Volks­krank­heit Blut­hoch­druck

Volks­krank­heit. Blut­hoch­druck ver­ur­sacht an­fangs kei­ne Schmer­zen. Das macht ihn so ge­fähr­lich. Denn un­be­han­delt kann die­se Krank­heit schwer­wie­gen­de Fol­gen ha­ben.

KURIER_UNSER HERZ - - Inhalt - -STE­FAN KLUGER

Die un­ter­schätz­te Ge­fahr für Ih­re Ge­sund­heit

Blut­hoch­druck gilt in Eu­ro­pa als Volks­krank­heit Num­mer Eins. Da ist auch Ös­ter­reich kei­ne Aus­nah­me. Nach Schät­zun­gen sind zu­min­dest 30 Pro­zent al­ler Er­wach­se­nen da­von be­trof­fen. Mit dem Al­ter steigt das Ri­si­ko – ab dem 60. Le­bens­jahr spricht man so­gar von 50 Pro­zent. „Häu­fig bleibt Blut­hoch­druck un­ent­deckt, und auch von den be­han­del­ten Pa­ti­en­ten sind 50 Pro­zent nicht op­ti­mal ein­ge­stellt“, sagt Tho­mas Weber, Prä­si­dent der Ös­ter­rei­chi­schen Ge­sell­schaft für Hy­per­ten­sio­lo­gie. Sehr oft lie­ge dies an der Schwie­rig­keit, Me­di­ka­men­te re­gel­mä­ßig ein­zu­neh­men, de­ren Nut­zen man nicht un­mit­tel­bar spürt. Die Be­dro­hung wird un­ter­schätzt, be­dau­ern Ex­per­ten. Weil Blut­hoch­druck lan­ge Zeit kei­ne Be­schwer­den ver­ur­sacht, wird er oft auch über­se­hen. Nur wer re­gel­mä­ßig kon­trol­liert, kann im Be­darfs­fall Prä­ven­ti­on be­trei­ben.

EX­TRE­ME BE­LAS­TUNG. Bei Men­schen, die an Blut­hoch­druck (Ar­te­ri­el­le Hy­per­to­nie) lei­den, ist das ge­sam­te Ge­fäß­sys­tem stark be­las­tet, da es ei­nem hö­he­ren Druck aus­ge­setzt ist. Da­durch kann es in spä­te­rer Fol­ge zur Ver­di­ckung und Ver­här­tung der Ge­fäß­wän­de kom­men – ei­ner Ar­te­ri­en­ver­kal­kung (At­he­ro­skle­ro­se): Das Blut fließt nicht mehr un­ge­hin­dert. Frü­he Sym­pto­me, die häu­fig nicht mit dem Blut­druck von den Be­trof­fe­nen in Ver­bin­dung ge­bracht wer­den, sind Kopf­schmer­zen, Un­ru­he, Schlaf­stö­run­gen, Kon­zen­tra­ti­ons­schwä­che, Ge­reizt­heit und Na­sen­blu­ten. Mit zu­neh­men­dem Alt er­steigt das Er­kran­kung sri­si­ko:„D er Zu­sam­men­hang zwi­schen Blut hoch­druck und Fol­ge­schä­den wie Herz­schwä­che, Herz­in­farkt, Schlag­an­fall und Nie­ren­ver­sa­gen ist vie­len Men­schen noch im­mer nicht be­wusst“, warnt In­ter­nist Eg­bert Schulz vom Ne­phro­lo­gi­schen Zen­trum Göt­tin­gen. Da­mit das Blut al­le Or­ga­ne und auch die kleins­ten Ka­pil­lar­ge­fä­ße er­reicht, muss es mit ei­nem ge­wis­sen Druck aus dem Her­zen ge­pumpt wer­den. Der

„Der Zu­sam­men­hang zwi­schen Blut­hoch­druck Herz­schwä­che, Herz­in­farkt, Schlag­an­fall und Nie­ren­ver­sa­gen ist vie­len Men­schen nicht be­wusst.“In­ter­nist Eg­bert Schulz, Ne­phro­lo­gi­sches Zen­trum Göt­tin­gen

höchs­te Blut­druck ist dann vor­han­den, wenn sich das Herz ma­xi­mal zu­sam­men­zieht – der sys­to­li­sche Wert. Da­nach er­schlafft es und kein Blut wird mehr in die Ar­te­ri­en ge­pumpt – der di­as­to­li­sche Wert. Des­halb wer­den stets zwei Wer­te für die Er­mitt­lung des Blut­drucks ge­mes­sen. Der op­ti­ma­le Blut­druck liegt un­ter 120/80 mm Hg (Maß­ein­heit Mil­li­me­ter Qu­eck­sil­ber­säu­le). Als Grenz­wert, ab dem ei­ne Be­hand­lung er­fol­gen soll­te, gilt der­zeit 140/90 mm Hg, wo­bei sich die­ser Wert auf die Mes­sung beim Arzt be­zieht–zu Hau­se gilt ei­ne Gren­ze von 135/85. Es ist wich­tig, ei­nen ru­hi­gen, stan­dar­di­sier­ten Ablauf bei der Mes­sung zu ge­währ­leis­ten: fünf bis zehn Mi­nu­ten Ru­he, auf­recht sit­zen, den Arm mit der Man­schet­te am Tisch auf­stüt­zen, dann erst mes­sen.

