Le­ben 3.0

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Ei­ne Viel­zahl an Stu­di­en über die Aus­wir­kun­gen von Di­gi­ta­li­sie­rung und Künst­li­cher In­tel­li­genz (KI) auf die Ar­beits­welt liegt mitt­ler­wei­le vor. War­nen­den Be­rich­ten vom En­de der Ar­beit ste­hen nüch­ter­ne­re Pro­gno­sen ge­gen­über, die mehr von Tä­tig­keits­ver­schie­bun­gen als von Ar­beits­platz­ver­lus­ten spre­chen. Als Gu­ru für KI gilt der Pro­fes­sor für Phy­sik am MIT Max Teg­mark, der mit sei­nem Buch „Le­ben 3.0. Mensch­sein im Zeit­al­ter Künst­li­cher In­tel­li­genz“dick auf­trägt. „Wer­den me­cha­ni­sche Ge­hir­ne den Men­schen über­flüs­sig ma­chen, wie me­cha­ni­sche Mus­keln Pfer­de über­flüs­sig mach­ten?“, fragt Teg­mark pa­the­tisch (S. 189). Ne­ben be­reits be­kann­ten Ein­satz­be­rei­chen wie der au­to­ma­ti­sier­ten Pro­duk­ti­on oder der com­pu­ter­un­ter­stütz­ten Chir­ur­gie und La­b­or­tech­nik fügt der Au­tor wei­te­re hin­zu: KI wer­de im Trans­port­we­sen durch selbst­ge­steu­er­te Fahr­zeu­ge die Ver­kehrs­un­fäl­le dras­tisch sen­ken (Teg­mark meint um „min­des­tens 90 Pro­zent“, S. 149), Un­fäl­le in Atom­kraft­wer­ken un­wahr­schein­lich ma­chen, Cy­ber­kri­mi­na­li­tät er­schwe­ren (hier ist der Au­tor je­doch skep­tisch, es sei un­wahr­schein­lich, dass die Ver­tei­di­gung im „Rüs­tungs­wett­lauf der Com­pu­ter­si­cher­heit“ge­gen die An­grei­fer ge­win­ne, S. 158). Op­ti­mis­tisch ist Teg­mark hin­sicht­lich Ver­bes­se­rung der Jus­tiz durch „Ro­bo­rich­ter“, da die­se vor­ur­teils­frei ur­tei­len und mit­tels „Ma­gnet­re­so­nanz­to­mo­gra­phie­scan­ner“er­mit­teln, „wor­über ei­ne Person nach­denkt und vor al­lem, ob sie die Wahr­heit sagt oder lügt“(S. 162).

War­nend be­schreibt der It-ex­per­te die Mög­lich­kei­ten von KI im Mi­li­tär­be­reich. Wäh­rend heu­ti­ge Kampf­droh­nen des Mi­li­tärs von Men­schen fern­ge­steu­ert wer­den, hät­ten die Droh­nen der Zu­kunft das Po­ten­zi­al, „den Men­schen aus dem Kreis­lauf her­aus­zu­neh­men, in­dem sie ei­nen Al­go­rith­mus ver­wen­den, der ent­schei­det, wel­ches Ziel sie an­grei­fen und wen sie tö­ten“(S. 165).

Die Pro­gno­sen von Teg­mark ge­hen je­doch weit über die bis­he­ri­gen An­wen­dungs­be­rei­che von KI hin­aus. Das Neue liegt für ihn in der Mög­lich­keit, Ki-sys­te­me selbst mit­tels die­ser Tech­no­lo­gi­en pro­gram­mie­ren zu las­sen. Er spricht da­her von „All­ge­mei­ner Künst­li­cher In­tel­li­genz“(AKI“). Wäh­rend „Le­ben

1.0“im Zu­ge der Evo­lu­ti­on von „Le­ben 2.0“ab­ge­löst wur­de und das Auf­tre­ten des Men­schen mit sei­ner In­tel­li­genz be­zeich­ne, sei „Le­ben 3.0“eben durch die Über­tra­gung der In­tel­li­genz auf Ma­schi­nen ge­kenn­zeich­net. Die­se AKI bie­te Chan­cen, Fort­schritt wei­ter zu be­schleu­ni­gen, könn­te aber auch da­zu füh­ren, was wir bis­her nur aus der Sci­ence-fic­tion ken­nen, näm­lich, dass Ma­schi­nen das Kom­man­do über den Men­schen über­neh­men (ein frei­lich frag­li­ches Sze­na­rio). Pro­gno­sen über die Aus­wir­kun­gen auf den Ar­beits­markt sind laut Teg­mark schwie­rig, doch ver­weist er auf die Tat­sa­che, dass durch die Di­gi­ta­li­sie­rung bis­her kaum neue Jobs ge­schaf­fen wor­den sei­en und al­le bis­he­ri­gen Be­ru­fe be­reits seit lan­gem exis­tier­ten. Neue Jobs sei­en da­her nur durch Um­len­kung des durch die Di­gi­ta­li­sie­rung ge­schaf­fe­nen Mehr­werts in an­de­re Branchen mög­lich (S. 187). Künst­li­che In­tel­li­genz: Ar­beit

45 Teg­mark, Max: Le­ben 3.0. Mensch­sein im Zeit­al­ter Künst­li­cher In­tel­li­genz. Ber­lin: Ull­stein, 2017. 528 S., € 26,- [D], € 26,80 [A] ; ISBN 978-3-5500-8145-3

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