„Ein Haus in der Stadt ist als Wohn­form nicht all­täg­lich“

KURIER_SPECIAL - - HOMESTORY -

Ro­bert wohnt mit sei­ner Fa­mi­lie seit 1995 am Ein­gang des Ot­ta­krin­ger Fried­hofs in ei­nem selbst ge­bau­ten Haus.

Ich bin ein St­ein­metz, wie mei­ne El­tern. An­no da­zu­mal hat­ten wir un­se­ren Fir­men-La­ger­platz, ei­ne Frei­flä­che zur Pro­dukt-Prä­sen­ta­ti­on so­wie die Werk­statt dort, wo heu­te die U3-End­sta­ti­on Ot­ta­kring liegt. Für den Bau der U-Bahn An­fang der 90er muss­ten wir das Grund­stück in ei­nem Ent­eig­nungs­ver­fah­ren an die Stadt ab­ge­ben. Nur die Werk­statt blieb dort. Das Gan­ze spiel­te sich zwi­schen 1992 und 1994 ab. Be­trieb­lich war die Sa­che ziem­lich be­droh­lich. Denn der Be­trag, den wir als Ent­schä­di­gung er­hiel­ten, war nicht epo­chal. Zu­dem sind neue Frei­flä­chen in Ot­ta­kring rar ge­sät. An­de­re Be­zir­ke ka­men ob der da­durch ent­ste­hen­den We­ge zwi­schen Werk­statt und La­ger­platz auch nicht in Fra­ge. Et­was wei­ter die Tha­lia­stra­ße stadt­aus­wärts be­fand sich ein ehe­ma­li­ger Hol­land-Blu­men­markt, des­sen Grund­stück ge­ra­de frei wur­de. Über die Stadt konn­ten wir ei­nen Teil da­von er­wer­ben, auch wenn wir drauf­zah­len muss­ten, da der neue Grund im Ver­gleich zum al­ten re­la­tiv hoch be­wer­tet wur­de.

Ich bin noch in den halb fer­ti­gen Roh­bau ein­ge­zo­gen, rund­her­um war Bau­stel­le – uns ist ehr­lich ge­sagt das Geld aus­ge­gan­gen (lacht). Ich ha­be noch ei­ne gan­ze Wei­le so ge­lebt und das Ge­bäu­de in Ei­gen­re­gie so weit wie mög­lich fer­tig­ge­stellt. Auf­grund ei­ner bau­recht­li­chen Vor­ga­be muss­ten wir ei­ne ge­wis­se Min­dest­hö­he ein­hal­ten und so ha­ben wir ei­nen Stock hö­her und et­was mehr als 50 Pro­zent grö­ßer ge­baut als ge­plant.

Ei­gent­lich woll­ten wir ein zwei­stö­cki­ges Haus, ge­wor­den ist es – das Erd­ge­schoß ein­ge­rech­net – ein drei­stö­cki­ges.

Ich woh­ne seit 1995 hier am Ein­gang des Ot­ta­krin­ger Fried­hofs. Wir sind ei­ne Patch­work­fa­mi­lie, mei­ne Frau ist 1997 mit den Kin­dern da­zu­ge­kom­men. Es han­delt sich um ein frei­ste­hen­des Ob­jekt of­fe­ner Bau­wei­se, wie man in der Bau­bran­che sagt. Das Haus ist al­so nicht an Nach­barn ge­kop­pelt wie ein Rei­hen­haus. Das Gan­ze ist ein Bau­pro­jekt mei­ner Fa­mi­lie. Ich ha­be ein Drit­tel des Hau­ses, al­so ei­ne Eta­ge, mit­fi­nan­ziert und er­wor­ben. Ins­ge­samt ha­be ich sie­ben Jah­re ge­braucht, um das zu fi­nan­zie­ren – vor un­ge­fähr in ei­nem Jahr bin ich fer­tig ge­wor­den. Das Erd­ge­schoß wird be­trieb­lich für den Ver­kauf ge­nutzt. Im ers­ten Stock woh­ne ich mit mei­ner Frau Edith und mei­ner jüngs­te Toch­ter. Wir woh­nen auf rund 100 Qua­drat­me­tern mit ei­nem gro­ßen Wohn­raum. Das ge­sam­te Grund­stück kommt auf et­wa 550 Qua­drat­me­ter. Rück­wärts, nach Wes­ten und Nor­den hin, ha­ben wir wirk­lich Na­tur­bö­den mit Bäu­men. Nach Sü­den hin be­fin­det sich ei­gent­lich ei­ne La­ger­flä­che, die wir mitt­ler­wei­le eher als Pri­vat­be­reich fürs Gril­len oder La­ger­feu­er nüt­zen. Wir ha­ben dort auch ein Ge­mü­se­beet an­ge­legt.

Für mich ist es das ers­te Mal, dass ich so ei­ne gro­ße Flä­che be­woh­ne, noch da­zu mit ei­ner Grün­zo­ne. Da­vor ha­be ich in Wohn­ge­gen­den wie dem 15. Be­zirk mit vie­len Häu­sern und we­nig Grün ge­lebt.

Das ist jetzt wirk­lich ein Plus­punkt für mei­ne Le­bens­qua­li­tät. Ich bin auch froh, Ei­gen­tum zu be­sit­zen. Da­vor ha­be ich nur be­grenz­te Miet­ver­trä­ge ge­habt. Hier bin ich si­cher, nie­mand kann mich hier au­ße­jau­chen. Da in­ves­tie­re ich auch lie­ber ins Woh­nen und ge­be zum Bei­spiel ger­ne Geld für gu­te Mö­bel vom Tisch­ler aus. Auch der Gar­ten ist su­per. Wir bau­en selbst an, was geht. Mei­ne Frau ist da sehr ge­schickt. Ob Pa­ra­dei­ser, Zuc­chi­ni, Pa­pri­ka, Kür­bis­se, Kraut oder Ro­te Rü­ben.

Es ist nicht im­mer ein­fach. Oft ist man da­zu ver­lei­tet, ei­nen Stock tie­fer zu ge­hen, um schnell et­was im Bü­ro zu er­le­di­gen. Al­ler­dings hat man da­durch kei­ne Tren­nung zwi­schen Pri­va­tem und Be­ruf­li­chem. Es ist ei­ne zwei­schnei­di­ge Ge­schich­te. Man spart sich Zeit, muss nicht in der Früh hin- und her­fah­ren. Aber man muss sich am Rie­men rei­ßen und klar sa­gen: Jetzt ist Pri­vat­zeit und die wird auch ein­ge­hal­ten.

Wir ha­ben es sehr gut er­wischt. Mit dem Haus in der Stadt ha­ben wir ei­ne Wohn­form, die nicht all­täg­lich ist. Es gibt si­cher La­gen, die mir bes­ser ge­fal­len, aber die ste­hen über mei­nen fi­nan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten. Ein Was­ser in der Nä­he zu ha­ben, wä­re et­wa sehr reiz­voll für mich. Aber das gibt es in Ot­ta­kring halt nicht. Ich kann mich nicht be­schwe­ren, ich ha­be es gut er­wischt. Es ist nicht per­fekt, aber man kann dar­an ar­bei­ten.

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