Darm­krebs fängt meist gut­ar­tig an

Tu­mo­ren im Dick­darm sind ei­ne der häu­figs­ten Krebs­er­kran­kun­gen bei Män­nern und Frau­en. Ein Groß­teil der Kar­zi­no­me ent­steht aus gut­ar­ti­gen Po­ly­pen.

KURIER_SPECIAL - - DARMKREBS -

Darm­krebs ent­steht nicht aus hei­te­rem Him­mel. Mitt­ler­wei­le wis­sen Ärz­te, dass sich so­ge­nann­te Ade­no­kar­zi­no­me aus an­fangs gut­ar­ti­gen Darm­po­ly­pen ent­wi­ckeln: „Das Darm­ge­we­be ist ein Wech­sel­ge­we­be. Je­den Tag fin­den Mil­li­ar­den Zell­tei­lun­gen statt. Mit zu­neh­men­dem Al­ter steigt da­durch das Ri­si­ko, dass sich Feh­ler ein­schlei­chen und na­tür­li­che Re­pa­ra­tur­me­cha­nis­men ab­ge­nützt wer­den“, er­klärt An­ton Stift, Spe­zia­list für Krebs­er­kran­kun­gen des Bauch­rau­mes am All­ge­mei­nen Kran­ken­haus in Wi­en. Meist dau­ert es Jah­re, bis ei­ne kri­ti­sche Zahl an Gen­ver­än­de­run­gen er­reicht ist und sich bös­ar­ti­ge Ge­schwüls­te bil­den. Ers­te Warn­si­gna­le soll­ten ernst ge­nom­men wer­den, weiß auch Jan S. Der heu­te 27-Jäh­ri­ge er­krank­te im Al­ter von 23 Jah­ren an ei­nem Kar­zi­nom im End­darm.„Ichwar­dau­erndmü­de­und an­triebs­los. Ich bau­te kör­per­lich ab und wuss­te nicht, wes­halb“, er­in­nert er sich. Als Blut im Stuhl und schlei­mi­ge Durch­fäl­le da­zu­ka­men, such­te er ei­nen Spe­zia­lis­ten auf. Nach der Spie­ge­lung des Dar­mes, der so­ge­nann­ten Ko­lo­sko­pie, und der Ent­nah­me von Ge­we­be­pro­ben war schnell klar, dass Che­mo­the­ra­pie und Ope­ra­ti­on fol­gen müs­sen.

Wes­halb auch jun­ge Men­schen wie Jan S. an Darm­krebs er­kran­ken, kön­nen Me­di­zi­ner nicht mit Si­cher­heit sa­gen. Ne­ben dem Ri­si­ko­fak­tor Al­ter spielt laut Wis­sen­schaft­lern die Er­näh­rung ei­ne es­sen­zi­el­le Rol­le. „Der über­mä­ßi­ge Kon­sum von Fleisch löst ei­ne Ve­rän­de­rung in der Darm­keim­welt aus und ist si­cher­lich mit­ver­ant­wort­lich für vie­le Krebs­vor­stu­fen“, sagt Her­bert Tilg, Lei­ter der Uni­ver­si­täts­kli­nik für In­ne­re Me­di­zin in Inns­bruck. Es sei die Mi­schung aus ab­wechs­lungs­rei­cher Er­näh­rung und Sport, die den Darm ge­sund hält. „Wir wis­sen, dass Be­we­gung nicht nur prä­ven­tiv hilft, son­dern auch bei be­reits er­krank­ten Pa­ti­en­ten die Pro­gno­se und Re­ha­bi­li­ta­ti­on ver­bes­sert.“

