LEHR­BÜ­CHER FÜR NACH­HAL­TI­GES WIRT­SCHAF­TEN

ProZukunft - - Ökonomie -

den „Grund­la­gen ei­ner nach­hal­ti­gen Wirt­schafts­leh­re“von Holger Ro­gall (S. PZ 3/2013) gilt das Lehr­buch „Nach­hal­ti­ges Wachs­tum“von Micha­el von Hauff und Andrea Jörg als Stan­dard­werk im deut­schen Sprach­raum. Es ist 2018 in ak­tua­li­sier­ter Neu­auf­la­ge er­schie­nen und gibt ei­nen gu­ten Über­blick über un­ter­schied­li­che An­sät­ze im Kon­text der Be­zie­hung zwi­schen Wirt­schafts­wachs­tum und Um­welt. Be­zug ge­nom­men wird u. a. auf den kürz­lich ver­stor­be­nen Mit­be­grün­der der „Öko­lo­gi­schen Öko­no­mie“Hans Christoph Bins­wan­ger, neu auf­ge­nom­men sind die Vor­rei­ter der in­ter­na­tio­na­len Post­wachs­tums­de­bat­te wie Tim Jack­son und Al­bert Vic­tor.

Nicht nur für Stu­die­ren­de, aber die­sen eben­falls wärms­tens zu emp­feh­len ist der Band „Wie vie­le Skla­ven hal­ten Sie?“von Evi Hart­mann, Pro­fes­so­rin für Be­triebs­wirt­schafts­leh­re an der Fried­rich-alex­an­der-uni­ver­si­tät Er­lan­gen-nürn­berg. Die Ex­per­tin für Supp­ly Chain Ma­nage­ment kri­ti­siert, dass die Be­din­gun­gen, un­ter de­nen im glo­ba­len Gü­ter­ket­ten­ka­pi­ta­lis­mus pro­du­ziert wird, noch im­mer kaum Ein­gang in die Be­triebs­wirt­schafts­leh­re ge­fun­den ha­ben. Die­sem Miss­stand be­geg­net die Au­to­rin mit dem vor­lie­gen­den er­fri­schend en­ga­giert ver­fass­ten Band. Nicht die Glo­ba­li­sie­rung an sich sei das Pro­blem, son­dern das Hin­neh­men der glo­ba­len Aus­beu­tungs­struk­tu­ren. Hart­mann for­dert ins­be­son­de­re mehr Sen­si­bi­li­tät vom Ma­nage­ment der Un­ter­neh­men, das all­zu ger­ne weg­schaue, aber auch von uns Bür­gern und Bür­ge­rin­nen, die sie an ei­ner Stel­le als „Kon­sum­bar­ba­ren“(S. 64) brand­markt. Ih­re Hoff­nung setzt die Au­to­rin auf ein ge­sell­schaft­li­ches Um­den­ken, auf den Über­gang von „Cor­po­ra­te Go­ver­nan­ce“zu „Moral Go­ver­nan­ce“(S. 221). Ein auf­rüt­teln­des Buch, das die aka­de­mi­sche Zu­rück­hal­tung wohl­tu­end auf­gibt und klar Po­si­ti­on be­zieht. Ein­zi­ge Er­gän­zung: die glo­ba­len Wett­be­werbs­be­din­gun­gen müs­sen eben­falls in den Blick ge­nom­men und ver­än­dert wer­den. Es darf nicht mehr kos­ten­güns­ti­ger sein, aus­beu­te­risch zu pro­du­zie­ren. Hin­ge­wie­sen sei hier eben­falls auf die neue Pu­bli­ka­ti­on des Re­zen­sen­ten: „Wie wirt­schaf­ten?“, ein kri­ti­sches Glos­sar zu den Be­rei­chen Wirt­schaft, Ar­beit, Geld, Kon­sum und Res­sour­cen, das ins­ge­samt 108 Be­grif­fe er­klärt, un­ter­schied­li­che Sicht­wei­sen ge­gen­über- und Zu­sam­men­hän­ge her­stellt. Der letz­te Ab­schnitt the­ma­ti­siert Neu­an­sät­ze wie Re­gio­nal­wirt­schaft, Ge­mein­woh­löko­no­mie, Et­hi­scher Welt­han­del oder Post­wachs­tum. Grund­la­ge des Ban­des ist ein er­wei­ter­ter Wirt­schafts­be­griff, der auf öko­lo­gi­sche Gren­zen hin- und über Geld- und Markt­be­zie­hun­gen hin­aus­weist.

78 Hauff, v. Micha­el; Jörg, Andrea: Nach­hal­ti­ges Wachs­tum. Ber­lin/bos­ton: de Gruy­ter, 2017. 211 S. € 39,95 [D], € 41,00 [A]ISBN 978-3-11-042831-5

79 Hart­mann, Evi: Wie vie­le Skla­ven hal­ten Sie? Über Glo­ba­li­sie­rung und Moral. Frankfurt/m.: Cam­pus, 2016. 223 S., € 17,95 [D], 18,50 [A]

ISBN 978-3-593-50543-5

80 Holzin­ger, Hans: Wie wirt­schaf­ten? Ein kri­ti­sches Glos­sar zu den Be­rei­chen Wirt­schaft, Ar­beit, Geld, Kon­sum, Res­sour­cen und Neu­an­sät­ze. Salzburg: JBZ-VERL., 2018. 122 S., € 9,90 [A, D] e-book € 4,90 ISBN 978-3-902876-30-0

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