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Viel Auf­merk­sam­keit er­hält in der Ang­lo­sphä­re das neue Buch des Phi­lo­so­phen Kwa­me Ant­ho­ny Ap­piah. In „The Lies That Bind. Re­thin­king Iden­ti­ty“setzt er sich mit den Er­fin­dun­gen der gro­ßen Er­zäh­lun­gen über Iden­ti­tä­ten aus­ein­an­der. Na­ti­on, Ras­se, Gen­der wer­den zer­legt, his­to­ri­siert und an­hand von Ge­schich­ten in Fra­ge ge­stellt. Die­se Iden­ti­tä­ten täu­schen vor, ei­ne Es­senz jen­seits un­se­res ge­sell­schaft­li­chen Ent­schei­dens zu ha­ben. Es han­delt sich da­bei um ei­ne Lü­ge. Ap­piah zeigt aber, dass die­se Lü­ge ei­ne Wir­kung hat, dass sie Men­schen auch ver­bin­det. Dass die Lü­ge der ge­mein­sa­men Iden­ti­tät auch Grund­la­ge für So­li­da­ri­tät sein kann. Ge­nau­so, wie sie Aus­gren­zung und men­schen­ver­ach­ten­des Ver­hal­ten er­mög­licht. Ap­piah lässt die Fra­ge of­fen, ob wir die­se Lü­gen über un­se­re Iden­ti­tä­ten wei­ter nut­zen soll­ten.

Der An­teil der Men­schen, die sich als glück­lich be­zeich­nen, ist ge­mes­sen an der Ar­beits­zeit am höchs­ten un­ter den Per­so­nen, die 21 bis 30 St­un­den pro Wo­che im Job ver­brin­gen. Das er­zählt uns Paul Do­lan in dem Buch „Hap­py Ever Af­ter. Esca­ping the Myth of The Per­fect Li­fe“. Der Psy­cho­lo­ge Do­lan macht sich auf die Su­che, wo Men­schen heu­te Glück fin­den. Da­bei stößt er auf den Um­stand, dass Er­zäh­lun­gen vom gro­ßen Glück oft un­se­rem kon­kre­ten Glück im Weg ste­hen. Das Ide­al­bild der le­bens­lan­gen Ehe mit ewi­gem Glück füh­re bei­spiel­wei­se da­zu, dass schei­tern­de Be­zie­hun­gen auf­recht­er­hal­ten wer­den, weil man ei­nem Bild ent­spre­chen will. Die Er­zäh­lun­gen vom ewi­gen Glück gibt es in vie­len Be­rei­chen und sie füh­ren da­zu, dass die nüch­ter­ne kon­kre­te Be­ob­ach­tung von Si­tua­tio­nen zu kurz kommt.

Zwei wei­te­re Bü­cher fin­den im eng­lisch­spra­chi­gen Raum viel Be­ach­tung, sie set­zen sich mit den Wi­der­sprü­chen zwi­schen der ra­san­ten ge­sell­schaft­li­chen Ent­wick­lung und un­se­rer deut­lich lang­sa­me­ren Ve­rän­de­rung als bio­lo­gi­sche Le­be­we­sen aus­ein­an­der. Vy­barr Cre­gan-reid the­ma­ti­siert in „Pri­ma­te Chan­ge. How The World We Ma­de is Re­making Us“, dass un­ser Kör­per auf Be­we­gung aus­ge­legt ist, die wir nicht mehr su­chen. Bri­ti­sche Kin­der ver­brin­gen heu­te we­ni­ger Zeit im Frei­en als Ge­fäng­nis­in­sas­sen, hat­te ei­ne Er­he­bung von 2016 er­ge­ben. Weil aber un­se­re Evo­lu­ti­on mit un­se­rem ver­än­der­ten Ver­hal­ten nicht mit­hält, führt dies zu kör­per­li­chen Lei­den. Ähn­li­ches be­rich­tet die Jour­na­lis­tin und Auo­rin Lin­da Ged­des in ih­rer Pu­bli­ka­ti­on „Cha­sing the Sun“: Men­schen ha­ben evo­lu­tio­när ei­nen bio­lo­gi­schen Ta­ges­rhyth­mus ent­wi­ckelt, der die Che­mie des Kör­pers be­stimmt. Nicht nur, dass die­ser Rhyth­mus in ei­ner an der Wert­schöp­fung ori­en­tier­ten Welt we­ni­ger be­rück­sich­tigt wird, auch die da­mit ver­bun­de­nen we­ni­ger wer­den­den St­un­den mit na­tür­li­chem Son­nen­licht ha­ben mas­si­ve Aus­wir­kun­gen auf un­se­re Ge­sund­heit und auch auf un­se­re Stim­mung. S. W.

44 Ap­piah, Kwa­me Ant­ho­ny: The Lies That Bind. Re­thin­king Iden­ti­ty. Lon­don: Pro­fi­le Books, 2018. 256 S., £ 9,63 [GB]

45 Do­lan, Paul: Hap­py Ever Af­ter. Esca­ping The Myth of The Per­fect Li­fe. Lon­don: Al­len La­ne, 2018. 240 S., £ 11,95 [GB]

46 Cre­gan-reid, Vy­barr: Pri­ma­te Chan­ge. How The World We Ma­de is Re­making Us. Lon­don: Oc­to­pus, 2018. 302 S., £ 11,95 [GB]

47 Ged­des, Lin­da: Cha­sing The Sun. The New Sci­ence of Sun­light and How it Sha­pes Our Bo­dies and Minds. Lon­don: Pro­fi­le Books, 2018. 256 S., £ 14,99 [GB]

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