Wer be­herrscht die Welt?

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„Ma­nu­fac­tu­ring Con­sent“von 1988 gilt als Mei­len­stein der Me­di­en­kri­tik. So ge­se­hen könn­te ei­ne Pu­bli­ka­ti­on mit dem Ti­tel „Wer be­herrscht die Welt?“Auf­schluss­rei­ches zum kul­tu­rel­len, wirt­schaft­li­chen und po­li­ti­schen Macht­ge­fü­ge im In­ter­net­zeit­al­ter ent­hal­ten. Or­well, Hux­ley, Post­man („Wir amü­sie­ren uns zu To­de“) – das ist al­les län­ger her, aber brand­ak­tu­ell. Die elek­tro­ni­schen Me­di­en, Face­book, Twit­ter und die Es­ka­pa­den des 45. Prä­si­den­ten, Pro­pa­gan­d­a­ka­nä­le wie RT, Al Ja­ze­e­ra und Fox News, So­ci­al Me­dia Kam­pa­gnen und So­ci­al Bots – das schie­ne doch ge­ra­de­zu auf­ge­legt. Fehl­an­zei­ge. Das Er­schei­nungs­da­tum des ame­ri­ka­ni­schen Hard Co­vers in der End­pha­se des Us­prä­si­dent­schafts­wahl­kampfs las­sen zu­min­dest dar­über Er­hel­len­des von No­am Chomsky er­war­ten. Irr­tum! Im um­fang­rei­chen Re­gis­ter schei­nen we­der Hil­la­ry Cl­in­ton noch Ber­nie San­ders auf.

Selbst zu Trump fin­det sich nur ei­ne Ein­tra­gung – im Zu­sam­men­hang mit dem Kli­ma­wan­del und des­sen Ne­gie­rung durch die Re­pu­bli­ka­ner (S. 311). Die glo­ba­le Än­de­rung des Kli­mas und ein (an­ge­sichts un­zäh­li­ger Bei­na­he-ka­ta­stro­phen mög­li­cher­wei­se un)ab­sicht­lich aus­ge­lös­ter Atom­krieg,, so­viel vor­weg, sieht Chomsky als größ­te Be­dro­hung der mensch­li­chen Exis­tenz. Das Pa­per­back aus dem Mai 2017 ent­hält zu­min­dest ein Nach­wort zur Wahl des 45. Us-prä­si­den­ten. Die deutsch­spra­chi­ge Ta­schen­buch­aus­ga­be vom Sep­tem­ber ver­zich­tet dar­auf. Das, und ein zweit­klas­si­ges Lek­to­rat, ha­ben we­der der Au­tor noch sein Pu­bli­kum ver­dient. Das Kon­glo­me­rat von 26 Auf­sät­zen, ge­spickt mit un­zäh­li­gen Fuß­no­ten, ent­hält kei­ne In­for­ma­ti­on, ob, wann und wo ein­zel­ne Es­says be­reits pu­bli­ziert wur­den. Die Be­wer­ber um die ak­tu­el­le Prä­si­dent­schaft kom­men dar­in nicht vor. Ihr Vor­gän­ger da­für um­so häu­fi­ger. Der „bru­ta­le Mör­der und Fol­te­rer Ronald Rea­gan“(S. 50), letz­ter nam­haf­ter Unterstützer des süd­afri­ka­ni­schen Apart­heid-re­gimes (S. 238) der sich – ge­mäß dem land­läu­fi­gen, so­gar von ame­ri­ka­ni­schen Lin­ken ge­teil­ten Ver­ständ­nis ei­ner von Gott be­ru­fe­nen Na­ti­on – als „Füh­rer ‚ei­ner leuch­ten­den Stadt auf dem Hü­gel‘“be­zeich­net (S. 49) ; Richard Ni­xon, der 1969, ge­ra­de im Amt, ver­stärk­te Cia­ope­ra­tio­nen ge­gen Kuba be­fahl (S. 150) und den „ers­ten 11. Sep­tem­ber“zu ver­ant­wor­ten hat, der in Chi­le den Dik­ta­tor Pi­no­chet an die Macht brach­te (S. 85); Va­ter und vor al­lem Sohn Bush – un­ein­ge­schränk­ter Be­für­wor­ter ei­nes Prä­ven­tiv­krie­ges (S. 251), Er­fin­der des Be­griffs „Ach­se des Bö­sen“(S. 180), des­sen Fol­ter­me­tho­den „Ter­ro­ris­ten pro­du­zier­ten“(S. 60) – so­wie­so.

Der Frie­dens­no­bel­preis­trä­ger und „mo­ra­lischs­te

„Sys­tem­re­le­van­te Ri­si­ken für den Fi­nanz­sek­tor kann der Steu­er­zah­ler auf­fan­gen, aber nie­mand wird zu Hil­fe kom­men, wenn die Um­welt zer­stört ist.“(No­am Chomsky in 23 , S. 79)

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