The­re­sia die Rit­ter­aka­de­mie nicht mehr leis­ten kön­nen. So wan­delt die Mon­ar­chin En­de 1749 die An­stalt als Stif­te­rin zum kai­ser­li­chen „col­le­gi­um The­re­sia­num“um, das rasch nur noch The­re­sia­num ge­nannt wird. Die Er­zie­hung liegt wei­ter­hin in den Hän­den der Je­sui­ten, wenn­gleich es Kla­gen gibt, „man tra­ge mehr Sor­ge, die Schü­ler für die Kir­che als für den

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