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Ich bin dann mal zwei Ta­ge off­line. Die­se Art von An­kün­di­gung fin­det man im­mer häu­fi­ger auf Face­book oder in WhatsApp-Grup­pen. Sie be­deu­tet, dass der­je­ni­ge die nächs­ten bei­den Ta­ge nicht ge­stört wer­den will, sich ei­ne di­gi­ta­le Aus­zeit nimmt. Kein Le­sen von elek­tro­ni­schen Nachrichten per E-Mail oder Mes­sen­ger, kei­ne Face­book-Chats, kei­ne Sta­tus-Up­dates, kein Te­le­fo­nie­ren, kein Sur­fen im Netz. „We­gen der me­dia­len Reiz­über­flu­tung und stän­di­gen Er­reich­bar­keit neh­men sich im­mer mehr Men­schen min­des­tens ein­mal pro Wo­che ei­ne Aus­zeit und be­sin­nen sich auf den Ur­sprung. Der Trend nimmt jähr­lich zu“, sagt et­wa Sa­bi­ne Pe­klar, Co-Grün­de­rin von mySOOFA. Die Gra­zer Un­ter­neh­me­rin hat vor rund ei­nem Jahr ei­ne App auf den Markt ge­bracht, die für we­ni­ger Cy­ber-Stress sor­gen soll. Mit ih­rer App las­sen sich ein­zel­ne Pro­gram­me wie Face­book vor­über­ge­hend sper­ren, die man auf sei­nem Smart­pho­ne in­stal­liert hat. Ein Klick, und schon sind Face­book oder WhatsApp für die selbst fest­ge­leg­te Dau­er weg.

Ei­ne an­de­re Gra­tis-App, die beim Ab­schal­ten hilft, nennt sich Shu­tApp. Sie ist da­zu ge­dacht, dass die Zeit, die man mit Freun­den und Fa­mi­lie ver­bringt, zur Qua­li­täts­zeit um­ge­wan­delt wird. Fra­gen wie: „Sorry, was hast du gesagt?“, weil man auf sein Han­dy ge­schaut und kurz­zei­tig nicht zugehört hat, sol­len da­durch ver­hin­dert wer­den, dass sich al­le am Tisch dar­auf ei­ni­gen, auf das Smart­pho­ne zu ver­zich­ten. Shu­tApp setzt ei­nen au­to­ma­ti­schen Count­down, wie lan­ge das Han­dy wäh­rend der Zeit, die man mit sei­nen Freun­den ver­bringt, stumm blei­ben soll.

Die App na­mens Res­cu­eTi­me hilft hin­ge­gen da­bei, die ei­ge­ne Zeit zu ma­na­gen und di­gi­ta­le Ablen­kun­gen zu mi­ni­mie­ren. Die App trackt mit, wie sehr man et­wa durch die Nut­zung von Face­book oder E-Mail-Pop-ups ab­ge­lenkt wird und da­durch wert­vol­le Zeit ver­liert, die man für et­was an­de­res nut­zen könn­te. Mit der App las­sen sich dann in Fol­ge eben­falls Li­mits ein­stel­len, wann man von wel­chen Qu­el­len nicht ge­stört wer­den möch­te. Laut Psy­cho­lo­gen er­gibt es durch­ausSinn,bei­sei­ner­di­gi­ta­len­Aus­zeit­auf­tech­ni­sche Hilfs­mit­tel zu­rück­zu­grei­fen. Denn wenn das Smart­pho­ne bei je­der Nach­richt vi­briert, kön­nen vie­le nicht wi­der­ste­hen. Am An­fang mag sich das so­gar erst ein­mal un­ge­wohnt an­füh­len.

Der Drang, stän­dig aufs Han­dy zu schau­en, kann so groß sein, dass ei­ne Aus­zeit von dem Ge­rät selbst stres­sig er­scheint. Doch mit der Zeit setzt dann ei­ne Ent­span­nung, ei­ne Ent­schleu­ni­gung, ein, die in­ne­re Un­ru­he ver­schwin­det und Stress­sym­pto­me las­sen nach. Durch­schla­fen statt mehr­mals in der Nacht auf­zu­wa­chen, wie­der Luft be­kom­men, statt kurz­at­mig durch die Ge­gend zu lau­fen.

All die­se Aus­wir­kun­gen kann das Los­las­sen auf den ei­ge­nen Kör­per und Geist ha­ben, wenn man sich auf das Ex­pe­ri­ment des Ab­schal­tens ein­lässt. Oft wird ei­nem dann erst be­wusst, wie viel Zeit man ei­gent­lich ver­liert, wenn man al­le fünf Mi­nu­ten sei­nen Face­book-Ac­count checkt. Plötz­lich ach­tet man wie­der auf sei­ne Um­welt und sieht, wer in der U-Bahn ne­ben ei­nem sitzt, oder was der Part­ner ge­ra­de für ein T-Shirt trägt. Ei­ne di­gi­ta­le Aus­zeit ver­bes­sert nicht nur die Acht­sam­keit, son­dern auch die ei­ge­ne Mo­ti­va­ti­on und Kon­zen­tra­ti­on für an­de­re Ak­ti­vi­tä­ten. Sie kann ei­nem neue Kraft ge­ben und da­bei hel­fen, den Kopf wie­der frei­zu­krie­gen.

Auch ein Ur­laub eig­net sich her­vor­ra­gend da­zu, um sich zu be­sin­nen und sich ei­ne Aus­zeit von der di­gi­ta­len Kom­mu­ni­ka­ti­on zu gön­nen.In­denUSAgib­tes­so­gar­so­ge­nann­te Di­gi­tal-De­tox-Camps für Ma­na­ger, in de­nen der Aus­tausch von Vi­si­ten­kar­ten ver­bo­ten ist. In Ös­ter­reich reicht es meist, sich ein Re­sort mit­ten in den Al­pen zu su­chen, wo es kei­nen In­ter­net­zu­gang gibt. Ei­ne Mög­lich­keit hier­für bie­ten et­wa die Alm­ness-Cha­lets in Ra­ming­stein (Salz­burg), die den Of­f­lineUr­laub per­fekt un­ter­stüt­zen. Es ist Zeit für sich selbst.

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