Me­tho­den und Tech­no­lo­gi­en

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Ver­schie­de­ne Ebe­nen der Zu­kunfts­for­schung spie­geln auch die Re­zen­sio­nen die­ses Ka­pi­tels wie­der. Re­gio­na­le Tra­di­tio­nen der Aus­ein­an­der­set­zung mit dem The­ma, das Rin­gen um gu­te Me­tho­dik und das Zu­sam­men­spiel mit wich­ti­gen The­men­be­rei­chen ste­hen im Mit­tel­punkt. Zu­kunfts­for­schung in Finn­land

Finn­land ge­hört zu den Staa­ten, in de­nen die wis­sen­schaft­li­che Be­fas­sung mit Zu­künf­ten in­ten­siv er­folgt. In dem vor­lie­gen­den Buch wird ein Rück- und Über­blick über die we­sent­li­chen Dis­kus­sio­nen und Ak­ti­vi­tä­ten im Lan­de ge­ge­ben. Da­bei geht es den Her­aus­ge­bern, die maß­geb­li­che In­sti­tu­tio­nen re­prä­sen­tie­ren, um Selbst­be­schrei­bung und Klä­rung der ei­ge­nen Po­si­tio­nen, die durch­aus viel­fäl­tig sind. 2013 er­schien die fin­ni­sche Ori­gi­nal­aus­ga­be, die jetzt in eng­li­scher Über­set­zung vor­liegt und so­mit aus­län­di­schen In­ter­es­sier­ten die Er­fah­run­gen und Ein­schät­zun­gen fin­ni­scher Zu­kunfts­for­sche­rin­nen zu ver­mit­teln ver­mag.

Die 23 Ka­pi­tel des Sam­mel­bands sind in zwei Ab­schnit­te mit je drei The­men­be­rei­chen un­ter­teilt. Im ers­ten Ab­schnitt sind theo­re­tisch-kon­zep­tio­nel­le Tex­te ver­sam­melt, aus de­nen auch her­vor­geht, wie in­ter­na­tio­nal ori­en­tiert die wis­sen­schaft­li­che Ar­beit er­folgt. Der zwei­te Ab­schnitt ent­hält me­tho­di­sche Tex­te, die zugleich Ein­drü­cke aus der Pra­xis ver­mit­teln und da­mit ver­bun­den auch Va­ri­an­ten häu­fig an­ge­wen­de­ter Me­tho­den wie Zu­kunfts­werk­statt, Sze­na­ri­en und Del­phi er­ör­tern. Da­bei wir deut­lich, dass in der Pra­xis häu­fig Kom­bi­na­tio­nen ver­schie­de­ner Me­tho­den zum Ein­satz kom­men.

In­ter­es­sant ist, dass vie­le der Au­to­rin­nen und Au­to­ren, und da­mit die 1980 ge­grün­de­te Fin­nish So­cie­ty for Fu­tures Stu­dies (FSFS), am Auf- und Aus­bau der Zu­kunfts­for­schung in Finn­land mit­wirk­ten. Da­zu ge­hö­ren Fin­land Fu­ture Re­se­arch

„We can­not chan­ge the past, but the fu­ture is open be­fo­re us, full of op­tio­nal pos­si­bi­li­ties so­me of which will co­me true.“(Me­thods of Fu­tures Re­se­arch in , S. 219)

Cent­re, die Fin­land Fu­ture Aca­de­my und das Com­mit­tee for the Fu­ture im fin­ni­schen Par­la­ment. 1993 wur­de von der FSFS erst­mals ein Sam­mel­band ver­öf­fent­licht, um den Stand der Zu­kunfts­stu­di­en in Finn­land zu be­schrei­ben. Als ei­ge­ne Stär­ke wird da­bei an­ge­se­hen, dass es dem­nach im Lan­de aka­de­mi­sche Zu­kunfts­stu­di­en, öf­fent­li­che Zu­kunfts­stu­di­en so­wie un­ter­neh­me­ri­sche Vor­aus­schau gibt, zu­mal Bil­dung, Leh­re und For­schung ver­zahnt sei­en.

