Wie kann die Gro­ße Trans­for­ma­ti­on ge­lin­gen?

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In An­be­tracht der Her­aus­for­de­run­gen, mit de­nen sich ei­ne im­mer en­ger ver­wo­be­ne und zu­gleich auch aus­ein­an­der­drif­ten­de „Welt­ge­sell­schaft“am Aus­gang der „zwei­ten in­dus­tri­el­len Re­vo­lu­ti­on“kon­fron­tiert sieht, stellt sich zu­neh­mend dring­lich die Fra­ge, ob und wie denn die Gro­ße Trans­for­ma­ti­on in Rich­tung ei­ner dau­er­haft le­bens­fä­hi­gen Zi­vi­li­sa­ti­on auf die­sem Pla­ne­ten ge­lin­gen kann. Ganz of­fen­sicht­lich sind die von fos­si­len Ener­gi­en be­feu­er­ten und von der Ideo­lo­gie des Ka­pi­ta­lis­mus ge­präg­ten Be­sitz- und Macht­struk­tu­ren nicht ge­eig­net, ei­ne auch nur an­nä­hernd ge­rech­te und nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung zu ge­währ­leis­ten. Wie aber könn­te ei­ne an­de­re Form des ge­sell­schaft­li­chen Mit­ein­an­ders aus­se­hen und wie wä­re sie zu ge­stal­ten?

Je­re­my Rif­kin, ge­gen­wär­tig ei­ner der be­deu­tends­ten Usame­ri­ka­ni­schen Zu­kunfts­den­ker, ent­wirft in sei­nem jüngs­ten Buch die Kon­tu­ren ei­ner vom Pa­ra­dig­ma des „Be­sit­zens“zu­neh­mend be­frei­ten Zi­vi­li­sa­ti­on, die ih­re Be- dürf­nis­se nach den Prin­zi­pi­en der gleich­be­rech­tig­ten Ver- füg­bar­keit or­ga­ni­siert. In der im Ent­ste­hen be­grif­fe­nen „Null-grenz­kos­ten-ge­sell­schaft“1) wer­de ein „vom Mo­tor ‚ex­tre­mer Pro­duk­ti­vi­tät‘ ge­trie­be­nes Netz­werk uns schnel­ler denn je ei­ner Ära na­he­zu kos­ten­lo­ser Gü­ter und Di­enst­leis­tun­gen ent­ge­gen­brin­gen“(S. 32). Grund­la­ge die­ses Mira­kels ist nach Rif­kin das „In­ter­net der Din­ge“, wel­ches in nicht fer­ner Zu­kunft „al­les und je­den in ei­nem in­te­grier­ten, welt­um­span­nen­den Netz ver­bin­det. Na­tür­li­che Res­sour­cen, Pro­duk­ti­ons­stra­ßen, (…) lo­gis­ti­sche Net­ze, Re­cy­clings­trö­me, Wohn­räu­me, (…) ja selbst Men­schen wer­den mit Sen­so­ren ver­se­hen, und die so ge­won­ne­nen In­for­ma­tio­nen wer­den als Big Da­ta in ein glo­ba­les neu­tra­les Id-netz ein­ge­speist. (…) Da­mit ge­hen die Mar­gi­nal­kos­ten bei Pro­duk­ti­on und ge­mein­sa­mer Nut­zung (…) ge­gen null.“(S. 25)

Ein­wän­de und Wi­der­stän­de ge­gen die­se wohl nur auf den ers­ten Blick fas­zi­nie­rend an­mu­ten­de Vi­si­on wer­den vom Au­tor nur am Ran­de an­ge­spro­chen (und kön­nen auch hier nicht ver­han­delt wer­den). Ganz an­ders ge­tönt sind die „82 Ge­schich­ten des Ge­lin­gens“, die Ha­rald Wel­zer, un­ter­stützt von ei­nem ganz of­fen­sicht­lich hoch mo­ti­vier­ten, mehr oder min­der brei­te Zu­kunfts­pfa­de er­kun­den­den Kol­lek­tiv als „Hand­buch für ei­ne en­keltaug­li­che Zu­kunft“2) vor­legt.

Wie klei­ne Ar­chen auf dem von Stür­men ge­peitsch­ten Meer wir­ken die­se Por­träts al­ter­na­ti­ver Pro­jek­te.

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