Die fä­hi­gen Män­ner der Kai­se­rin

KURIER_MARIA THERESIA - - Die Reformerin - VON CHRIS­TI­AN NEU­HOLD

Die größ­te Leis­tung Ma­ria The­re­si­as als Re­gen­tin ist die Wahl ih­rer Be­ra­ter. Von Jo­seph von Son­nen­feld bis Fried­rich Wil­helm von Haug­witz, von Ger­ard van Swie­ten bis Leo­pold Graf Daun sind es höchst kom­pe­ten­te Per­sön­lich­kei­ten, die den Staat grund­le­gend re­for­mie­ren.

RE­VO­LU­TI­ON VON OBEN. Die füh­ren­denA­dels­häu­serÖs­ter­reichs­ha­ben­sich ganz or­dent­lich ge­wehrt, als ih­nen Fried­rich Wil­helm von Haug­witz am 29 Ja­nu­ar 1748 sei­ne Re­form­plä­ne bei ei­ner gro­ßen Stän­de­kon­fe­renz in der Wie­ner Hof­burg im Bei­sein der Kai­se­rin prä­sen­tier­te. Der et­was schrul­li­ge, aber bril­li­an­te Re­for­mer will die Macht des Adels bei der Ein­trei­bung der für den Aus­bau des Mi­li­tärs und der Mo­der­ni­sie­rung des Staa­tes drin­gend be­nö­tig­tenS­teu­ern­zen­tra­li­sie­ren­und­da­mit die Macht der re­gio­na­len Fürs­ten, die sich an den Steu­ern durch­aus auch per­sön­lich­be­rei­chern, ein­gren­zen. Sein Geg­ner Graf Fried­rich Au­gust Har­rach, der obers­te böh­mi­sche Kanz­ler, lockt die Kai­se­rin mit dem Ver­spre­chen, dass­dieLän­de­r­un­dS­tän­de­schon dar­auf ach­ten wer­den, das ge­nü­gend Geld für Heer und Staats­re­form vor­han­den sein wer­den. ABRECH­NUNG MIT DEN STÄN­DEN. Al­le Stan­des­ver­tre­ter­sind­fürHar­rachsVor­schlag, doch Ma­ria The­re­sia stellt sich hin­ter ih­ren obers­ten Re­for­mer. Ein Mann, „der so vie­le Ver­nunft und Wahr­re­den­heit wie Graf von Har­rach hat­te, konn­te wohl an­de­re wan­kend ma­chen, mich aber nicht“, no­tiert sie spä­ter. Sie be­vor­zugt Haug­witz’ Zen­tral­staat und trifft da­mit ei­ne für das künf­ti­ge Schick­sal des Habs­bur­ger­rei­ches zen­tra­le Grund­satz­ent­schei­dung ge­gen die Stän­de und für den Staat. Von Har­rach und den Mi­nis­tern, die ihn un­ter­stützt ha­ben, ist sie tief ent­täusch­t­un­dent­fernt­die­seZu­gumZug aus­ih­renÄm­tern:„Es­ma­g­a­ber­ge­sche­hen, was­im­mer­will, ich­blei­beb­ei­mei­ner Re­so­lu­ti­on; wer nicht ge­hor­chen kann, der las­se es blei­ben – al­lein hier un­d­vor­mei­nenAu­gen­soll­kein­sol­cher mehr er­schei­nen.“ Er­schei­nen dür­fen in den kom­men­den Jah­ren vor al­lem fort­schritt­lich den­ken­de, derAuf­klä­run­g­und­denNa­tur­wis­sen­schaf­ten zu­ge­wand­te Per­sön­lich­kei­ten, von de­nen vie­le ak­ti­ve Frei­mau­rer sind. Was wohl auch da­mit zu tun hat, dass Franz Ste­phan, der Ehe­mann von Ma­ria The­re­sia, selbst Frei­mau­rer ist. DER „REFORMIERENDE“HOL­LÄN­DER. Der nie­der­län­di­sche Arzt Ger­ard van Swie­te­nis­tei­ner­vo­nih­nen. 1744wur­de er­zu­rBe­hand­lung­vonMa­ri­aThe­re­si­as Schwes­ter Ma­ria An­na, die nach ei­ner Tot­ge­burt mit dem Tod ringt, nach Brüs­sel ge­ru­fen. Er kommt zu spät, die ge­lieb­teSchwes­ter­ver­stirbt­we­ni­geTa­ges­pä­ter. De­mArzt­macht­dieKai­se­rin