So lässt sich das ei­ge­ne Wohl­be­fin­den stei­gern

Kom­ple­men­tär­me­di­zi­ni­sche Be­hand­lun­gen kön­nen die Ne­ben­wir­kun­gen der Che­mo- und Strah­len­the­ra­pi­en lin­dern und das Im­mun­sys­tem stär­ken.

KURIER_SPECIAL - - DARMKREBS -

Die Nach­fra­ge nach ganz­heits­me­di­zi­ni­schen An­sät­zen steigt ge­ra­de bei Krebs­er­krank­ten an: „Et­wa zwei Drit­tel der Be­trof­fe­nen wün­schen sich ne­ben der schul­me­di­zi­nisch-kli­ni­schen The­ra­pie ei­ne kom­ple­men­tär­me­di­zi­ni­sche Zu­satz­be­hand­lung“, weiß Chris­ti­an Plaue, ehe­ma­li­ger Lei­ter des Re­fe­ra­tes für Kom­ple­men­tär­me­di­zin der Wie­ner Ärz­te­kam­mer. „Auf­grund der Schwe­re der Er­kran­kung wer­den Krebs­pa­ti­en­ten häu­fig selbst ak­tiv und ver­su­chen al­les, um wie­der ge­sund zu wer­den.“Dass die Kom­ple­men­tär­me­di­zin al­lein al­ler­dings kei­ne Hei­lung bringt, müs­se je­dem be­wusst sein, so der Me­di­zi­ner. Die Be­zeich­nung „kom­ple­men­tär“drückt be­reits aus, dass die­se The­ra­pie­maß­nah­men zu­sätz­lich zur kli­ni­schen Be­hand­lung er­fol­gen und dar­auf ab­zie­len, Ne­ben­wir­kun­gen der Krebs­the­ra­pie ein­zu­däm­men und das Im­mun­sys­tem des Be­trof­fe­nen zu stär­ken. Wäh­rend es das Ziel der so­ge­nann­ten Schul­me­di­zin ist, den Tu­mor zu ver­trei­ben, kön­nen Zu­satz­be­hand­lun­gen ein Stück Le­bens­qua­li­tät zu­rück­ge­ben und auf das Wohl­be­fin­den von Pa­ti­en­ten und Pa­ti­en­tin­nen Ein­fluss neh­men. „Ganz we­sent­lich sind Vit­ami­ne und Spu­ren­ele­men­te, die als An­ti­oxi­dan­ti­en wir­ken und die Ne­ben­wir­kun­gen der Che­mo- und Strah­len­the­ra­pie mi­ni­mie­ren“, er­klärt Kom­ple­men­tär­me­di­zi­ner Plaue. „Was au­ßer­dem hilft, sind Mi­stel­the­ra­pi­en und ei­weiß­spal­ten­de En­zy­me, wie sie in Ana­nas und Pa­pa­ya ent­hal­ten sind.“Übel­keit, Mü­dig­keit, aber auch Schmer­zen und Ge­fühls­stö­run­gen kön­ne man so be­wie­se­ner­ma­ßen bes­ser in den Griff be­kom­men. „Ei­ne mög­lichst obst- und ge­mü­se­rei­che Er­näh­rung ist von Vor­teil“, so Plaue, „reicht aber oft nicht aus. Des­halb set­zen wir auf Pflan­zen­ex­trak­te und Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel.“ Krank­ma­chen­de in­ne­re und äu­ße­re Ein­flüs­se ru­fen oft ei­ne Art Läh­mung der Mi­to­chon­dri­en in den Zel­len her­vor.

