SCHAU­PLATZ WOHN­ZIM­MER

KURIER_WOHNEN - - Filmsets - VON RO­MAN GESS­LER

» Schwe­re Lus­ter und auf­fäl­li­ge Pols­ter­mö­bel zie­ren die ge­räu­mi­ge Alt­bau­woh­nung. Die Wän­de sind auf­wen­dig be­malt. Fast schon et­was über­la­den und kit­schig wir­ken die Zim­mer. Ste­fan Teu­ber schaut sich je­den Win­kel ge­nau an. Er ar­bei­tet seit fast 20 Jah­ren als Lo­ca­ti­ons­cout. Für Film- und Fern­seh­pro­duk­tio­nen, aber auch für Fo­to­shoo­tings fin­det und ver­mit­telt er pri­va­te Im­mo­bi­li­en. Mitt­ler­wei­le hat er über 1000 Ob­jek­te in sei­ner Da­ten­bank, die re­gel­mä­ßig für Drehs ge­mie­tet wer­den. Die auf­fäl­li­ge Alt­bau­woh­nung ge­fällt ihm gut. Sie ist ge­räu­mig und un­ge­wöhn­lich ein­ge­rich­tet.

DIE AUS­WAHL. Teu­ber ist im­mer auf der Su­che nach neu­en Schau­plät­zen. Auch ei­ne ver­wit­ter­te Flug­zeug­lan­de­bahn und ei­ne Rui­ne hat er im Sor­ti­ment. Die meist­ge­frag­ten Ob­jek­te sind al­ler­dings Häu­ser und Woh­nun­gen. Sieht er zu­fäl­lig ein in­ter­es­san­tes Ge­bäu­de, fragt er bei den Be­woh­nern nach ei­ner Be­sich­ti­gung. Vie­le Men­schen kom­men aber auch di­rekt auf ihn zu. Wenn die Im­mo­bi­lie für ei­nen po­ten­zi­el­len Dreh in­fra­ge kom­men könn­te, nimmt er sie in sei­ne Da­ten­bank auf. Film­schaf­fen­de kön­nen sich Bil­der an­schau­en und Kon­takt mit den Be­woh­nern auf­neh­men. Teu­ber lebt von der Ver­mitt­lungs­ge­bühr. Der Be­darf an neu­en Dreh­or­ten ist hoch. Die be­lieb­tes­ten Ob­jek­te sind meist die un­ge­wöhn­lichs­ten: sel­te­ne Bausti­le oder be­son­de­re Mö­bel, et­wa ei­ne au­then­ti­sche Bie­der­meier­ein­rich­tung, ste­chen her­aus. Oft sind es aber gar nicht die hoch­glanz­po­lier­ten Lu­xus­im­mo­bi­li­en, in de­nen Fil­me ge­dreht wer­den. „Was oft fehlt, ist die Pa­ti­na. Wenn ei­ne Woh­nung neu aus­ge­malt wur­de, die Bö­den frisch ab­ge­schlif­fen sind, spürt man das“, er­klärt Teu­ber.

DIE VOR­AUS­SET­ZUN­GEN. Ei­ne un­ge­wöhn­li­che Ein­rich­tung al­lein reicht al­ler­dings nicht im­mer aus. Es soll­ten min­des­tens 150 Qua­drat­me­ter Wohn­flä­che und mög­lichst weit­läu­fi­ge Zim­mer zur Ver­fü­gung ste­hen, um ein gro­ßes Film­team auf­neh­men zu kön­nen. Au­ßer­dem soll­ten die Woh­nun­gen­imErd­ge­schoß­oderMez­za­nin lie­gen. „Bei ei­ner Film­pro­duk­ti­on wird ei­ne Woh­nung et­wa zwei bis drei Mi­nu­ten, in ei­ner Wer­bung et­wa 30 Se­kun­den ge­zeigt. Da­bei soll­te ei­ne kon­stan­te Licht­stim­mung herr­schen. Bei ei­nem mehr­stün­di­gen Dreh wan­dert das Ta­ges­licht zu sehr. Des­halb wird von au­ßen ein­ge­leuch­tet“, sagt Teu­ber. Die Schein­wer­fer wer­den al­so im Op­ti­mal­fall im Gar­ten auf­ge­stellt. Im vier­ten Stock ge­stal­tet sich die Be­leuch­tung schon schwie­ri­ger. Bei be­son­ders au­ßer­ge­wöhn­li­chen Woh­nun­gen wird das je­doch manch­mal in Kauf ge­nom­men. »

So wird aus ei­ner pri­va­ten Woh­nung die Ku­lis­se für ei­nen Film.

Ste­fan Teu­ber, Lo­ca­ti­ons­cout

„Gera­de im Film ist oft ge­wünscht, dass nicht al­les neu­wer­tig aus­sieht.“

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