Er­folg­reich, aber völ­lig aus­ge­brannt

Ali Mahlod­ji ist be­kannt für sei­ne Ener­gie und die po­si­ti­ve Ein­stel­lung – doch das war nicht im­mer so. Im Al­ter von 27 Jah­ren er­litt der Un­ter­neh­mer ein Burn-out.

KURIER_SPECIAL - - BURN-OUT -

nos­ti­ziert. Im Glau­ben, wei­ter wie bis­her funk­tio­nie­ren zu müs­sen, ließ er sich Ri­ta­lin ver­schrei­ben. „Das hat mich­z­wa­rent­spannt,aber­gleich­zei­tig kom­plett ver­än­dert. Ich spür­te mei­nen Kör­per nicht mehr“, er­zählt Mahlod­ji. Er setz­te das Me­di­ka­ment al­so wie­der ab. „Ich konn­te mei­nen Job nicht mehr aus­üben, die Freun­din hat­te mich ver­las­sen, mein Va­ter war nicht mehr da. Ich wuss­te nicht, wie mir ge­schieht“, schil­dert er sei­ne Gedanken in die­ser dunk­len Zeit.

Sein Psy­cho­the­ra­peut bracht ihn aus der Dun­kel­heit wie­der ans Licht. Als ihn die­ser frag­te, was er im Le­ben er­rei­chen wol­le, wuss­te Mahlod­ji zu­erst kei­ne Ant­wort. Es dau­er­te ei­ni­ge Ta­ge, bis er die Zie­le schließ­lich auf ei­nem Zet­tel auf­schrieb. „Ich ha­be den Zet­tel heu­te noch ein­ge­rahmt zu Hau­se hän­gen“, sagt Mahlod­ji und lacht. Von da an ging es berg­auf: Er kün­dig­te sei­nen Job und star­te­te in ei­nem Krea­ti­v­un­ter­neh­men. Dort ver­dien­te er zwar we­ni­ger und ar­bei­te­te gleich­zei­tig viel und war trotz­dem glück­li­cher als im al­ten Job. „Burn-out be­kommt man nicht nur we­gen der vie­len St­un­den. Son­dern, weil das Bild von au­ßen und das ei­ge­ne nicht mehr zu­sam­men­pas­sen, aber man den­noch ver­sucht,den An­for­de­run­gen ge­recht zu wer­den“, er­zählt er von sei­ner Er­kennt­nis.

Im Jahr 2012 grün­det er mit drei Freun­den die er­folg­rei­che Job­fin­der­platt­form Wat­cha­do, auf der Men­schen, vom Bus­fah­rer bis zum Bun­des­prä­si­den­ten, er­zäh­len, wie sie zu ih­rem Job ge­kom­men sind. Nach den ers­ten zwei Jah­ren in der har­ten Start-up-Bran­che stand Ali Mahlod­ji wie­der knapp vor dem Aus­bren­nen. Die­ses Mal be­merk­te er die ers­ten An­zei­chen recht­zei­tig und fand ein ge­eig­ne­tes Ge­gen­mit­tel: die Schwei­ge­me­di­ta­ti­on. Mahlod­ji leg­te sei­nen Pos­ten als Ge­schäfts­füh­rer bei Wat­cha­do zu­rück und ver­brach­te ei­ni­ge Wo­chen im Me­di­ta­ti­ons­zen­trum Sankt Micha­el in Kärn­ten.

Dort er­lern­te er die Tech­nik der Acht­sam­keits­me­di­ta­ti­on, die er­wie­se­ner­ma­ßen zur Stress­re­duk­ti­on und zu ei­nem bes­se­ren Wohl­be­fin­den bei­trägt. Heu­te ar­bei­tet Mahlod­ji wahr­schein­lich mehr als je zu­vor: Er hält Vor­trä­ge, istim­mer­noch­beiWat­cha­do­tä­tig,so­gar ein Buch hat er ge­schrie­ben. Das wich­tigs­te sei Ener­gie, sagt er: „Da­mit mei­ne ich, die Kraft ha­ben, acht­sam zu blei­ben. Wir wer­den reiz­über­flu­tet, hän­gen mit un­se­ren Gedanken in der Zu­kunft oder in der Ver­gan­gen­heit und ver­ges­sen dar­auf, im Hier und Jetzt zu le­ben.“Mahlod­ji rät da­her je­dem Men­schen, sich ein Mal am Tag Zeit für sich selbst zu neh­men: „Das kön­nen fünf Mi­nu­ten auf der Toi­let­te sein, ganz egal. In die­ser Zeit legt man das Han­dy weg, setzt sich hin und be­ob­ach­tet sich nur selbst. Das ist am An­fang die Höl­le.“Län­ger­fris­tig wird es das Ge­fühl für den ei­ge­nen Kör­per stär­ken. Der sei näm­lich ein Raum der Re­so­nanz, der uns in je­der Se­kun­de zeigt, wie es uns geht: „Das Pro­blem ist: Wir hö­ren nicht hin und dul­den es bei­spiels­wei­se, ei­nen Schnup­fen über ein hal­bes Jahr zu ha­ben, nur um zu funk­tio­nie­ren.“Des­halb er­ken­nen vie­le auch die ers­ten Sta­di­en ei­nes Burn-outs nicht und ge­hen die Spi­ra­le im­mer wei­ter. In der heu­ti­gen Ge­sell­schaft ren­ne man ei­nem Tem­po hin­ter­her, das nichts mehr mit der mensch­li­chen Na­tur zu tun hat, ist Ali Mahlod­ji über­zeugt. Und be­tont des­halb ab­schlie­ßend: „Die Kunst, den Sinn nicht zu ver­lie­ren und nicht aus­zu­bren­nen, liegt dar­in, sein ei­ge­nes Tem­po zu fin­den.“

„Ich hat­te Geld und ein fet­tes Au­to. Das ver­stand ich un­ter Er­folg. Die­sen Schwach­sinn glaubst du, weil ihn dir Leu­te ein­re­den.“

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