Auf De­bat­ten au­ßer­halb des ei­ge­nen Lan­des wird ver­schie­dent­lich Be­zug ge­nom­men. So wird auf das Kon­zept „An­ti­ci­pa­ti­on“(UNESCO, Riel Mil­ler et al.), auf das Mill­en­ni­um Pro­ject oder die Stan­dards und Gü­te­kri­te­ri­en der deutsch­spra­chi­gen Dis­kus­si­on hin­ge­wie­sen (Ger­hold et al.). Die­ser über­na­tio­na­le Blick ist ein wich­ti­ges Merk­mal der fin­ni­schen Zu­kunfts­for­schung und an­ge­sichts von Glo­ba­li­sie­rung ei­ne po­si­ti­ve Qua­li­tät. Ent­spre­chend selbst­be­wusst wer­den auch ei­ge­ne Schwer­punk­te her­vor­ge­ho­ben: „It shuns tech­no­lo­gy de­ter­mi­nism and is ins­tead fo­cu­sed mo­re on the va­lues be­hind fu­tures stu­dies and on fu­ture re­se­arch com­pa­ti­ble with so­cie­tal goals.” (S. 11) Hier sei auf Kon­zep­te und Me­tho­den wie vor al­lem Fu­tures Map, Fu­tures Ta­ble (Mor­pho­lo­gi­cal Ma­trix) oder auch Cau­sal Laye­red Ana­ly­sis (CLA) hin­ge­wie­sen, die struk­tu­rier­te Über­le­gun­gen über künf­ti­ge Ent­wick­lun­gen er­mög­li­chen und of­fen­bar häu­fig an­ge­wen­det wer­den. Der letzt­ge­nann­te An­satz wird in dem von Ani­ta Ru­bin kurz vor ih­rem Tod ver­faß­ten Ka­pi­tel be­schrie­ben. Da­bei ist in­ter­es­sant, dass die weit über Finn­land hin­aus ge­schätz­te Ex­per­tin vor­schlägt, vier „ho­ri­zon­tal le­vels“(li­ta­ny lay­er, so­ci­al cau­ses lay­er, dis­cour­se/va­lues/world­view lay­er, myths/me­ta­phors lay­er) mit vier dif­fe­ren­zie­ren­den Per­spek­ti­ven zu ana­ly­sie­ren: der in­di­vi­du­el­len, lo­ka­len, staat­li­chen und der glo­ba­len Per­spek­ti­ve. Nach­dem sie Stär­ken und Schwä­chen der CLA dar­legt, re­sü­miert sie un­ter Be­zug­nah­me auf Ina­ya­tul­lah: „At its best, the me­thod opens up new roads to chan­ge and brings ima­gi­na­ti­on, arts, crea­ti­vi­ty, even poe­try back in­to fu­ture stu­dies.“(S 267)

Vor die­sem Hin­ter­grund dürf­te es nicht ver­wun­dern, dass in Finn­land Fu­ture Work­shops häu­fig an­ge­wen­det wer­den, und dass die­ser me­tho­di­sche An­satz auch Wei­ter­ent­wick­lun­gen bzw. An­pas­sun­gen er­fah­ren hat. Dies wird in zwei Ka­pi­teln be­schrie­ben und dis­ku­tiert. Wäh­rend Ju­ha Nur­me­la sich recht eng auf die klas­si­sche Form von Ro­bert Jungk be­zieht, be­schreibt Mar­ja-li­isa Vi­he­rä ei­ne Wei­ter­ent­wick­lung na­mens „Com­mu­ni­ca­ti­on Camp“(S. 206ff.), die of­fen­sicht­lich gut an die fin­ni­sche ge­mein­schafts­ori­en­tier­te Kul­tur an­ge­passt, aber auch auf­wän­dig ist: mehr­tä­gi­ges Mit­ein­an­der mit wech­seln­der Rol­len­ver­tei­lung sind hier vor­ge­se­hen (wo­mit auch auf die An­fän­ge der Me­tho­de zu­rück­ge­grif­fen wird).

Die­ser Sam­mel­band sei al­len wis­sen­schaft­lich an Zu­künf­ten ar­bei­ten­den Men­schen sehr emp­foh­len, denn hier wird mehr als ein nur na­tio­na­ler Über­blick über die Ar­beit an Zu­kunfts­stu­di­en ge­bo­ten. Theo­re­ti­sche und me­tho­di­sche Aspek­te und Her­aus­for­de­run­gen prin­zi­pi­el­ler Art wer­den mit Be­zug auf in­ter­na­tio­na­le Dis­kur­se so­wie prak­ti­sche An­wen­dung er­ör­tert und in ge­sell­schaft­li­che Ver­hält­nis­se ein­ge­bet­tet. E. G. Zu­kunfts­for­schung: Finn­land

67 How Do We Ex­plo­re Our Fu­tures? Me­thods of Fu­tures Re­se­arch. Os­mo Kuusi, Sirk­ka Heino­nen & Ha­zel Sal­mi­nen (Eds.). Hel­sin­ki: The Fin­nish So­cie­ty for Fu­tures Stu­dies, 2018. 312 S. (Ac­ta Fu­tu­ra Fen­ni­ca 10) € 45,- ; ISBN 978-951-98852-6-12018

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