kei­nen Vor­wurf. Im Ge­gen­teil, sie holt ihn als per­sön­li­chen Leib­arzt für sich und ih­re Fa­mi­lie nach Wi­en. Hier wird er sich ne­ben der Me­di­zin – der ak­ti­ve Frei­mau­rer gilt als Grün­der der ers­ten „Wie­nerSchu­le“- vor­al­le­m­um­dieRe­form des Bil­dungs­we­sens küm­mern, dass er der bis da­hin im Un­ter­richts­we­sen do­mi­nie­ren­den ka­tho­li­schen Kir­che ent­reißt und dem Staat un­ter­stellt. INTRIGANTER HYPOCHONDER. Mit Wen­zel An­ton von Kau­nitz-Riet­berg macht Ma­ria The­re­sia 1751 ei­nen be­ken­nen­den Auf­klä­rer, eit­len Hypochonder und be­gna­de­ten In­tri­gan­ten zu ih­rem Staats­kanz­ler. Den Pos­ten wir­dKau­nitz41(!) Jah­re­lang­un­ter­vier (!) Kai­sern in­ne­ha­ben. Jah­re, in de­nen er ei­ner der Haupt­in­itia­to­ren der Staats­re­form ist. Sein Meis­ter­stück ge­lingt Kau­nitz am di­plo­ma­ti­schen Par­kett. Hier­schaff­ter1756ei­nenF­reund­schafts­und Neu­tra­li­täts­pakt mit dem Erz­ri­va­len Frank­reich. Da­mit hält er sei­ner Kai­se­rin den Rü­cken bei ih­ren Be­mü­hun­gen, die im ers­ten Schle­si­en­krieg ver­lo­ren ge­gan­ge­ne Pro­vinz ih­re­mLe­bens­fein­dF­ried­richII. wie­der­zu ent­rei­ßen. Die Zu­sam­men­ar­beit mit dem ewig Rän­ke schmie­den­den Frei­mau­rer Kau­nitz fällt ihr nicht leicht, doch­nimmt­sie­si­chimSin­nederStaats­rä­son bei ihm im­mer zu­rück. Le­gen­där ist das Kom­man­do der Frisch­luft­fa­na­ti­ke­rin, dieim­mer­bei­ge­öff­ne­te­mFens­ter ar­bei­tet, wenn der Frisch­luft als „Gift­hauch“ver­ab­scheu­en­de Hy­po­chon­de­rinSchön­brunn­vor­fährt:„Kau­nitz kommt, Fens­ter zu!“ KRIEGERDERKAISERIN. Ei­ne­glück­li­che Hand zeigt sie auch bei der Be­stel­lung der neu­en Hee­res­lei­tung. Da Gat­te Franz Ste­phan nicht mit dem Feld­her­ren­ta­lent sei­nes Vor­fah­ren Karl von Loth­rin­gen, dem Sie­ger über die Tür­ken vor Wi­en, aus­ge­stat­tet ist, und er sich­früh­vo­nal­len­krie­ge­ri­schenSchau­plät­zen zu­rück­zieht, be­nö­tigt sie ech­te Krie­ger. Die­fin­det­sie­zu­erstinLeo­pold GrafDaun, de­rih­r­vo­nih­rer„Aja“Grä­fin Fuchs emp­foh­len wird, de­ren Toch­ter­mi­tih­m­ver­hei­ra­te­tist. Daun­macht sich en­er­gisch an die Re­form der „schlam­pi­gen Ar­mee“. Er ist der Va­ter derMi­li­tär­aka­de­mie­und­re­for­miert­das Hee­res­we­sen von Grund auf. Sein Sieg über Fried­rich II. bei Ko­lin macht ihn zum Na­tio­nal­hel­den, dem die Kai­se­rin mit der Er­rich­tung der Glo­ri­et­te im Gar­ten von Schön­brunn ein Denk­mal setzt. ImKa­bi­net­tis­ter­derHaupt­geg­ner von Kau­nitz. Der för­dert, ganz Intrigant, ei­nen an­de­ren Kriegs­hel­den: Gi­de­on von Laudon, der mit sei­nen Rei­ter­at­ta­cken Fried­rich II. bei Ku­n­ers­dorf ver­nich­tend schlägt. 1789 siegt sich Laudon in die Ge­schichts­bü­cher, als er, wie vor ih­mP­rin­zEu­gen, al­sOber­be­fehls­ha­ber der­kai­ser­li­chenAr­meeBel­gra­dim­letz­ten Tür­ken­krieg zu­rück­er­obert.

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