KA­PI­TEL 3: DIE KÜ­CHE

KURIER_WOHNEN - - Editorial - -EL­GIN FEU­SCHAR

Wie aus dem Ar­beits­raum der Treff­punkt der Fa­mi­lie wird

Mo­der­ne Kü­chen punk­ten durch klu­gen Stau­raum

Als Ago­ra des Ei­gen­heims ist sie ein Ort, der viel kann: die Kü­che. Stau­räu­me hel­fen da­bei, auf nur we­nig Platz Funk­tio­na­li­tät und De­sign spie­le­risch zu ver­ei­nen.

» Die Kü­che ist das Epi­zen­trums des Zu­hau­ses und ein Ort, an dem der Puls der Fa­mi­lie am schnells­ten schlägt. Kein Raum wird täg­lich mehr be­an­sprucht und ver­eint da­bei ei­ne Vielzahl von Ak­ti­vi­tä­ten so­wie Men­schen auf nur we­ni­gen Qua­drat­me­tern. Für vie­le is­ter das stra­te­gi­sche Haupt­quar­tier der ei­ge­nen vier Wän­de und muss auf Ab­ruf pro­blem­los funk­tio­nie­ren. Pfan­nen, Ge­wür­ze, Back­ofen, Herd und vie­le an­de­re Koch­ele­men­te müs­sen griff­be­reit in un­mit­tel­ba­rer Nä­he ver­füg­bar sein. Doch das De­sign der Kü­che und vor al­lem die Schaf­fung von lo­gis­ti­schen Stau­räu­men ist nicht zu­fäl­lig über die Jah­re ent­stan­den. Im Jahr 1926 ent- warf die Ös­ter­rei­che­rin Mar­ga­re­te Schüt­te-Lo­hotz­ky den Pro­to­typ der mo­der­nen Ein­bau­kü­che. Als Frank­fur­ter Kü­che ging das da­ma­li­ge Erst­lings­werk der Jung­ar­chi­tek­tin in Deutsch­land in Se­rie und muss­te ei­ne Ge­ge­ben­heit von Grund auf er­fül­len: Funk­tio­na­li­tät. Die Kü­che von Schüt­te-Li­hotz­ky war nur sechs­ein­halb Qua­drat­me­ter groß und un­ter­lag ei­ner Raumöko­no­mie, die sich nach den kür­zes­ten Ar­beits­we­gen rich­te­te. De­sign und Mö­bel soll­ten Be­we­gungs­ab­läu­fe und Hand­grif­fe op­ti­mie­ren. Um auch si­cher­zu­stel­len, dass die Ab­läu­fe ef­fi­zi­ent ge­nug wa­ren, wur­den von der Ar­chi­tek­tin ein­zel­ne Ar­beits­schrit­te in der Kü­che mit der Stopp­uhr »

ge­mes­sen. So stell­te sie die tat­säch­li­che Zei­ter­spar­nis und wei­te­res Op­ti­mie­rungs­po­ten­zi­al des neu­en Rau­ment­wurfs fest. Li­hotz­ky woll­te schon zu ih­rer Zeit je­der Frau die Mög­lich­keit bie­ten,we­ni­ger Zeit in der Kü­che und mehr Zeit mit der Fa­mi­lie ver­brin­gen zu kön­nen.

DA­MALS WIE HEU­TE. Ob­wohl die Ent­ste­hung der Frank­fur­ter Kü­che bei­na­he hun­dert Jah­re zu­rück­liegt, hat sich an­dem Grund­kon­zept­der Funk­tio­na­li­tät im Koch­be­reich nichts ge­än­dert. Griff­be­reit und hand­lich bie­ten die gro­ßen Her­stel­ler der Sze­ne Mo­del­le an, di­e­nicht­nur Platz­spa­ren und Ord­nung schaf­fen, son­dern auch äs­the­tisch über­zeu­gen. Gestal­tungs­pro­fi And­ree Weis­sert aus Ber­lin hat es sich zur per­sön­li­chen Auf­ga­be ge­macht, funk­tio­na­le Kü­chen in neu­em Glanz er­schei­nen zu las­sen. Der Pro­jekt­ar­chi­tekt hat ei­ne Kü­che in­klu­si­ve ein­zel­ner Mö­bel­stü­cke ent­wor­fen, die an der Ober­flä­che un­schein­bar und de­sign­tech­nisch glatt er­schei­nen, im In­ners­ten aber wie ein gut ge­öl­ter Mo­tor funk­tio­nie­ren. So­bald die un­zäh­li­gen La­den und Fä­cher zum Vor­schein kom­men, er­blickt das Au­ge ei­ne Welt der Mög­lich­kei­ten, die in Grö­ße, Form und Äs­t­he­tik zu­sam­men­pas­sen.

Schrank­ein­sät­ze wie „Con­voy La­vi­do“von Kes­se­böh­mer sind uni­ver­sell ein­setz­bar und fah­ren ganz aus dem Kor­pus her­aus. Her­stel­ler Ewe hin­ge­gen ent­wi­ckel­te ein roll­ba­res Trans­for­ma­ti­ons­wun­der, das im De­sign der Kü­che ver­schwin­det

In das Aus­stat­tungs­sys­tem „Li­ne­ro 2000“von Kes­se­böh­mer kön­nen ver­schie­de­ne Tei­le ein­ge­hängt wer­den

Ein- und aus­klapp­ba­re Rück­wän­de bie­ten in der Kü­che nütz­li­chen Stau­raum. Ewe zeigt mit „Ma­gicmo­ve“, dass auf Knopf­druck al­les ver­schwin­den kann. Ähn­lich hat Kes­se­böh­mer den „Coo­kin­gA­gent“als ei­nen Un­ter­schrank mit Voll­aus­zug kon­zi­piert

Die­ser Pro­toyp von And­ree Weis­sert fun­giert als mul­ti­funk­tio­na­ler Bei­stell­tisch im Kü­chen­be­reich

Der Ber­li­ner Pro­jekt­ar­chi­tekt And­ree Weis­sert ent­wirft in sei­nem Ate­lier spe­zi­el­le Raum­lö­sun­gen. In die­sem Fall über­zeugt sei­ne Kü­che durch die op­ti­ma­le Nut­zung der Flä­chen – gan­ze La­den­seg­men­te las­sen sich auf Rol­len aus­zie­hen

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