Was dis­ku­tiert Frank­reich

ProZukunft - - Inhalt -

Grie­chen­land wie­der auf Kre­di­te des Fi­nanz­markts an­ge­wie­sen. Die Schul­den­last kön­ne je­doch, sagt selbst der IWF, nur ge­schul­tert wer­den, wenn die Zin­sen mo­de­rat und die Lauf­zei­ten lan­ge sein wer­den. So wird das Pro­blem vor sich her­ge­scho­ben. Schul­den­kri­se: Eu-po­li­tik

116 Va­rou­fa­kis, Ya­nis: Die gan­ze Ge­schich­te. Mei­ne Aus­ein­an­der­set­zung mit Eu­ro­pas Esta­blish­ment. Mün­chen: Kunst­mann, 2018. 661 S.,

€ 30,- [D], 30,90 [A] ; ISBN 978-3-95614-202-4

Ent­zau­ber­te Uni­on

Eben­falls kri­tisch mit der Eu­ro­päi­schen Uni­on setzt sich ein Band von Attac Österreich aus­ein­an­der, in dem un­ter­schied­li­che Po­li­tik­be­rei­che der EU ana­ly­siert wer­den. Zur Spra­che kom­men in die­sem Buch Agrar­po­li­tik (Carl Wein­zierl), Flücht­lings­po­li­tik (Fa­bia­ne Ba­xe­wa­nos), Gleich­stel­lungs­po­li­tik (Eli­sa­beth Klat­zer, Chris­ta Schla­ger), Han­dels­po­li­tik (Alex­an­dra Strick­ner), Lohn­po­li­tik (Mar­kus Ko­za), Mi­li­tär­po­li­tik (Tho­mas Roith­ner), So­zi­al­po­li­tik (Chris­ti­ne May­r­hu­ber), Steu­er­po­li­tik

(Da­vid Walch) so­wie Um­welt- und Kli­ma­po­li­tik

(Ma­nu­el Gre­ben­jak, Micha­el Tor­ner).

Ex­em­pla­risch sei auf die Bei­trä­ge zur Eu-fi­nanz­markt­und Geld­po­li­tik ein­ge­gan­gen. Pe­ter Wahl,

Mit­be­grün­der von Attac Deutsch­land, be­schreibt die Eu-ver­trä­ge als Aus­druck ei­ner „Ka­pi­tal­uni­on“. Mit dem frei­en Ka­pi­tal­ver­kehr sei in die recht­li­che Kon­struk­ti­on der EU von vorn­her­ein ei­ne „grund­le­gen­de Asym­me­trie“ein­ge­baut: „Ka­pi­tal­in­ter­es­sen, und hier an ers­ter Stel­le die des Fi­nanz­ka­pi­tals, wer­den sys­te­ma­tisch und recht­lich pri­vi­le­giert und qua­si in den Ver­fas­sungs­rang er­ho­ben, wäh­rend an­de­re In­ter­es­sen dem­ge­gen­über zu­rück­ste­hen müs­sen.“(S. 39) Wahl poin­tiert: „Die Wirt­schafts­ver­fas­sung der EU ist ein Mecha­nis­mus zur Ver­hin­de­rung eman­zi­pa­to­ri­scher Fi­nanz-, Wirt­schafts­und So­zi­al­po­li­tik.“(S. 40) Die völ­li­ge De­re­gu­lie­rung der Eu-fi­nanz­märk­te ha­be die Fi­nanz­kri­se von 2008 mit­be­feu­ert, den Ren­di­te­druck auf die Wirtschaft er­höht und die öf­fent­li­chen Haus­hal­te be­las­tet: „Die Steu­er­sys­te­me wur­den an die Ka­pi­tal­in­ter­es­sen an­ge­passt – mit dem Re­sul­tat, dass der Fi­nanz­sek­tor ge­ne­rell un­ter­be­steu­ert und die öf­fent­li­che Hand chro­nisch un­ter­fi­nan­ziert ist.“(S. 41) Ne­ben ei­ner strik­ten Re­gu­lie­rung der Fi­nanz­märk­te plä­diert Wahl da­für, über Al­ter­na­ti­ven zum Eu­ro nach­zu­den­ken, et­wa ei­nen Nord- und Süd-eu­ro, der den Süd­län­dern die Ab­wer­tung ih­rer Wäh­rung er­laub­te oh­ne er­neut Wäh­rungs­spe­ku­la­tio­nen Vor­schub zu leis­ten, oder durch Kon­trak­te im Rah­men der Eu­ro­päi­schen Wäh­rungs­uni­on wie

