Ein Land in Angst

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Ih­re In­for­ma­ti­ons­bla­se ist grö­ßer als ein Schrumpf­schlauch? Ihr po­li­ti­sches Ge­dächt­nis ent­hält Na­men wie Er­win Rin­gel oder Al­f­red Dal­lin­ger? Die Ana­ly­sen po­li­ti­scher Kom­men­ta­to­ren wie An­ton Pe­lin­ka und Pe­ter Filz­mai­er sind Ih­nen halb­wegs ge­läu­fig? – Nein, letz­te­rer lo­giert nicht im Zib2-stu­dio, so­viel er­fah­ren Sie in die­sem Buch! – dann sind Sie po­li­tisch oh­ne­hin auf Tr­ab, und „Be­wegt Euch!“wird Sie kaum wei­ter­be­we­gen.

Die Analyse ist stim­mig, die Stich­wor­te sind dem ge­lern­ten Ös­ter­rei­cher wohl­be­kannt: „glo­ba­li­sier­te Pro­duk­ti­ons­wei­se“, „Sinn­kri­se der Po­li­tik“(S. 9), „Christ­de­mo­kra­ten und So­zi­al­de­mo­kra­ten, (… ) die uns dort­hin ge­bracht ha­ben, wo wir heu­te ste­hen“(S. 11), „so­zia­ler Ab­stieg … [ist] Rea­li­tät ge­wor­den“(S. 16). „exis­ten­zi­el­les Ge­fühl des Ver­lo­r­en­seins“(S. 125). „Das Ge­fühl ei­ner dif­fu­sen Angst macht sich breit“(S. 141). „Wenn et­was schief­geht, wird nicht in ers­ter Li­nie nach den Ur­sa­chen ge­forscht, son­dern dis­ku­tiert, wer da­für ver­ant­wort­lich ist“(S. 33), „die Ohn­macht der Mas­sen … wird an ‚star­ke Män­ner‘ de­le­giert. Die Wut auf ‚die da oben‘ bleibt die sel­be“(S. 44). Der „per­sön­lich er­leb­ten Macht­lo­sig­keit (…) hat­te die EU we­nig ent­ge­gen­zu­set­zen“(S.49).

Der Ti­tel er­in­nert an den Es­say von Sté­pha­ne Hes­sel aus dem Herbst 2010, das soll er wohl. Auch Gu­sen­bau­ers Sa­ger vom „üb­li­chen Ge­su­de­re“mag ei­nem in den Sinn kom­men. Im­mer­hin, die­se „Abrech­nung mit der Angs­star­re der Ös­ter­rei­cher“for­mu­liert und rich­tet 40 Vor­schlä­ge an die Po­li­tik. „Ein­füh­rung ei­ner pro­gres­si­ven Ver­mö­gens­steu­er“, „cle­ve­re Ar­beits­zeit­ver­kür­zung“, „Bür­ger­ver­samm­lun­gen nach iri­schem Vor­bild“, „Be­schrän­kung der Amts­zeit für re­gie­ren­de Po­li­ti­ker“, „Deutsch­kur­se für al­le Asyl­be­wer­ber“, „Grund­le­gen­de Staats­re­form“, „Psy­cho­the­ra­pie auf Kran­ken­schein“– 7 aus 40, fast wie beim Lot­to. Im Ide­al­fall wä­re al­les mög­lich und sinn­voll; aber hier­zu­lan­de we­nig wahr­schein­lich. Wün­schen wird man sich noch was dür­fen, auch „da­mit Dis­kus­sio­nen an­re­gen. Men­schen mo­ti­vie­ren“und „an die Cou­ra­ge je­des Ein­zel­nen ap­pel­lie­ren“(S. 159).

In die­sem Sin­ne ei­ne Emp­feh­lung des Re­zen­sen­ten: Spa­ren Sie sich den Kauf­preis von € 19,95 und spen­den Sie min­des­tens die Hälf­te an die Initia­to­rin­nen des an­lau­fen­den Frau­en­volks­be­geh­rens. Mit des­sen Un­ter­stüt­zung lässt sich der­zeit ganz kon­kret die von den Au­to­ren ge­for­der­te Cou­ra­ge zei­gen und Ve­rän­de­rungs­wil­len be­wei­sen. Ös­ter­reich: Po­li­tik

58 Deutsch, Chris­ti­an; Knoll, Ste­fan, Land­graf, Tho­mas: Be­wegt euch! Ei­ne Abrech­nung mit der Angst­star­re der Ös­ter­rei­cher. Wi­en: Ue­ber­reu­ter, 2017. 159 S., € 19,95 [D/A]

ISBN 978-3-8000-7686-4

„Das dem­ago­gi­sche Welt­bild, egal in wel­cher ideo­lo­gi­schen Fär­bung, ist ein her­vor­ra­gen­des In­stru­ment, Krieg und Ver­nich­tung zu pro­pa­gie­ren und Ver­bre­chen zu recht­fer­ti­gen.“(Ötsch/hor­ac­zek in , S.96f.)

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