Wan­del von un­ten

ProZukunft - - Ökonomie -

„Zwi­schen dem, was wir als ein­zel­ne tun kön­nen, und dem, was Re­gie­run­gen und Un­ter­neh­men tun kön­nen, um auf die Her­aus­for­de­run­gen un­se­rer Zeit zu re­agie­ren, liegt ein gro­ßes un­er­schlos­se­nes Po­ten­zi­al, das ich die Kraft des Ein­fach-jetzt­ma­chens nen­ne“, so der cha­ris­ma­ti­sche Öko­lo­ge Rob Hop­kins, Be­grün­der der Per­ma­kul­tur und nun auch der Tran­si­ti­on-be­we­gung (S. 14). Aus­ge­hend von sei­ner schot­ti­schen Hei­mat­stadt Tot­nes, wo der Au­tor ge­mein­sam mit Ver­bün­de­ten ei­nen re­gio­na­len Wirt­schafts­plan er­stellt hat, brei­tet sich die Idee des „Wan­dels von un­ten“mitt­ler­wei­le in vie­le Län­der aus. Sie hat auch in Deutsch­land, Ös­ter­reich und der Schweiz Fuß ge­fasst – von die­sem Netz­werk um Gerd Wess­ling wur­de die deut­sche Aus­ga­be des Bu­ches er­mög­licht. Le­bens­mit­tel, Ener­gie und All­tags­pro­duk­te aus der Re­gi­on stel­len den Kern der Initia­ti­ven dar - er­gänzt bzw. au­to­ma­tisch da­mit ver­bun­den ein suf­fi­zi­en­ter Le­bens­stil, der auf Acht­sam­keit ge­gen­über der Na­tur und den Mit­ge­schöp­fen ba­siert. Hop­kins spricht im­mer wie­der von Resi­li­enz, al­so von Wirt­schafts­struk­tu­ren, die von den Tur­bu­len­zen der Welt­märk­te, der glo­ba­len Fi­nan­zund Ener­gie­strö­me mög­lichst un­ab­hän­gig sind. Die vie­len im Buch be­schrie­be­nen Bei­spie­le stam­men nicht von un­ge­fähr häu­fig aus öko­no­mi­schen Rand- bzw. Pro­blem­ge­bie­ten, in de­nen auch die Kom­mu­nal­po­li­tik Ve­rän­de­rungs­be­darf spürt. So wur­de im re­gio­na­len Wirt­schafts­plan für Tot­nes er­rech­net, dass jähr­lich an die 26 Mil­lio­nen Eu­ro aus der lo­ka­len Le­bens­mit­tel­wirt­schaft ab­flie­ßen, die ener­ge­ti­sche Sa­nie­rung der Ge­bäu­de ei­ne re­gio­na­le Wert­schöp­fung bis zu 90 Mil­lio­nen Eu­ro brin­gen wür­de und das re­gio­na­le Po­ten­zi­al für er­neu­er­ba­re Ener­gi­en 7,6 Mil­lio­nen Eu­ro pro Jahr an Wert dar­stellt.

Was un­ter­schei­det die Tran­si­ti­on-be­we­gung nun von an­de­ren kom­mu­na­len Pro­zes­sen wie die Lo­ka­le Agen­da 21-Initia­ti­ven? Es gibt hier durch­aus vie­le Ähn­lich­kei­ten, der gra­vie­ren­de Un­ter­schied liegt mei­nes Erach­tens je­doch da­rin, dass in die­sen Pro­jek­ten – im deutsch­spra­chi­gen Raum gibt es mitt­ler­wei­le über 120 Grup­pen (www.tran­si­ti­on-initia­ti­ven.de, welt­weit sind es über tau­send) – der Im­puls von en­ga­gier­ten Bür­gern und Bür­ge­rin­nen aus­geht, die dann aber durch­aus mit Kom­mu­nal­ver­wal­tun­gen und lo­ka­len Un­ter­neh­men ko­ope­rie­ren. Das Prin­zip der Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on steht im Vor­der­grund – Pro­zes­se wer­den nicht von oben auf­ge­setzt. Da­bei ist das Vor­ge­hen ein sehr pro­fes­sio­nel­les: es gibt kon­kre­te An­lei­tun­gen, wie man Grup­pen auf­baut und zu-

„Wir ste­hen vor der Auf­ga­be, in den nächs­te vier Jahr­zehn­ten, nicht nur die Tech­no­lo­gi­en, son­dern auch die Ver­hal­tens­re­geln ei­ner Ge­sell­schaft zu än­dern, und mit ih­nen die Be­dürf­nis­se nach Ener­gie­dienst­leis­tun­gen.“(Man­fred Linz in 43 , S. 60f.)

sam­men­hält so­wie Trai­nings for Tran­si­ti­on – auf Deutsch „Werk­zeu­ge des Wan­dels“(www.trai­ning-for-tran­si­ti­on.de). Zu­dem gibt es mitt­ler­wei­le ei­ne Viel­zahl an Fil­men aus der Be­we­gung, zu­letzt er­schie­nen ist „Voices of Tran­si­ti­on“. Be­we­gun­gen wie Tran­si­ti­on al­lein wer­den den Wan­del nicht er­rei­chen – sie fas­zi­nie­ren aber durch das kon­kre­te An­pa­cken durch Bür­ger und Bür­ge­rin­nen, was in ei­ner Zeit zu­neh­men­der Ve­r­un­si­che­rung der Men­schen bei gleich­zei­ti­gem Fest­hal­ten-wol­len am Wachs­tums- und Kon­sum­pa­ra­dig­ma ei­ne at­trak­ti­ve Al­ter­na­ti­ve bie­ten kann. Die stei­gen­de Ver­schul­dung der öf­fent­li­chen Haus­hal­te wird das Ih­ri­ge da­zu tun, dass Mo­del­le resi­li­en­ten Wirt­schaf­tens an Zu­lauf ge­win­nen. Zu wün­schen ist es al­le­mal! H. H.

Wan­del: öko­lo­gi­scher 44 Hop­kins, Rob: Ein­fach.jetzt.ma­chen. Wie wir un­se­re Zu­kunft selbst in die Hand neh­men. München: oe­kom, 2014. 189 S. € 12,95 [D], 13,30 [A], sfr 15,80 ISBN 978-3-86581-458-6

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