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sie et­wa mit Dä­ne­mark be­ste­hen, das den Bei­tritt zum Eu­ro per Volks­ent­scheid ab­ge­lehnt hat­te. Der Öko­nom Ste­fan Ede­rer kon­ze­diert, dass der An­kauf von Staats­an­lei­hen durch die EZB in gro­ßem Um­fang im Ge­fol­ge der Fi­nanz­kri­se 2008 die Ka­pi­tal­märk­te be­ru­higt ha­be, pro­ble­ma­ti­siert aber, dass dies recht­lich nur auf dem Um­weg über pri­va­te Fi­nanz­in­sti­tu­tio­nen mög­lich war, „die da­mit gu­te Ge­schäf­te mach­ten“(S. 53). Ei­ne be­din­gungs­lo­se Ga­ran­tie für Staats­an­lei­hen, wie sie in den USA oder Groß­bri­tan­ni­en (zu­min­dest im­pli­zit) selbst­ver­ständ­lich sei, feh­le im Eu­ro­raum nach wie vor. Da­mit sei­en „spe­ku­la­ti­ve An­grif­fe auf Staats­an­lei­hen und die dar­aus re­sul­tie­ren­den Staats­schul­den­kri­sen wei­ter­hin vor­pro­gram­miert“(ebd.). Ede­rer, der die un­rühm­li­che Rol­le der EZB in der Grie­chen­land­kri­se eben­falls kri­ti­siert, for­dert „öf­fent­li­che Fi­nanz­in­sti­tu­te, die sich auf die ei­gent­li­chen Kern­auf­ga­ben von Ban­ken be­schrän­ken“(S. 55) so­wie die Re­di­men­sio­nie­rung der Groß­ban­ken. Eu-mit­glied­staa­ten könn­ten ih­re Ab­hän­gig­keit von den Fi­nanz­märk­ten ver­rin­gern, in­dem sie „ih­re Ein­nah­men­ba­sis – bei­spiels­wei­se durch Steu­ern auf im­mo­bi­les Ver­mö­gen – ver­brei­tern.“(ebd.) Im zwei­ten Teil des Ban­des wer­den Kon­se­quen­zen aus den Ana­ly­sen so­wie Stra­te­gi­en für ein so­li­da­ri­sches und so­zia­les Eu­ro­pa dis­ku­tiert. Ein The­ma ist die Ab­gren­zung eman­zi­pa­to­ri­scher Eu-kri­tik vom Na­tio­na­lis­mus der Rech­ten. Joa­chim Becker, Au­ßen­wirt­schafts­ex­per­te der WU Wien, meint poin­tiert: „Wer glaubt, die EU wä­re die Ant­wort auf die Rech­te, hat schon ver­lo­ren“(S. 145). Becker sieht die EU vor dem Zer­fall, ähn­lich je­nem der So­wjet­uni­on und Ju­go­sla­wi­ens in den 1990er­jah­ren. Ei­ne Re­for­mie­rung ist für ihn nicht mög­lich, es ge­he le­dig­lich dar­um, „Spiel­räu­me für ei­ne stär­ker so­zi­al und öko­lo­gisch aus­ge­rich­te­te Po­li­tik zu ge­win­nen“(S. 145), die auf un­ter­schied­li­chen Po­li­ti­ke­be­nen an­zu­stre­ben sei­en. Wie die­se aus­se­hen kön­nen, zei­gen Li­sa Mit­ten­drein von Attac und Eti­en­ne Schnei­der in ih­ren Vor­schlä­gen für „stra­te­gi­schen Un­ge­hor­sam“. Ne­ben be­ste­hen­den Frei­räu­men für Staa­ten und ih­re Ge­biets­kör­per­schaf­ten ge­gen­über dem stren­gen Wett­be­werbs­recht in den Be­rei­chen Um­welt und Öf­fent­li­che Be­schaf­fung plä­die­ren sie auch für be­wuss­te Ver­trags­über­schrei­tun­gen, um po­li­tisch Druck zu er­zeu­gen – et­wa durch Rück­nah­me der Pri­va­ti­sie­rung öf­fent­li­cher Di­enst­leis­tun­gen.

Zu­kunfts­po­ten­zia­le wer­den in der Ver­net­zung lo­ka­ler und re­gio­na­ler Initia­ti­ven ge­se­hen, et­wa in den Ttip-frei­en Kom­mu­nen, den Initia­ti­ven für Er­näh­rungs­sou­ve­rä­ni­tät oder den Be­we­gun­gen ei­nes „Mu­ni­zi­pa­lis­mus“, die Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on und De­mo­kra­tie von un­ten prak­ti­zie­ren, da­bei auch lo­ka­le Wahl­bünd­nis­se bil­den wie et­wa in Bar­ce­lo­na oder Ma­drid. Es han­de­le sich hier, so Ma­nue­la Zech­ner, um ei­nen An­satz, „Po­li­tik im All­tags­le­ben und Um­feld der Men­schen zu ver­an­kern“, al­so „de­mo­kra­ti­sche Po­li­tik jen­seits des Na­tio­nal­staats zu denken“(S. 243). Die­se Re-lo­ka­li­sie­rung sei auch die bes­te Stra­te­gie ge­gen den rech­ten Na­tio­na­lis­mus, so Bue Rüb­ner Han­sen von der Uni­ver­si­tät Aar­hus: es geht dar­um, neue For­men zu ent­wi­ckeln, „um So­li­da­ri­tät zu bil­den, die den Men­schen Ver­trau­en zu ein­an­der gibt“(S. 251).