Durch ver­schie­de­neAn­sät­ze­wird­ver­sucht,die­se kör­per­ei­ge­ne Ab­wehr wie­der fit im Kampf ge­gen Krebs­zel­len zu ma­chen. „Ein be­son­de­rer Stel­len­wert kommt si­cher­lich der Mi­stel­the­ra­pie zu“, er­klärt Plaue, „wo­bei das Mi­ste­lex­trakt dem Pa­ti­en­ten un­ter die Haut ge­spritzt wird und an­schlie­ßend das Im­mun­sys­tem an­regt.“Wie Stu­di­en zei­gen, wir­ken ei­ni­ge In­halts­stof­fe der Mis­tel ak­tiv tu­mor­zer­stö­rend und för­dern die En­dor­phin­aus­schüt­tung im Kör­per. Ei­ne An­wen­dung wäh­rend der Che­mo- und Strah­len­the­ra­pie kann nicht nur die Re­ha­bi­li­ta­ti­on be­schleu­ni­gen, son­dern auch schmerz­lin­dernd wir­ken. Ei­nen wei­te­ren Schwer­punkt in der Be­glei­tung von Krebs­pa­ti­en­ten bil­det die so­ge­nann­te or­tho­mo­le­ku­la­re Me­di­zin. Da­bei geht es um die Neu­tra­li­sie­rung von che­misch hoch­re­ak­ti­ven Sau­er­stoff­mo­le­kü­len, so­ge­nann­ten frei­en Ra­di­ka­len, die auch der ge­sun­de Or­ga­nis­mus tag­täg­lich pro­du­ziert, die aber bei Che­mo­the­ra­pie und Be­strah­lung in Über­maß auf­tre­ten und zur Schä­di­gung der ei­ge­nen Ab­wehr füh­ren kön­nen. „Durch die Ver­ab­rei­chung von Se­len wer­den En­zy­me ge­bil­det, die ge­sun­de Zel­len vor frei­en Ra­di­ka­len schüt­zen“, er­klärt Plaue.

Ein an­de­rer Baustein kom­ple­men­tär­me­di­zi­ni­scher Me­tho­den sind fern­öst­li­che The­ra­pi­en wie tra­di­tio­nell chi­ne­si­sche Me­di­zin (TCM) oder ti­be­ti­sche Heil­kunst. In Er­gän­zung zur kli­ni­schen Be­hand­lung wer­den hier et­wa Kräu­ter­tees ver­schrie­ben, die ge­ra­de bei Dick­darm­krebs die Ver­dau­ung för­dern und der Ap­pe­tit­lo­sig­keit ent­ge­gen­wir­ken. „2000 Jah­re lan­ge Er­fah­rung der chi­ne­si­schen Kräu­ter­kun­de ha­ben ge­zeigt, dass Tee­mi­schun­gen tu­mor­hem­men­de Wir­kung ha­ben kön­nen“, be­stä­tigt Plaue. Die TCM ver­sucht durch Aku­punk­tur und Ent­span­nungs­übun­gen wie Me­di­ta­ti­on oder Qi-Gong ein en­er­ge­ti­sches Gleich­ge­wicht wie­der her­zu­stel­len. „Bei der Krebs­er­kran­kung mei­nes Man­nes hat uns die so­ge­nann­te Ma­ly Me­di­ta­ti­on, ei­ne Licht- und Ge­bets­me­di­ta­ti­on, sehr un­ter­stützt“, er­zählt Chris­ti­na Gart, jun­ge Mut­ter und Phar­ma­zeu­tin. „Dass nach ei­ner Krebs­dia­gno­se die ge­sam­te Fa­mi­lie un­ter Schock steht, kön­nen On­ko­lo­gen auf­grund des Zeit­man­gels oft nicht be­rück­sich­ti­gen“, so Gart. Da hel­fe ge­mein­sa­mes Me­di­tie­ren, Ängs­te -neh­men und Halt­ge­ben. Dass Ent­span­nungs­übun­gen ei­ne po­si­ti­ve Wir­kung ha­ben, sind sich auch Me­di­zi­ner ei­nig. „Es kommt vom Ge­hirn aus­ge­hend zu ei­ner ver­min­der­ten sym­pa­thi­schen und er­höh­ten pa­ra­sym­pa­thi­schen Ak­ti­vi­tät, was die Kil­ler­zel­len des Im­mun­sys­tems stärkt und ent­zün­dungs­hem­men­de Ef­fek­te er­zielt“, er­klärt Psy­cho­n­eu­ro­im­muno­lo­ge Chris­ti­an Schu­bert.

Wel­che Zu­satz­the­ra­pi­en zum Ein­satz kom­men, muss in­di­vi­du­ell ent­schie­den wer­den. Wich­tig ist laut dem Ex­per­ten Chris­ti­an Plaue le­dig­lich, dass Pa­ti­en­ten sol­che Maß­nah­men mit den be­han­deln­den On­ko­lo­gen ab­spre­chen und sich nur an se­riö­se Kom­ple­men­tär­me­di­zi­ner wen­den: „Ei­ne Mög­lich­keit ist, bei der Ös­ter­rei­chi­schen Krebs­hil­fe an­zu­fra­gen. Oder aber ei­nen Fach­arzt zu kon­tak­tie­ren, der ein Di­plom der Ös­ter­rei­chi­schen Ärz­te­kam­mer in Be­glei­ten­den Krebs­the­ra­pi­en be­sitzt.“

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