FAMILIENANAMNESE. Blut­hoch­druck ist in vie­len Fäl­len ge­ne­tisch be­dingt, wird al­so von den El­tern ver­erbt. „Die Fa­mi­lie ist der Schlüs­sel “, sagt Schulz. Die Be­wusst­seins­bil­dung lau­fe da­her bes­ten­falls über die Fa­mi­lie – was Ärz­te ih­ren Pa­ti­en­ten auch zu­neh­mend ver­mit­teln wol­len. Falls al­so ein en­ges Fa­mi­li­en­mit­glied – El­tern, Groß­el­tern, Ge­schwis­ter – be­reits wis­sent­lich an Blut­hoch­druck er­krankt sei, sol­le ra­scher ge­han­delt und ei­ne Familienanamnese er­stellt wer­den. Ziel ist, dass Ärz­te schnell ei­nen Über­blick er­hal­ten und al­len­falls ein­schrei­ten kön­nen, be­vor ernst­haf­te Schä­den auf­tre­ten. Auch Kin­der und Ju­gend­li­che kön­nen an die­ser Krank­heit lei­den. Zu be­ach­ten ist, dass

sie we­sent­lich nied­ri­ge­re Wer­te als Er­wach­se­ne be­sit­zen.

ME­DI­KA­MEN­TE. Je län­ger Blut­hoch­druck nicht oder nur un­zu­rei­chend be­han­delt wird, des­to dra­ma­ti­scher sind die Fol­gen. „Es ist so­zu­sa­gen ein selbst un­ter­hal­ten­der Pro­zess“, sagt der In­ter­nist. Das be­deu­tet aber auch, dass frü­hes Vor­ge­hen be­lohnt wird – und im Lau­fe der Jah­re die me­di­ka­men­tö­se Do­sie­rung wo­mög­lich re­du­ziert wer­den kann. „Ein Teil der Me­di­ka­men­te ver­schiebt das be­ste­hen­de Un­gleich­ge­wicht im Kör­per in Rich­tung Gleich­ge­wicht, was ei­ner Teil­hei­lung gleich­kommt.“Ganz oh­ne Hilfs­mit­tel wer­de man al­so nur sel­ten aus­kom­men. Die Ne­ben­wir­kun­gen hal­ten sich meist in Gren­zen. Den­noch rät Schulz da­zu, sich vom Arzt über mög­li­che leich­te Be­ein­träch­ti­gun­gen im Ma­gen-Darm-Be­reich oder Schwin­del in­for­mie­ren zu las­sen.

SELBSTREGULATION. Ne­ben der me­di­ka­men­tö­sen The­ra­pie ist ein be­wusst ge­führ­ter Le­bens­stil von es­sen­zi­el­ler Wich­tig­keit. „Das ef­fek­tivs­te Mit­tel ist da­bei kör­per­li­che Ak­ti­vi­tät “, sagt Schulz. Um das Herz­in­farkt-Ri­si­ko mög­lichst zu mi­ni­mie­ren, soll­te man täg­lich Sport be­trei­ben.Nach neu­es­ten Er­kennt­nis­sen rei­chen zwar 30 Mi­nu­ten be­reits aus, ins Schwit­zen soll­te man da­bei aber schon kom­men. Au­ßer­dem gibt es Le­bens ge­wohn­hei­ten, die den Blut­druck be­son­ders stei­gen las­sen: Rau­chen, Al­ko­hol, Be­we­gungs­man­gel, Stress oder zu viel Salz wir­ken sich ne­ga­tiv aus. Von bei­na­he gleich gro­ßer Be­deu­tung ist die Er­näh­rung: viel Ge­mü­se, bal­last stoff reich, salz arm, we­nig ro­tes Fleisch. „Und Hän­de weg von Fer­tig­pro­duk­ten“, warnt der Me­di­zi­ner. Dort sei ne­ben viel Zu­cker ein be­son­ders ho­hes Maß an Salz ent­hal­ten. Eben­so ver­pönt sind un­ter Me­di­zi­nern Ener­gy Drinks: Das Pro­blem der koffe­in­hal­ti­gen Ge­trän­ke sei vor al­lem die Men­ge, die man­che Leu­te da­von zu sich neh­men – bis zu ei­ni­gen Li­tern täg­lich. Zu gu­ter Letzt wird Men­schen mit Blut­hoch­druck ge­ra­ten, mög­lichst viel Re­gel­mä­ßig­keit in ih­ren Ta­ges­ab­lauf zu brin­gen. Und weil Stress und Un­ru­he nicht im­mer zu ver­mei­den sind, kom­men Schutz­fak­to­ren be­son­ders viel Be­deu­tung zu: „Wer be­las­ten­de Le­bens­um­stän­de durch Sport, Mu­sik oder auf an­de­ren We­gen ka­na­li­sie­ren kann, hat na­tür­lich ei­nen Vor­teil und ver­kraf­tet so­mit mehr“, sagt Eg­bert Schulz.

„Das ef­fek­tivs­te Mit­tel, um das Herz­in­farkt-Ri­si­ko mög­lichst zu mi­ni­mie­ren, ist kör­per­li­che Ak­ti­vi­tät. Und Hän­de weg von Fer­tig­pro­duk­ten.“In­ter­nist Eg­bert Schulz, Ne­phro­lo­gi­sches Zen­trum Göt­tin­gen

Blut­hoch­druck ist ver­erb­bar. Kin­der be­trof­fe­ner pa­ti­en­ten soll­ten da­her zur Kon­trol­le

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