In den ab­schlie­ßen­den „zehn Vor­schlä­gen, wie wir in die Of­fen­si­ve kom­men“der Her­aus­ge­be­rin­nen geht es ne­ben ei­ner „ge­mein­wohlori­en­tier­ten Fi­nanz­wirt­schaft“um ei­ne „Glo­ka­li­sie­rung der Wirtschaft“, um „Er­näh­rungs­sou­ve­rä­ni­tät“und „Ener­gie­de­mo­kra­tie“, die Aus­wei­tung der Com­mons, ei­ne „men­schen­ge­rech­te Ar­beit“so­wie ei­ne „um­fas­sen­de De­mo­kra­ti­sie­rung“(S. 255ff.).

Eu­ro­pa: Kri­tik 120 Ent­zau­ber­te Uni­on. War­um die EU nicht zu ret­ten und ein Aus­tritt kei­ne Lö­sung ist. Hrsg. v. Attac. Wien: Man­del­baum, 2017. 271 S., € 15,- [A, D]

ISBN 978-3-85476-669-8

Eu-grenz­schutz-po­li­tik

Wenn man die EU an den von ihr pro­pa­gier­ten Idea­len misst, ist die Flücht­lings­po­li­tik kein Ruh­mes­blatt. Die Aus­sa­ge, dass der freie Per­so­nen­ver­kehr ei­nen ge­mein­sa­men Grenz­schutz braucht, ist nach­voll­zieh­bar. Dass der Mi­gra­ti­ons­druck auf Eu­ro­pa zu­nimmt, wis­sen wir nicht erst seit dem Krieg in Syrien. Ei­ne stark wach­sen­de Be­völ­ke­rung in den Staa­ten Afri­kas, ver­schärf­te Um­welt­kon­flik­te, auch stei­gen­de in­ter­na­tio­na­le Mo­bi­li­tät auf­grund öko­no­mi­scher Ent­wick­lung (das wird meist über­se­hen) füh­ren zu mehr Mi­gra­ti­on (wer ganz arm ist, kann sich Aus­wan­de­rung gar nicht leis­ten). Chris­ti­an Ja­kob und Simone Sch­lind­wein von der Ber­li­ner taz be­schrei­ben in ih­rem Buch „Dik­ta­to­ren als Tür­ste­her Eu­ro­pas“de­tail­liert, wie die Staa­ten der Eu­ro­päi­schen Uni­on seit Jahr­zehn­ten dar­an ar­bei­ten, die­sen Mi­gra­ti­ons­druck auf­zu­hal­ten und sich ge­gen­über dem afri­ka­ni­schen Kon­ti­nent ab­zu­schot­ten. Nicht nur über den Aus­bau der ei­ge­nen Grenz­schutz­ein­hei­ten durch Fron­tex wird be­rich­tet, auch über die im­mer stär­ke­re Kopp­lung von Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit an die Be­reit­schaft der Re­gie­run­gen der Emp­fän­ger­län­der, Mi­gra­ti­on zu un­ter­bin­den. Die Aus­rüs­tung der Staa­ten an den Flucht- bzw. Wan­der­rou­ten mit mo­der­nen Über­wa­chungs­und Si­cher­heits­in­fra­struk­tu­ren wird als „Ent­wick­lungs­hil­fe“de­kla­riert. Zu­sam­men­ar­beit mit Dik­ta­to­ren – dar­auf ver­weist der Ti­tel des Bu-

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„Die ak­tu­el­le Eu­de­bat­te wird von der Po­la­ri­sie­rung zwi­schen ‚pro-eu­ro­päi­schen‘ und ‚eu­ro­pa­feind­li­chen‘ Kräf­ten do­mi­niert. Doch die­se all­ge­gen­wär­ti­ge In­sze­nie­rung ist ein ge­schick­tes Ma­nö­ver, um von so­zia­len Fra­gen und der Ver­tei­lung zwi­schen Arm und Reich ab­zu­len­ken.“(Attac Österreich in 120 , S. 10)

ches – wird vor den Schutz der Men­schen­rech­te ge­stellt, kri­ti­sie­ren die Au­to­ren.

