WICH­TI­GER ALS HEI­RA­TEN

KURIER_WOHNEN - - Zusammenziehen - VON FE­LIX DIEWALD, FO­TOS: MICHA­EL KIM­MEL

Wenn Men­schen zu­sam­men­zie­hen, kommt es auch zu Aus­ein­an­der­set­zun­gen. Paa­re, Men­schen in Wohn­ge­mein­schaf­ten und ei­ne Wohn­psy­cho­lo­gin er­zäh­len.

» Für Han­nah und Simon klang die Idee ab­surd. Zu­sam­men­zie­hen. Bis zu die­sem ei­nen Tag im Mai ver­gan­ge­nen Jah­res in der Wie­ner U-Bahn-Sta­ti­on Kend­ler­stra­ße. Bis da­hin dach­ten die bei­den zwar im­mer wie­der dar­an, an­ge­spro­chen hat es al­ler­dings kei­ner. „Das war das ers­te Mal“, sagt Han­nah. Da­nach ist es für ei­ni­ge Mo­na­te erst­mal kein The­ma beim Süd­ti­ro­ler Paar. Aber schon im­mer im Hin­ter­kopf. Seit fünf Jah­ren sind Simon, 23 und Han­nah, 21, be­reits zu­sam­men. Sie ken­nen sich aus Süd­ti­rol. Simon ging frü­her nach Wi­en, das Paar führ­te zwei Jah­re ei­ne Fern­be­zie­hung, bis Han­nah auch nach Wi­en kam und die bei­den in ver­schie­de­nen Wohn­ge­mein­schaf­ten leb­ten. Zu­sam­men­zie­hen, vor al­lem nach lan­ger Zeit der räum­li­chen Dis­tanz, war ei­gent­lich nie der Plan. Doch­dann­pass­tees­fürSi­mon­in­s­ei­ner WG nicht mehr so gut. Und Han­nah fehl­te der Platz in ih­rer WG. Sie hat­te nur ein klei­nes Zim­mer. Seit knapp ei­nem Mo­nat lebt das Paar jetzt in sei­ner ers­ten ge­mein­sa­men Woh­nung. Die Woh­nung, ein Alt­bau mit 73 Qua­drat­me­tern im fünf­ten Be­zirk, ha­ben sie über die Face­book­grup­pe „Süd­ti­ro­ler in Wi­en“ge­fun­den. Was wol­len Han­nah und Simon von ih­rer Woh­nung? Simon geht es dar­um, die ei­ge­nen äs­the­ti­schen Vor­stel­lun­gen um­zu­set­zen. „Ich woll­te end­lich mal ei­ne Woh­nung so ein­rich­ten, wie’s mir ge­fällt. So 70s-Trash, mit Le­der­couch, mit al­tem, dunk­lem Kas­ten und den Bil­dern, die ich ma­le.“Es fin­den sich aber auch Han­nahs Mö­bel in der Woh­nung. Simon übers Ein­rich­ten: „Das war ei­ne de­mo­kra­ti­sche Ge­schich­te.“Han­nah gibt ein Bei­spiel: „Der Simon woll­te di­rekt nach dem Aus­ma­len den Spie­gel auf­hän­gen. Ich ha­be ihn da­von über­zeugt, zu­erst zu war­ten und zu schau­en, wo er dann wirk­lich hin­passt, mit all den Mö­beln. Be­vor wir jetzt schnell ir­gend­wo ei­nen Na­gel rein­hau­en.“

ÄHN­LI­CHE VOR­STEL­LUN­GEN. Han­nah hat sich vor al­lem mehr Zu­hau­se in Wi­en ge­wünscht. „Dass ich viel­leicht auch ein­mal in den Fe­ri­en zwei Mo­na­te hier­blei­be und nicht nach Süd­ti­rol fah­re.“Wich­tig ist ihr auch, dass­sie­jetzt­öf­terGäs­te­ein­la­den­kann. Denn das geht in WGs nicht im­mer so ein­fach, schließ­lich ist man nicht der ein­zi­ge Be­woh­ner. Und dann über­rascht Han­nah mit ei­ner Aus­sa­ge: „Ir­gend­wie ist es hier so­gar mehr Stu­den­ten­woh­nung als in der WG. Weil es fle­xi­bler ist. Wir ha­ben hier jetzt öf­ter Par­tys als vor­her.“Die gro­ße Ein­wei­hungs­par­ty, die kommt al­ler­dings erst. Die Wohn­vor­stel­lun­gen des Paa­res sind ähn­lich. So­wohl was das Sau­ber­keits­le­vel – „Wir ha­ben jetzt nicht so den Putz­fim­mel, aber wol­len’s schon or­dent­lich ha­ben.“– als auch den Le­bens­mit­tel­kon­sum – „Auch wenn Simon mehr kocht“– be­trifft. Han­nah wür­de ger­ne ei­nen Putz­plan ma­chen, ist aber noch nicht da­zu ge­kom­men. „Ein­fach, dass je­der ein­mal die Wo­che ir­gend­was macht. Dann muss man auch nicht dar­über re­den.“Auch dass die Be­zie­hung pri­va­ter wird, ha­ben sich Han­nah und Simon ge­wünscht. Dis­kus­si­ons­punkt zwi­schen den bei­den war nicht die Woh­nung, son­dern viel­mehr die La­ge. Han­nahs Uni ist im 19. Be­zirk. „Ich woll­te un­be­dingt im Nord­wes­ten woh­nen.“Dort fand man al­ler­dings kei­ne Woh­nung. Simon hin­ge­gen woll­te mög­lichst weit in die In­nen­stadt. Jetzt braucht Han­nah mor­gens eben län­ger zur Uni. Un­ter­schied­li­che »

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