Et­wa ei­ner von 17 Ös­ter­rei­chern er­hält im Lau­fe sei­nes Le­bens die Dia­gno­se Darm­krebs, we­sent­lich häu­fi­ger sind es Män­ner als Frau­en. Glück­li­cher­wei­se sind die Hei­lungs­chan­cen, wie bei­de Me­di­zi­ner be­stä­ti­gen, sehr gut. „Wir ha­ben in den letz­ten Jah­ren ei­nen ex­plo­die­ren­den An­stieg an Be­hand­lungs­for­men er­fah­ren, mit de­nen es mög­lich ist, die Le­bens­ra­ten von Pa­ti­en­ten selbst im me­ta­st­a­sie­ren­den Sta­di­um er­heb­lich zu stei­gern“, er­klärt Tilg. In der Re­gel wird erst ei­ne Sta­ging-Un­ter­su­chung durch­ge­führt, um fest­zu­stel­len, ob der Tu­mor be­reits Me­ta­sta­sen in der Le­ber und Lun­ge ge­bil­det hat. Ist das nicht der Fall, wird je nach Grö­ße des Tu­mors so­fort ope­riert oder aber ei­ne Che­mo­the­ra­pie vor­aus­ge­schickt. Was man­che Be­trof­fe­ne im An­schluss er­war­tet, ist vie­len un­an­ge­nehm. „Man be­kommt ein vor­über­ge­hen­des Sto­ma, ei­nen künst­li­chen Darm­aus­gang, über den der Stuhl für ei­ni­ge Zeit ab­ge­führt wird“, er­klärt der ehe­ma­li­ge Pa­ti­ent Jan S. Die Schu­lung im Um­gang mit der Sto­ma-An­la­ge er­folgt im Nor­mal­fall durch sach­kun­di­ge Be­ra­te­rin­nen di­rekt nach der Ope­ra­ti­on.

In­for­ma­tio­nen er­hal­ten Be­trof­fe­ne spä­ter au­ßer­dem beim ös­ter­rei­chi­schen Sto­ma Dach­ver­band ILCO oder auch auf der Home­page der Kon­ti­nenz- und Stoma­be­ra­tung KSB. Funk­tio­niert die Ver­dau­ung nor­mal, kann der künst­li­cheDarm­aus­gang­nach­s­echsWo­chen wie­der ent­fernt wer­den. Chir­ur­gi­sche Ein­grif­fe sind in den letz­ten Jah­ren um vie­les prä­zi­ser und da­mit für den Pa­ti­en­ten ver­träg­li­cher ge­wor­den. „Am Kran­ken­haus Barm­her­zi­ge Schwes­tern Wi­en ope­rie­ren wir mit mi­ni­mal-in­va­si­ver Ka­me­ra­tech­nik. In den meis­ten Fäl­len ist die­se so­ge­nann­te Sing­le-In­zi­si­on La­pa­ro­sko­pie mit nur ei­nem Schnitt im Be­reich des Bauch­na­bels mög­lich“, so Alex­an­der Klaus, Ex­per­te für on­ko­lo­gi­sche Chir­ur­gie. Be­fin­det sich der Tu­mor

„Der über­mä­ßi­ge Kon­sum von Fleisch ist si­cher­lich mit­ver­ant­wort­lich für vie­le Krebs­vor­stu­fen.“

am En­de des Dar­mes, ar­bei­ten zwei Teams von Chir­ur­gen gleich­zei­tig auf­ein­an­der zu. „Wir er­war­ten uns da­durch we­ni­ger Ner­ven­schä­di­gun­gen, ein bes­se­res on­ko­lo­gi­sches Ge­samt­er­geb­nis und ei­ne schnel­le­re Hei­lung“, er­klärt Klaus.

Im Be­reich der me­di­ka­men­tö­sen Be­hand­lung hat sich zu­sätz­lich zur Che­mo­the­ra­pie die An­wen­dung von An­ti­kör­per­ne­ta­bliert.Es­gibt­mitt­ler­wei­le ver­schie­de­ne mo­le­ku­lar­bio­lo­gi­sche Mar­ker, die an der Zell­ober­flä­che nach­ge­wie­sen wer­den kön­nen und Auf­schluss dar­über ge­ben, wel­che Stof­fe im Or­ga­nis­mus neu­tra­li­siert wer­den müs­sen. Auf die­se Wei­se ver­su­chen On­ko­lo­gen das Wachs­tum des Tu­mors ein­zu­däm­men oder ihn zum Ver­schwin­den­zu­brin­gen.„Hier­kom­men jähr­lich et­wa fünf bis sechs neue An­ti­kö­per hin­zu, die ei­ne we­sent­li­che Be­deu­tung in der Krebs­the­ra­pie ha­ben“, be­stä­tigt On­ko­lo­ge An­ton Stift. „Wenn ein Mar­ker nach dem

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