Ja­kob und Sch­lind­wein ha­ben ge­nau re­cher­chiert und ver­fü­gen als Jour­na­lis­tin­nen über zahl­rei­che In­for­ma­ti­ons­quel­len. Sie zeich­nen die An­stren­gun­gen der Re­gie­run­gen der wohl­ha­ben­den Eustaa­ten nach, sich ge­gen den be­fürch­te­ten An­sturm an Mi­gran­tin­nen zu wapp­nen. Dass das lu­kra­ti­ve Ge­schäft mit dem Schlep­per­un­we­sen un­ter­bun­den ge­hört und ei­ne Po­li­tik des al­lei­ni­gen „Gren­zen auf“kei­ne Lö­sung ist, steht auch für die bei­den Au­to­rin­nen au­ßer Fra­ge. Sie plä­die­ren je­doch da­für, struk­tu­rel­le Hemm­nis­se für Ent­wick­lung, et­wa un­fai­re Han­dels­ab­kom­men oder Eu-agrar­ex­port­för­de­run­gen, die in Afri­ka lo­ka­le Märk­te zer­stö­ren, ab­zu­stel­len und le­ga­le Flucht­kor­ri­do­re und Mi­gra­ti­ons­pro­zes­se zu er­mög­li­chen. Deut­lich wird, dass in Afri­ka Mi­gra­ti­on als Ent­wick­lungs­chan­ce wahr­ge­nom­men wird, wäh­rend die rei­chen Eu-staa­ten Wohl­stands­mau­ern er­rich­ten. Die Men­schen vor Ort bräuch­ten kei­ne High­tech-zäu­ne, die sie ein­sper­ren, son­dern die Mög­lich­keit, ih­re Le­bens­si­tua­ti­on zu ver­bes­sern, so die Au­to­rin­nen. Mi­gra­ti­on sei ei­ne der Mög­lich­kei­ten. Im­mer­hin über­stei­gen die Rück­über­wei­sun­gen von Mi­gran­tin­nen in ih­re Her­kunfts­län­der die Ent­wick­lungs­hil­fe­zah­lun­gen um ein Mehr­fa­ches. Das Au­to­ren­duo schließt sein auf­rüt­teln­des Buch da­her wie folgt: „Von ge­schütz­ten Gren­zen und der Öff­nung der Märk­te träumt die EU. Von ge­schütz­ten Märk­ten und of­fe­nen Gren­zen träumt Afri­ka. So­lan­ge die­ses In­ter­es­sens­di­lem­ma nicht ge­löst ist, wird es kei­ne ech­te Part­ner­schaft ge­ben.“(S. 261)

Eu­ro­pa: Mi­gra­ti­ons­po­li­tik 121 Ja­kob, Chris­ti­an; Sch­lind­wein, Simone: Dik­ta­to­ren als Tür­ste­her Eu­ro­pas. Wie die EU ih­re Gren­zen nach Afri­ka ver­la­gert. Ber­lin: Ch. Links, 2017. 317 S., € 18,- [D], 18,50 [A] ; ISBN 978-3-86153-959-9

„Der Kampf ge­gen Ar­mut als Be­kämp­fung ir­re­gu­lä­rer Mi­gra­ti­on – das ist das neue Pa­ra­dig­ma der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit.“(Ja­kob/sch­lind­wein in 121 , S. 159)

nen raf­fi­nier­ten Mecha­nis­mus ge­macht, der Kri­tik ins Lee­re lau­fen lässt. (vgl. S. 48)

Schwer wiegt die ei­ge­ne Zer­ris­sen­heit der Chi­ne­sen. Durch das ra­san­te Wachs­tum seit 1990 ist das Land ei­ner der zen­tra­len Ak­teu­re der wirt­schaft­li­chen Glo­ba­li­sie­rung ge­wor­den. Heu­te sind fast 300 Mil­lio­nen Wan­der­ar­bei­te­rin­nen am Auf­schwung be­tei­ligt, die we­nigs­ten von ih­nen mit Ar­beits­ver­trä­gen, die meis­ten na­he­zu recht­los und ge­trennt von ih­ren Fa­mi­li­en. (vgl. FAZ v. 12/2017) Nicht zu­letzt des­halb füh­len sich im­mer mehr Men­schen in­mit­ten der Glo­ba­li­sie­rung fremd im ei­ge­nen Land. (vgl. S. 139) Da kommt der lan­ge ver­pön­te Kon­fu­zia­nis­mus als Qu­el­le der Sinn­ge­bung gera­de recht. „Die Kom­mu­nis­ti­sche Par­tei för­dert die Be­le­bung der Tra­di­ti­on auf ver­schie­de­nen Ebe­nen, gleich­zei­tig aber warnt sie da­vor.“(S. 90) Was den Mar­xis­mus be­trifft, scheint die­ser zu ei­nem Ge­häu­se mu­tiert zu sein, „in dem sich so ziem­lich je­de Art Po­li­tik un­ter­brin­gen lässt, so­lan­ge sie nur als Ein­heit der Ge­gen­sät­ze un­ter dem Dach ei­ner au­to­ri­tä­ren Par­tei in­ter­pre­tiert wer­den kann – und in­so­fern auch als Ge­gen­mo­dell zu west­li­chen De­mo­kra­ti­en taugt“(S. 93). Der vom Wes­ten ins­ge­heim für un­um­kehr­bar ge­hal­te­ne Trend zu mehr Li­be­ra­lis­mus, De­mo­kra­tie und Ge­wal­ten­tei­lung in ei­ner durch die Markt­wirt­schaft im­mer plu­ra­lis­ti­scher wer­den­den Ge­sell­schaft hat sich of­fen­sicht­lich nicht er­füllt. Hin­ge­gen lockt das „Reich der Mit­te“als der größ­te Markt der Welt. Der Um­gang mit Chi­na wird wohl auch in ab­seh­ba­rer Zu­kunft schwie­rig blei­ben. Ei­ne ge­mein­sa­me Stra­te­gie der Eu­ro­pä­er ist nicht in Sicht. Sys­tem­kri­tik

122 Sie­mons, Mark: Die chi­ne­si­sche Ve­r­un­si­che­rung. Stich­wor­te zu ei­nem ner­vö­sen Sys­tem. Mün­chen: Han­ser, 2017. 192 S. (Ed. Ak­zen­te)

