Was dis­ku­tie­ren Groß­bri­tan­ni­en und die USA

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Ste­ven Pin­ker sorgt in der eng­lisch­spra­chi­gen Welt für Auf­se­hen. In sei­nem neu­en Buch „En­light­ment now“legt er sich mit ei­nem Groß­teil der ame­ri­ka­ni­schen und bri­ti­schen In­tel­lek­tu­el­len an. Pin­ker wur­de bei uns be­kannt, als er in sei­nem Buch „Ge­walt“vor­rech­ne­te, wie sich die Welt ver­bes­sert, wie Mor­d­ra­ten sin­ken, wie Mit­ge­fühl für im­mer mehr Men­schen auf­ge­bracht wird und wie die Wahr­schein­lich­keit in ei­nem Krieg zu ster­ben ab­nimmt. Pin­ker legt nun nach. Er ar­gu­men­tiert, dass nicht nur die Ge­walt am Rück­zug ist. Seit der Auf­klä­rung stei­ge die Le­bens­er­war­tung der Men­schen, wer­de die Ver­sor­gungs­la­ge mit Nah­rung bes­ser, wer­de das Was­ser sau­be­rer, sei­en Krank­hei­ten in der De­fen­si­ve und brei­te sich die Re­de­frei­heit aus. Die Auf­klä­rung be­steht für ihn aus der Kom­bi­na­ti­on von Ver­nunft, Wis­sen­schaft, Fort­schritt und Hu­ma­nis­mus. Die­se po­si­ti­ve Sicht auf die Ent­wick­lung der ver­gan­ge­nen drei­hun­dert Jah­re seit der Zeit von Im­ma­nu­el Kant und an­de­ren Den­kern der Auf­klä­rung bringt ihn in Kon­flikt mit vie­len Kri­ti­kern des Sta­tus quo. Den Mar­xis­mus ord­net er der deut­schen Ro­man­tik un­ter, Um­welt­schüt­zer sieht er oft ge­fan­gen in apo­ka­lyp­ti­schem Den­ken. Er wen­det sich ve­he­ment ge­gen den Ein­fluss der Re­li­gi­on, ge­gen Na­tio­na­lis­mus und auch ge­gen die Post­mo­der­ne, die die Er­fol­ge der Auf­klä­rung in Fra­ge stellt. Man kann sich vor­stel­len, dass das Buch auch im deutsch­spra­chi­gen Raum Staub auf­wir­beln wird.

Für die öko­no­mi­sche De­bat­te füh­ren die Au­to­ren Jo­na­than Has­kel und Sti­an West­la­ke das Kon­zept der „Int­an­gi­b­le Eco­no­my“, der „Wirt­schaft des Nicht­greif­ba­ren“ein. Wo­rum geht es? Im­mer mehr In­ves­ti­tio­nen er­fol­gen nicht in Ma­schi­nen, Land oder In­fra­struk­tur, son­dern in De­sign, Soft­ware und Bran­ding, Din­ge, die nicht greif­bar sind. Mi­cro­softs phy­sisch fass­ba­rer Be­sitz macht nur ein Pro­zent sei­nes Mark­wer­tes aus. Die­se Ver­schie­bung hat ei­ni­ge Fol­gen. Nicht­greif­ba­re Wer­te kön­nen schnel­ler grö­ßer wer­den als ma­te­ri­el­le: Ei­ne Soft­ware kann im Wert viel schnel­ler stei­gen und fal­len als ei­ne Fa­b­rik. Das er­klä­re auch ein Phä­no­men der ver­gan­ge­nen Jah­re: Ob­wohl die durch­schnitt­li­chen Ge­winn­ra­ten stie­gen, blie­ben In­ves­ti­tio­nen aus. Der Grund war, dass die Ge­winn­ra­ten ex­trem ver­schie­den wa­ren, je nach In­ves­ti­ti­on. In der „Int­an­gi­b­le Eco­no­my“stei­gen die Ge­winn­ra­ten bei man­chen Unternehmen ex­or­bi­tant, so­dass wei­te­re In­ves­ti­tio­nen nicht nö­tig sind. Bei an­de­ren „greif­ba­ren“In­ves­tio­nen hin­ge­gen sind die Ra­ten zu schlecht zum In­ves­tie­ren. Im Mit­tel der bei­den In­ves­ti­to­nen ist der Ge­winn folg­lich in Ord­nung – und trotz­dem wird we­nig in­ves­tiert.

Byung Chul-hans Werk „Psy­cho­po­li­tik” liegt nun auf Eng­lisch vor. Der Trä­ger des Salz­bur­ger Lan­des­prei­ses für Zu­kunfts­for­schung 2016 wird auch in der eng­lisch­spra­chi­gen Welt in­ten­siv dis­ku­tiert und po­si­tiv auf­ge­nom­men, zu­letzt im Guar­di­an. Zur Er­in­ne­rung: In dem Buch stellt Han die Fra­ge, ob wir über­haupt frei sein wol­len oder ob Frei­heit nicht ei­ne un­er­träg­li­che Be­las­tung dar­stellt, wes­we­gen wir re­li­giö­se und wirt­schaft­li­che Zwän­ge su­chen und ak­zep­tie­ren. Ste­fan Wal­ly

Pin­ker, Ste­ven: En­light­ment now! Pen­gu­in Ran­dom Hou­se: Lon­don, 2018. 576 S., € 15,49 [D], 16,- [A] ; ISBN 978-0525427575

52 Has­kel, Jo­na­tha; West­la­ke, Sti­an: Ca­pi­ta­lism wi­thout Ca­pi­tal.

The Ri­se of the Int­an­gi­b­le Eco­no­my. Prin­ce­ton: Univ. Press, 2017. 278 S., € 24,68 [D], 25,40 [A] ; ISBN 978-0691175034

53 Han, Byung-chul: Psy­cho­po­li­tics. New York, Lon­don: Ver­so, 2017. 96 S., € 7,18 [D], 7,40 [A] ; ISBN 978-1784785765

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