Was dis­ku­tiert Frank­reich

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Für Frank­reichs Feuille­ton sind die gro­ßen The­men im Win­ter 2017/18 die po­li­ti­sche Land­schaft der Re­pu­blik, Ter­ro­ris­mus und öko­lo­gi­sche Grund­satz­fra­gen. Die Un­ter­re­prä­sen­ta­ti­on von Frau­en und Min­der­hei­ten in der Po­li­tik ma­chen sich Au­de Lor­ri­aux und Ma­til­de Lar­rè­re zum The­ma. Ihr Buch „Po­li­ti­sche Ein­dring­lin­ge – Frau­en und Mi­gran­ten: Do­mi­nanz und Wi­der­stand“[Des ent­rus en po­li­tique – Femmes et mi­no­rités: do­mi­na­ti­ons et ré­si­t­an­ces] ar­bei­tet die Wi­der­stän­de auf, mit de­nen Frau­en und Min­der­hei­ten als „Ein­dring­lin­ge“in die Macht­zo­nen der Re­pu­blik kon­fron­tiert sind. Gleich­zei­tig wer­den die­se be­wusst in öf­fent­li­che Po­si­tio­nen ge­hievt, um den Schein der Di­ver­si­tät zu wah­ren – wäh­rend sich an der rea­len po­li­ti­schen Macht­ver­tei­lung we­nig än­dert. Die Au­to­rin­nen war­nen da­vor, dass al­lei­ne Di­ver­si­tät die fran­zö­si­sche De­mo­kra­tie of­fe­ner macht – es gilt, die ab­ge­kop­pel­te Eli­te den un­te­ren so­zia­len Schich­ten zu öff­nen. Le Mon­de lobt die dif­fe­ren­zier­te Analyse von Lor­ri­aux und Lar­rè­re, Le Po­int meint schlicht: „er­bau­lich“.

Ei­ne neue Per­spek­ti­ve zum The­ma Ter­ro­ris­mus bringt Je­an-françois Gayraud mit sei­nem Werk „Vom Ter­ro­ris­ten zum Gangs­ter – das neue hy­bri­de Ge­sicht der Ge­walt“[Du ter­ro­ris­te au gangs­ter. La vio­lence a un nou­veau vi­sa­ge: l’hy­bri­da­ti­on] zur Spra­che. Die Ta­ges­zei­tung Li­bé­ra­ti­on hat sich mit Werk und Au­tor in­ten­siv be­schäf­tigt: Im Zu­ge der Glo­ba­li­sie­rung ha­ben po­li­ti­scher und re­li­giö­ser Ter­ro­ris­mus sich zu­neh­mend mit kri­mi­nel­ler Ge­walt ver­bun­den, sicht­bar vor al­lem am is­la­mis­ti­schen Ter­ror, der Eu­ro­pa seit 2015 heim­sucht. Es sei kein Zu­fall, dass prak­tisch al­le Tä­ter ra­di­ka­li­sier­te Kri­mi­nel­le wa­ren. Gayraud spricht hier von ei­ner Is­la­mi­sie­rung von „All­tags­kri­mi­na­li­tät“. Dies pas­siert, wenn sich in kri­mi­nel­len Mi­lieus der Sala­fis­mus als mo­ra­li­scher Leit­fa­den eta­bliert – un­ter gleich­zei­ti­gem Weg­schau­en ei­ner ge­schlos­se­nen Mehr­heits­ge­sell­schaft. Um das Phä­no­men Dschi­had zu ver­ste­hen und da­mit auch zu be­kämp­fen, plä­diert der Au­tor für ei­ne stär­ke­re Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen So­zi­al­wis­sen­schaf­ten und Kri­mi­no­lo­gie.

Das Öko­lo­gie-buch der St­un­de, dis­ku­tiert in al­len gro­ßen Ta­ges­zei­tun­gen, ist Guil­lau­me Pi­trons „Der Krieg der sel­te­nen Me­tal­le. Die ver­bor­ge­ne Sei­te der Ener­gie­wen­de“[La gu­er­re des mé­taux ra­res. La face cachée de la tran­si­ti­on éner­gé­tique]. Laut L’obs macht das Buch die ver­bor­ge­nen Schat­ten­sei­ten der Ener­gie­wen­de öf­fent­lich, in­dem Pi­tron die um­welt­schäd­li­chen Aus­wir­kun­gen von kli­ma­freund­li­chen Tech­no­lo­gi­en the­ma­ti­siert. Zwar sen­ken So­lar­pa­nels u. Ä. die Emis­sio­nen, aber der Ab­bau der da­für nö­ti­gen sel­te­nen Er­den zieht de­sas­trö­se Um­welt­schä­den nach sich. Pi­tron warnt auch vor geo­po­li­ti­schen Kon­se­quen­zen des Ener­gie­wen­de­booms: So ist Chi­na der größ­te Lie­fe­rant für sel­te­ne Er­den; die­se wer­den im­mer wich­ti­ger für das Funk­tio­nie­ren der west­li­chen Zi­vi­li­sa­ti­on – bis hin zur Mi­li­tär­tech­nik. Für Le Fi­ga­ro wirkt die For­de­rung des Au­tors, die Ener­gie­wen­de auf­zu­ge­ben, pro­vo­kant aber schlüs­sig: ein ers­ter Schritt west­li­cher Län­der, sich aus der Ab­hän­gig­keit von Chi­na zu be­frei­en. Bir­git Bah­tic-kun­rath.

Lar­rè­re, Ma­til­de und Lor­ri­aux, Au­de: Des in­trus en po­li­tique. Femmes et mi­no­rités: do­mi­na­ti­ons et ré­sis­tan­ce. Pa­ris: Edi­ti­ons du Dé­tour, 2018. 224 S. €19,50 [F] ; ISBN 979-10-97079-28-4

55 Gayraud, Je­an-françois: Du ter­ro­ris­te au gangs­ter. La vio­lence a un nou­veau vi­sa­ge: l’hy­bri­da­ti­on. Pa­ris: CNRS Edi­ti­ons, 2017. 300 S., € 23 [F] ISBN 978-2-271-11751-9

56 Pi­tron, Guil­lau­me: La Gu­er­re des mé­taux ra­res. Pa­ris: Les Li­ens qui li­bè­rent, 2018. 295 S., € 20 [F] ; ISBN 979-10-209-0574-1

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