€ 22,- [D], 22,70 [A] ; ISBN 978-3-446-25537-1

Freund­li­che Über­nah­me

Wie der Ti­tel ver­mu­ten lässt, ist Chi­na auf Ein­kaufs­tour – nicht nur in Afri­ka, son­dern auch in Eu­ro­pa. Seit der Wirt­schafts­kri­se 2008 wur­den wich­ti­ge Un­ter­neh­men in Eu­ro­pa im gro­ßen Stil auf­ge­kauft. Wie in­ten­siv und fol­gen­reich Chi­na hier­zu­lan­de in­ves­tiert, da­von be­rich­ten Juan Pablo Car­denal und He­ri­ber­to Araújo.

Nach wie vor be­ste­hen un­glei­che In­ves­ti­ti­ons­be­din­gun­gen: Re­strik­tio­nen in Chi­na und of­fe­ne Märk­te in Eu­ro­pa. Nicht nur die Au­to­ren mei­nen des­halb, man müs­se die chi­ne­si­schen Ak­ti­vi­tä­ten in Eu­ro­pa ge­nau­er in den Blick neh­men, ja viel­leicht auch stren­ger kon­trol­lie­ren. Ein ers­tes Wach­rüt­teln fand im Herbst 2017 statt, als der da­ma­li­ge deut­sche Wirt­schafts­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el über­ra­schend die Über­nah­me des deut­schen Elek­tro­nik­tech­nik­un­ter­neh­mens Aix­tron durch ei­nen chi­ne­si­schen In­ves­tor ge­stoppt und im glei­chen Atem­zug fai­re In­ves­ti­ti­ons­be­din­gun­gen ge­for­dert hat­te.

Chi­na stürzt, so die Au­to­ren, die west­li­che Welt in ein ech­tes Di­lem­ma. „Wie soll man mit ei­nem Land um­ge­hen, das nicht nur au­to­ri­tär re­giert wird, son­dern fi­nan­zi­ell über­mäch­tig ist und über die am ra­san­tes­ten wach­sen­den Zu­kunfts­märk­te ver­fügt?“(S. 11) Fakt ist, dass Chi­na seit der Fi­nanz- und Wirt­schafts­kri­se ge­wal­tig an Macht ge­won­nen hat. Das En­ga­ge­ment sei viel­fäl­tig, be­rich­ten Car­denal/araújo und rei­che vom Er­werb von An­tei­len in stra­te­gi­schen Sek­to­ren über den Aus­gleich von Staats­schul­den bis hin zu In­ves­ti­tio­nen in hoch­wer­ti­ge Tech­no­lo­gi­en oder bank­rot­te west­li­che Un­ter­neh­men. In den Ent­wick­lungs­län­dern en­ga­giert sich Pe­king oh­ne­hin seit an­dert­halb Jahr­zehn­ten, um sei­nen Be­darf an Roh­stof­fen für ei­nen Markt mit 1,4 Mrd. Men­schen zu si­chern, In­fra­struk­tu­ren zu fi­nan­zie­ren und auf­zu­bau­en. Chi­na nimmt längst je­de Chan­ce wahr, die sich bie­tet: dar­un­ter mil­lio­nen­schwe­re Über­nah­men im Ener­gie­sek­tor und von Berg­wer­ken in Ka­na­da so­wie Aus­tra­li­en, die Kon­trol­le über den wich­tigs­ten Ha­fen im öst­li­chen Mit­tel­meer oder den Er­werb klei­ner Be­trie­be und mit­tel­stän­di­scher Un­ter­neh­men in Deutsch­land, die dank ih­rer hoch­ent­wi­ckel­ten Tech­no­lo­gie in Ni­schen­märk­ten welt­weit füh­rend sind. Au­ßer­dem hat das „Reich der Mit­te“mit­hil­fe von Fi­nanz­sprit­zen „eu­ro­päi­sche Au­to­mo­bil­her­stel­ler ge­ret­tet, die in Be­dräng­nis ge­ra­ten sind oder Kon­kurs an­ge­mel­det ha­ben“(S. 12f.).

Die Ge­samt­sum­me der In­ves­ti­tio­nen Chi­nas in Eu­ro­pa in­ner­halb des letz­ten Jahr­zehnts be­trägt laut der kon­ser­va­ti­ven Us-denk­fa­brik „He­ri­ta­ge Foun­da­ti­on“60 Mil­li­ar­den Dol­lar. Ins­ge­samt hat Chi­na von 2005 bis En­de 2014 mehr als 257 Mil­li­ar­den Dol­lar in Eu­ro­pa, Nord­ame­ri­ka und Aus­tra­li­en in­ves­tiert. Bei al­len po­si­ti­ven Ef­fek­ten die­ses En­ga­ge­ments spre­chen Car­denal/araújo da­von, dass die auf die Märk­te strö­men­den Un­ter­neh­men zum größ­ten Teil Staats­un­ter­neh­men sind und es des­halb auch die Ein­fluss­mög­lich­kei­ten zu be­den­ken gilt, die der chi­ne­si­sche Staat auf un­se­re Re­gie­run­gen und Ge­sell­schaf­ten in Zu­kunft neh­men wird.

