Ar­beit im Wan­del

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Hans Holzin­ger stellt Pu­bli­ka­tio­nen vor, die dem Zu­sam­men­hang von Di­gi­ta­li­sie­rung, (Post)-wachs­tum und ei­nem er­wei­ter­ten Ar­beits­be­griff zum ei­nen, dem Ver­hält­nis von Min­dest­löh­nen und Grund­ein­kom­men zum an­de­ren nach­ge­hen. Mar­kus Pausch be­rich­tet über ei­ne in­ter­na­tio­na­le Stu­die zu „Low In­co­me Jobs“, wo sie zu fin­den sind und wen sie tref­fen.

Die Pro­gno­sen über die Aus­wir­kun­gen von In­dus­trie 4.0 und Künst­li­cher In­tel­li­genz se­hen un­ter­schied­lich aus. Ge­wiss ist frei­lich, dass sich vie­les än­dern wird. Hans Holzin­ger stellt Pu­bli­ka­tio­nen vor, die dem Zu­sam­men­hang von Di­gi­ta­li­sie­rung, (Post)-wachs­tum und ei­nem er­wei­ter­ten Ar­beits­be­griff zum ei­nen, dem Ver­hält­nis von Min­dest­löh­nen und Grund­ein­kom­men zum an­de­ren nach­ge­hen. Mar­kus Pausch be­rich­tet über ei­ne in­ter­na­tio­na­le Stu­die zu „Low In­co­me Jobs“– wo sie zu fin­den sind und wen sie tref­fen.

Jür­gen Rin­der­spa­cher geht in der Fol­ge den Chan­cen und Gren­zen von neu­en Ar­beits­zeit­mo­del­len so­wie der mög­li­chen Um­keh­rung der „Zeit-geld-prä­fe­renz“für mehr Ar­beit­neh­me­rin­nen nach. Er hält die Lo­sung, für mehr Frei­zeit auf Ein­kom­men zu ver­zich­ten, nur für we­ni­ge Be­schäf­tig­te als at­trak­tiv und plä­diert da­her für plu­ra­le Ein­kom­mens­mo­del­le, kon­kret für ei­ne neue „Fa­mi­li­en­ar­beits­zeit“, über die Er­werbs­tä­ti­ge mit Kin­dern Lohn­er­satz­leis­tun­gen für Er­zie­hungs- und Sor­ge­tä­tig­kei­ten er­hal­ten sol­len, oder ei­ne „Pfle­ge­voll­zeit“nach dem­sel­ben Prin­zip. Nur Zweck­bin­dun­gen hät­ten auch öko­lo­gi­sche Vor­tei­le, weil mehr Frei­zeit (meist) mehr Res­sour­cen­ver­brauch be­deu­te, so Rin­der­spa­cher. Zu dis­ku­tie­ren sei­en selbst­ver­ständ­lich die Ge­gen­fi­nan­zie­run­gen, dies um­so mehr, wenn wir auf ei­ne „Null­wachs-

tums­ge­sell­schaft“zu­steu­ern. Ähn­lich ar­gu­men­tiert Micha­el Opiel­ka in sei­nem Plä­doy­er für ei­nen ad­ap­tier­ten „Wohl­fahrts­staat in der Post­wachs­tums­ge­sell­schaft“, der auf die Gr­und­ver­sor­gung al­ler Bür­ge­rin­nen zie­le. Wie die Ar­beits­zeit fle­xi­bler ge­stal­tet wer­den könn­te, zeigt Andre­as Hoff im Fol­ge­bei­trag an­hand des Mo­dells der „Wahl­ar­beits­zeit“, die ei­nen Zeit­kor­ri­dor für Ar­beits­ver­trä­ge vor­sieht.

Ei­nen ganz an­de­ren Blick auf die Zu­kunft der Ar­beit wirft Christine Ax, die ein­mal mehr für ei­ne Re­nais­sance des Hand­werks plä­diert – und zwar nicht nur aus öko­lo­gi­schen Grün­den (Stich­wort „Lang­le­bi­ge und re­pa­ra­tur­fä­hi­ge Pro­duk­te“), son­dern weil Wirt­schaf­ten da­mit der abs­trak­ten Pro­fit­ma­xi­mie­rung ent­zo­gen und in re­gio­na­le Struk­tu­ren ein­ge­bet­tet wür­de. Hoff­nung setzt die Au­to­rin in die „Ge­ne­ra­ti­on Y“, die die hoch­ver­dich­te­te und we­nig at­trak­ti­ve Ar­beits­welt der El­tern er­lebt ha­be und nach Al­ter­na­ti­ven su­che. Als ge­lun­ge­nes his­to­ri­sches Bei­spiel für ho­he Hand­werks­kunst nennt Ax die „Edo-pe­ri­ode“in Ja­pan (1603 bis 1868), in der das Land mit ge­rin­gem Res­sour­cen­auf­wand ei­ne Blü­te­zeit er­lebt ha­be.

In die­sel­be Rich­tung und wohl noch ra­di­ka­ler denkt Bri­git­te Kratz­wald, wenn sie ei­ne „post­ka­pi­ta­lis­ti­sche“Ge­sell­schaft der Com­mons an­denkt, die auch ei­ne „Post-ar­beits­ge­sell­schaft“sein könn­te, in der wir „die Din­ge, die wir zum Le­ben brau­chen, so her­stel­len, dass al­le ih­re Be­dürf­nis­se be­frie­di­gen kön­nen, al­le ih­re Fä­hig­kei­ten ein­brin­gen kön­nen, al­le Be­trof­fe­nen die Mög­lich­keit ha­ben, mit­zu­be­stim­men“(S. 172). Da­von sind wir frei­lich weit ent­fernt! Ar­beit: Wan­del

46 En­de des Wachs­tums – Ar­beit oh­ne En­de? Ar­bei­ten in ei­ner Post­wachs­tums­ge­sell­schaft. Hrsg. v. Hans Die­fen­ba­cher u. a. Mar­burg: Me­tro­po­lis, 2017. 226 S. € 24,80 [D], € 25,60 [A]

ISBN 978-3-7316-1254-4

„Das bis­he­ri­ge Wei­ter-so ei­ner Wachs­tums­ideo­lo­gie reicht als Ant­wort nicht aus, viel­mehr sind Sze­na­ri­en ge­for­dert, die ein Post­wachs­tums­mo­dell zu­grun­de le­gen (...), bei dem zwar durch­aus Kom­po­nen­ten wie Zu­wan­de­rung, stei­gen­de Frau­en­er­werbs­tä­tig­keit und...

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