Auf dem in­ter­na­tio­na­len Par­kett ge­bär­det sich Chi­na zu­neh­mend ar­ro­gant, wie die Au­to­ren be­rich­ten. Ein Tref­fen mit dem Da­lai La­ma hat­te zur Fol­ge, dass die di­plo­ma­ti­schen Be­zie­hun­gen zwi­schen Chi­na und Groß­bri­tan­ni­en für an­dert­halb Jah­re auf Eis ge­legt wur­den. Ähn­li­ches pas­sier­te Nor­we­gen, nach­dem im Jahr 2010 der Frie­dens­no­bel­preis an ei­nen be­kann­ten chi­ne­si­schen Dis­si­den­ten ver­lie­hen wur­de. Im Gro-

„Wenn der Glau­be an den Mar­xis­mus zu­gleich ein­ge­for­dert und durch ei­nen im­mer wei­ter for­cier­ten Ka­pi­ta­lis­mus täg­lich un­ter­lau­fen wird, wie soll man ihn dann über­haupt in der Ge­schich­te des Kom­mu­nis­mus un­ter­brin­gen, mit der sich Eu­ro­pa aus­kennt?“(Mark Sie­mons in 122 , S. 21)

ßen und Gan­zen kenn­zeich­net aber nach Ein­schät­zung von Car­denal/araújo der „Kotau“, das Ri­tu­al zu Kai­ser­zei­ten, sich vor dem Herr­scher nie­der­zu­wer­fen und zu er­nied­ri­gen, den heu­ti­gen Um­gang west­li­cher Po­li­ti­ker mit den kom­mu­nis­ti­schen Füh­rern. In je­dem Fall for­dert der Auf­stieg ei­nes au­to­ri­tä­ren Chi­nas die ver­bind­li­chen in­ter­na­tio­na­len Nor­men und auch un­se­re de­mo­kra­ti­schen Ge­wohn­hei­ten her­aus, sind bei­de über­zeugt. Öko­no­mie

123 Car­denal, Juan Pablo; Araújo, He­ri­ber­to: Freund­li­che Über­nah­me. Chi­nas Griff nach Eu­ro­pa. Mün­chen: Han­ser, 2017. 349 S., € 26,- [D], 26,80 [A] ISBN 978-3-446-25500-5

Chi­nas neue Sei­den­stra­ße

Chi­na hat das Groß­pro­jekt „Neue Sei­den­stra­ße“2013 durch Staats­prä­si­dent Xi Jin­ping ver­kün­det. Für um­ge­rech­net 113 Mrd. Eu­ro soll die In­fra­struk­tur für neue Han­dels­rou­ten nach Eu­ro­pa, Asi­en und Afri­ka ge­schaf­fen wer­den. Skep­ti­ke­rin­nen war­nen da­vor, dass die Volks­re­pu­blik da­mit den Ein­fluss auf die Welt­wirt­schaft aus­wei­ten will. Die Au­to­ren, al­le­samt pro­mo­vier­te Hoch­schul­leh­rer, mei­nen, dass vie­le „Be­ob­ach­ter im Wes­ten be­fürch­ten, dass mit der neu­en Sei­den­stra­ße ei­ne Ent­wick­lungs­dik­ta­tur der Chi­ne­sen ex­por­tiert wer­den soll“(S. 150). Bis­her ha­ben sich des­sen un­ge­ach­tet mehr als 100 Län­der und 30 An­rai­ner­staa­ten der Sei­den­stra­ßen-initia­ti­ve an­ge­schlos­sen. Nach of­fi­zi­el­ler chi­ne­si­scher Les­art ist es „die glo­bal größ­te, prak­tisch be­gon­ne­ne Ent­wick­lungs­in­itia­ti­ve zur Ve­rän­de­rung des Zi­vi­li­sa­ti­ons­zu­stan­des“(S. 159).

Die Vi­si­on ei­ner neu­en Welt­han­dels­rou­te in An­leh­nung an die his­to­ri­sche Sei­den­stra­ße ist zen­tra­ler Be­stand­teil der chi­ne­si­schen Neu­ori­en­tie­rung im frei­en Welt­han­del. Da­bei geht es um ei­ne äu­ßerst am­bi­tio­nier­te Ver­bin­dung durch Kir­gi­sis­tan, Tad­schi­kis­tan, Us­be­kis­tan, Turk­me­nis­tan und den Iran. Ge­dacht ist da­bei aber auch an ei­ne Aus­deh­nung des See­han­dels durch ma­ri­ti­me Rou­ten. Chi­na selbst spricht da­bei von wech­sel­sei­ti­gen Vor­tei­len, Wirt­schafts­wachs­tum und Auf­schwung. „Dass die Si­che­rung der gro­ßen Öl-, Edel­me­tall- und Gas­vor­kom­men so­wie sons­ti­gen Roh­stof­fe in Zen­tral­asi­en ein wei­te­res we­sent­li­ches Mo­tiv dar­stel­len“(S. 9), liegt für die Au­to­ren auf der Hand.

In wei­te­rer Fol­ge geht es de­tail­liert um die Di­men­sio­nen der „One Belt One Road“-initia­ti­ve (OBOR), de­ren Ver­lauf und struk­tu­rel­le Her­aus­for­de­run­gen zu Lan­de und an den Küs­ten auf dem See­weg. Fi­nan­ziert wer­den soll das Pro­jekt durch die Asi­an In­fra­struc­tu­re In­vest­ment Bank (AIIB) mit Sitz in Pe­king. Ne­ben die­sem Mam­mut-pro­jekt steht Chi­na aber un­ver­än­dert

schen­rechts­ver­let­zun­gen, am Um­gang mit An­wäl­tin­nen, Jour­na­lis­tin­nen und Dis­si­den­tin­nen in al­len west­li­chen Ländern in Gren­zen hält (sie­he die An­mer­kung über den „Kotau“Rez. Nr. ). In Chi­na selbst sind oh­ne­hin die per­sön­li­che Kar­rie­re, das fa­mi­liä­re Glück und re­gie­rungs­sei­tig ge­währ­te Rei­se­mög­lich­kei­ten wich­ti­ger als Frei­heit und De­mo­kra­tie oder ein nicht zen­sier­tes In­ter­net. (vgl. S. 159) Ab­schlie­ßend hal­ten die Au­to­ren fest, dass es gera­de „in Zei­ten gro­ßer Ve­r­un­si­che­rung hin­sicht­lich des wei­te­ren Fort­schritts im Frei­han­del und der Glo­ba­li­sie­rung“ge­ra­ten sei, ak­ti­ver über neue For­men der glo­ba­len Ko­ope­ra­ti­on nach­zu­den­ken. (S. 151) Dies­be­züg­lich bleibt fest­zu­hal­ten, dass die EU eher ge­trie­ben als agie­rend wirkt. Den Eu­ro­päe­rin­nen fällt es man­gels oder ge­schei­ter­ter ei­ge­ner Ide­en so­wie vor al­lem in­ter­ner Her­aus­for­de­run­gen of­fen­sicht­lich schwer, „über den ei­ge­nen Schat­ten zu sprin­gen und der Initia­ti­ve je­ne Di­men­si­on zu­zu­er­ken­nen, die sie international zu­neh­mend ge­winnt“(ebd.). Frank­reichs Prä­si­dent Em­ma­nu­el Ma­cron hat bei sei­nem Chi­na-be­such An­fang 2017 al­ler­dings ei­ne eu­ro­pä­isch-chi­ne­si­sche Zu­sam­men­ar­beit beim Auf­bau der neu­en Sei­den­stra­ße be­schwo­ren und be­tont, dass ei­ne Stra­ße per De­fi­ni­ti­on nur ge­mein­sam ge­nutzt wer­den kann. Im Mai 2017 gab die Deut­sche Bank das Ver­spre­chen, ge­mein­sam mit der Chi­na De­ve­lop­ment Bank in den kom­men­den fünf Jah­ren drei Mil­li­ar­den Dol­lar für In­fra­struk­tur auf der „Neu­en Sei­den­stra­ße“zu in­ves­tie­ren. (vgl. FAZ on­li­ne v. 31.5.2017) Schön lang­sam scheint Eu­ro­pa auf­zu­wa­chen. Gleich­zei­tig war­nen Au­to­ren der Ber­li­ner Denk­fa­bri­ken „Mer­ca­tor In­sti­tu­te for Chi­na Stu­dies“(Me­rics) und „Glo­bal Pu­b­lic Po­li­cy In­sti­tu­te“(GPPI) vor „Chi­nas ra­sant zu­neh­men­den Be­mü­hun­gen um po­li­ti­schen Ein­fluss in Eu­ro­pa“(F. Bö­ge: Loh­nen­de Zie­le für Pe­kings Pro­pa­gan­da­ap­pa­rat. FAZ, 6.2.2018, S. 3), die ei­ne ernst­zu­neh­men­de Her­aus­for­de­rung für li­be­ra­le De­mo­kra­ti­en so­wie Eu­ro­pas Wer­te und In­ter­es­sen dar­stel­len. Wie der Wes­ten die­sen Be­stre­bun­gen be­geg­nen wird, bleibt ei­ne span­nen­de Fra­ge. Welt­han­del

127 Hart­mann, Wolf D.; Ma­en­nig, Wolf­gang; Wang, Run: Chi­nas neue Sei­den­stra­ße. Ko­ope­ra­ti­on statt Iso­la­ti­on. Der Rol­len­tausch im Welt­han­del. Frank­furt/m.: Frank­fur­ter All­ge­mei­ne, 2017. 214 S., € 19,90 [D], 20,50 [A]

ISBN 978-3-95601-224-2

Wach­ab­lö­se

Mit Vor­be­halt ha­be ich das im Ver­lag der „Team Stro­nach Aka­de­mie“pu­bli­zier­te Büch­lein der neu­en, von der FPÖ be­ru­fe­nen ös­ter­rei­chi­schen Au­ßen­mi­nis­te­rin Ka­rin Kn­eissl zur Hand ge­nom­men. Be­den­ken sind durch­aus an­ge­bracht ob der Fra­ge, was ei­ne aus­ge­wie­se­ne Nah­ost­ex­per­tin für ein Mi­nis­ter­amt auf Vor­schlag die­ser Par­tei qua­li­fi­ziert. Es wa­ren wohl Aus­sa­gen Kn­eissls zur Flücht­lings­kri­se und zur be­rüch­tig­ten Köl­ner Sil­ves­ter­nacht so­wie in frü­her pu­bli­zier­ten Bü­chern (z.b. „Tes­to­ste­ron macht Po­li­tik“, 2012), in de­nen sich die stu­dier­te Ara­bis­tin als „Ex­per­tin für Geo­po­li­tik“ei­nen Na­men mach­te und Flücht­lin­ge im­mer wie­der als „Tes­to­ste­ron­bom­ben“be­zeich­ne­te.

„Eu­ro­pa steht am Ab­stell­gleis“(S. 5), ist Ka­rin Kn­eissl über­zeugt. Die glo­ba­len Macht­ver­hält­nis­se und Ein­fluss­sphä­ren ver­schie­ben sich gera­de. Das be­völ­ke­rungs­reichs­te Land der Welt schickt sich an, in je­nes Va­ku­um vor­zu­sto­ßen, das ein nur mit sich selbst be­schäf­tig­tes Eu­ro­pa und ei­ne auf Rück­zug be­dach­te USA preis­ge­ben. Chi­na geht längst in Afri­ka und im Mitt­le­ren und Na­hen Os­ten di­plo­ma­tisch und wirt­schaft­lich in die Of­fen­si­ve und das Pro­jekt „Neue Sei­den­stra­ße“(sie­he Nr. 127 ) ist wohl weit mehr als nur das Tor Rich­tung Wes­ten für den größ­ten Ener­gie­im­por­teur der Welt. „Denn die Wirt­schafts­macht Chi­na sieht sich zu­se­hends wie­der in der Rol­le des im­pe­ria­len ‚Reichs der Mit­te‘, das zi­vi­li­sa­to­risch dem Rest der Welt über­le­gen ist“(S. 10), so Kn­eissl. Auch ih­re Ein­schät­zung, dass sich die geo­po­li­ti­schen Ge­wich­te zu­neh­mend vom At­lan­tik zum Pa­zi­fik ver­schie­ben und der Wes­ten (Eu­ro­pa) kei­ne Stra­te­gie hat, wie da­mit um­zu­ge­hen sei, trifft zwei­fel­los zu. Wirt­schaft­lich ist das Land mit sei­nem kom­mu­nis­ti­schen Ka­pi­ta­lis­mus längst zum Glo­bal Play­er ge­wor­den. Oh­ne Chi­na, ist die Au­to­rin über­zeugt, geht heu­te im welt­wei­ten Roh­stoff­han­del und in der in­ter­na­tio­na­len Ener­gie­po­li­tik nichts mehr. Es sagt wohl ei­ni­ges aus, „wenn Funk­tio­nä­re der chi­ne­si­schen Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei der Us-de­le­ga­ti­on in ei­ner Kon­fe­renz der G20 [2017 beim G20 Tref­fen in Ba­den Ba­den, Anm. d. Red.] die Vor­zü­ge des Frei­han­dels er­läu­tern müs­sen“(S. 91).

Po­li­ti­ker und Me­di­en tun sich in der Tat schwer mit der rich­ti­gen Ein­schät­zung der La­ge, wie Ös­ter­reichs obers­te Di­plo­ma­tin kri­ti­siert. Der­zeit scheint es, als ob der Hö­hen­flug Chi­nas nur von in­ter­nen Pro­ble­men wie der früh­zei­ti­gen Ver­grei­sung in­fol­ge der Ein-kind-po­li­tik und Her­aus­for­de­run­gen auf­grund des wach­sen­den Wohl­stands­ge­fäl­les ge­stoppt wer­den kön­ne. Kn­eissl ver­tritt auch hier die The­se, dass der Über­schuss an jun­gen Män­nern ei­ne gro­ße Be­dro­hung für die Sta­bi­li­tät des Lan­des dar­stellt. „Die Sor­ge un­ter ei­ni­gen Be­ob­ach­tern ist auch da, dass die über­zäh­li­gen jun­gen Män­ner als Ka­no­nen­fut­ter ei­nes Tages in ei­nen kon­ven­tio­nel­len Krieg ge­wor­fen wer­den könn­ten.

„Chi­nas Wachs­tum be­stimmt zu­neh­mend die Welt­kon­junk­tur, auch wenn es sich statt zwei­stel­lig ‚nur noch‘ um 6,5 Pro­zent be­wegt. Das Wachs­tum soll nach­hal­ti­ger wer­den, und an­ge­kün­dig­te Re­for­men vor­wie­gend struk­tur­be­stim­men­der Staats­un­ter­neh­men müs­sen grei­fen.“(Hart­mann u.a. in 127 , S. 7)

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